Limmattal
«Das Kloster Fahr war mein sonnigstes Projekt»

Unter der Federführung von Walter Mischler wurde der letzte weisse Fleck auf der Gemeindekarte ausradiert. Die Aargauer Exklave gehörte seit 1130 zum Kloster Einsiedeln. Seit dem 1. Januar 2008 ist das Kloster Fahr der Gemeinde Würenlos zugehörig.

Katja Landolt
Merken
Drucken
Teilen
Walter Mischler hat über drei Jahre lang die Akte betreut.Chris Iseli

Walter Mischler hat über drei Jahre lang die Akte betreut.Chris Iseli

Walter Mischler leitet seit 15 Jahren die Gemeindeabteilung im Departement Volkswirtschaft und Inneres des Kantons Aargau. Mitte Januar wird er pensioniert. Seine schönste Erinnerung an diese Zeit führt ihn aber nicht wie erwartet an einen Ort im Kanton Aargau, sondern mitten ins Limmattal: Unter seiner Federführung wurde die Exklave Kloster Fahr, der letzte weisse Fleck auf der Schweizer Gemeindekarte, 2008 an die Gemeinde Würenlos angeschlossen.

Noch sieht das Büro in einem Aarauer Hochhaus nicht nach Pensionierung aus: In den Regalen stehen die Ordner in Reih und Glied, auf dem Arbeitstisch reckt sich eine Topfpflanze. Noch gibt es viel zu tun vor dem letzten Arbeitstag Mitte Januar, Mischler muss noch seine Nachfolgerin einarbeiten. Trotzdem nimmt er sich gern die Zeit, auf das Projekt Kloster Fahr, sein «sonnigstes Projekt», wie er es nennt, zurückzublicken.

Pendenz angepackt

Bis Mischler 2004 vom damaligen Regierungsrat Kurt Wernli den Auftrag zur Bearbeitung des Falls «Kloster Fahr» erhielt, war das Dossier eine jahresalte Pendenz gewesen. Seit der Revision der Kantonsverfassung 1980 nämlich hatte das Kloster Fahr einen nicht mehr existierenden Status: Zwar bildete es Bestandteil des Kantons Aargau – der die Aufsicht über die Finanzen hatte – gehörte gebietsmässig aber zu keiner Gemeinde. Ein Zustand, den die Kantonsverfassung nicht vorsah (separater Text).

2004 dann traten der Abt des Klosters Einsiedeln, Martin Werlen, dem das Kloster Fahr unterstellt ist, und Priorin Irene Gassmann, die das Kloster Fahr führt, an den Kanton heran, um alle offenen Rechtsverhältnisse zu klären.

Der regierungsrätliche Auftrag an Mischlers Abteilung lautete, einen «verfassungsmässigen Zustand für das Kloster erarbeiten». Für das Kloster Fahr mussten also alle Dinge geregelt werden, die auch in jeder Gemeinde geregelt sind. Welche Feuerwehr kommt, wenns brennt, beispielsweise? Wo gehen Kinder zur Schule, die im Kloster Fahr wohnen? Welche Polizei ist zuständig? Wie sieht es aus mit der klostereigenen Wasserquelle und dem landwirtschaftlichen Grossbetrieb?

«Die Angelegenheit war sehr komplex. Weil Würenlos recht weit weg ist, mussten viele dieser Angelegenheiten mit Unterengstringen geregelt und zwischen den Gemeinden aufgeteilt werden», sagt Mischler und nennt das Beispiel Polizei: «Stellen Sie sich vor, wie das herauskäme, wenn bei einem Notfall erst eine Patrouille aus dem Westaargau ins Limmattal fahren müsste.»

Ein guter Geist

All diese Punkte abzuarbeiten, hat viel Zeit gekostet. «Es war bestimmt nicht mit einem Händeklatschen erledigt», sagt Mischler und lacht. Selbst Samstage seien für die Arbeit draufgegangen, über drei Jahre hat es gedauert, bis die Tinte unter dem Staatsvertrag zwischen den Kantonen Zürich und Aargau, der die Verträge zwischen den beiden Gemeinden und dem Kloster offiziell besiegelte, getrocknet war.

Aber niemals hätte jemand geklagt; jeder habe mit offenen Karten gespielt, von den Gemeindeschreibern über die Gemeindepräsidenten bis hin zu Regierungsräten, Abt Werlen und Priorin Gassmann. «Wir hatten Probleme; aber für jedes gab es eine Lösung ohne rote Köpfe. Über der Sache hat ein guter Geist gewacht.» Gerade deshalb werde er die Akte «Kloster Fahr» nie mehr vergessen. «Es war ein herausforderndes, aber dank der hervorragenden Zusammenarbeit aller Beteiligten auch das wahrhaft sonnigste Projekt meiner Karriere.»

Seit dem Anschluss per Januar 2008 hat die Gemeindeabteilung nie mehr etwas aus dem Kloster oder den Gemeinden Würenlos und Unterengstringen gehört, keine Rückfragen mehr erhalten – ganz zu Mischlers Freude. «Wir haben offensichtlich alles richtig gemacht», sagt er. Als eine historische Tat sieht er seine Arbeit aber nicht, er bleibt bescheiden: «Ich habe nur einen verfassungsmässigen Auftrag erledigt.»