Der Andrang war gross in der reformierten Kirche Dietikon. Vor dem Eingang bildete sich eine lange Menschenschlange. Es war aber nicht die brütende Hitze, welche die Menschen am frühen Sonntagabend in die kühle Kirche lockte, sondern eine Premiere: Sechs Kirchenchöre aus fünf Limmattaler Gemeinden spannten zum ersten Mal in ihrer Geschichte zusammen, um gemeinsam 500 Jahre Reformation zu feiern. Mit dabei waren der ökumenische Singkreis Birmensdorf-Aesch, die Singers of Joy Dietikon, der reformierte Kirchenchor Weiningen, der Let’s sing Choir aus Uitikon, der reformierte Kirchenchor Dietikon und der ökumenische Kirchenchor Urdorf.

«Ich verspreche dem Publikum ein Klangfeuerwerk», sagte Hansjörg Gloor, Präsident der reformierten Kirchenpflege Dietikon. Er war mitverantwortlich für die Organisation und sichtbar glücklich, dass so viele Zuhörer erschienen waren. Etwa 400 Freikarten sind im Vorfeld bestellt worden – man arbeitete mit Kollekte – und die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt. «Seit rund eineinhalb Jahren planen wir diesen Abend und zunächst konnte ich mir nicht vorstellen, dass tatsächlich alle Chöre zusammenkommen, aber André Lichtler, Leiter des reformierten Kirchenchors Dietikon, und unsere Musikkommission nahmen die Zügel in die Hand», so Gloor. Laut ihm fehlte einzig der Chor aus Oberengstringen, da dieser der Kirchgemeinde der Stadt Zürich angeschlossen ist.

«Hemmige» in der Kirche

Den Auftakt bestritten die Singers of Joy aus Dietikon mit «In the Sanctuary» von Kurt Carr – wie alle Sängerinnen und Sänger trugen sie weisse Oberteile. Der Chor ebnete den Weg für die offizielle Begrüssungsrede von Gloor, der auch erwähnte, dass die Einnahmen des Konzerts vollumfänglich der Wagenhof Stiftung in Uster zugutekommen, die Menschen mit einer geistigen oder mehrfachen Beeinträchtigung ein Zuhause bietet.

Die anschliessende Festrede hielt Pfarrer Walter Lüssi, Kirchenratsschreiber der reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Dieser erzählte, dass der Reformator Huldrych Zwingli zunächst kein Freund des christlichen Gesangs in der Kirche war. Dennoch hätte sich die Musik durchgesetzt, denn «beim Singen finden Kopf und Herz zusammen», so Lüssi.

Dies bewiesen die anschliessenden Darbietungen aller Chöre. Der Let’s sing Choir aus Uitikon nahm das Publikum – nach einem zweiten Auftritt der Singers of Joy – mit «Hallelujah» von Leonard Cohen sowie «Adiemus» von Karl Jenkins ein. Der Kirchenchor Urdorf und der Singkreis Birmensdorf-Aesch sangen gemeinsam «Verleih uns Frieden» von Mendelssohn und wurden für «V’amo di Core» von Mozart vom Kirchenchor Dietikon verstärkt. Anschliessend stiess auch noch der Kirchenchor Weiningen dazu und gemeinsam sangen sie das «Morgengebet», wiederum von Mendelssohn, sowie «Jauchzet dem Herrn, alle Welt» von Schütz. Am Flügel beziehungsweise an der Orgel brillierten Helga Váradi und David Kober.

Auch Zwingli war da

Die grossen Höhepunkte waren jene Lieder, die alle sechs Chöre zum Besten gaben. Das von Gloor erwähnte Klangfeuerwerk zündete, als gemeinsam Zwinglis Kappeler Lied erklang. Auch «Hemmige» von Mani Matter und «Kyrie» von John Leavitt sorgten für Höhepunkte.
Zum Programm gesellte sich auch der Theatermann Michael Schwyter, der zwischen den Liedern mit seiner lebensgrossen Zwingli-Puppe für Lacher sorgte, aber auch an einige Eckdaten des Reformators Zwingli erinnerte.

Das Chorkonzert schloss Susanna Stählin, Präsidentin der Reformierten Kirchenpflege Birmensdorf, mit einer Danksagung an alle Beteiligten. Dann sangen alle Chöre das ruhige Lied «May the road» von James Moore und entsprechend wurde das Publikum gebeten, die Kirche leise und ohne Applaus, dafür mit viel Musik im Herzen zu verlassen. Manch einer hätte am Ende vielleicht lieber nochmals geklatscht, doch beim anschliessenden Apéro im Kirchgemeindehaus konnte dies nachgeholt werden.