Conrad Zwicky ist voller Vorfreude, als er am Samstag vor das Publikum in der katholischen Kirche Geroldswil tritt. Johann Sebastian Bach, den «ganz grossen Künstler» dürfe er heute mit dem Limmattaler Kammermusikkreis am Konzert zum Palmsonntag präsentieren. Eigentlich bedürfe es dazu keiner Begründung, sagte Zwicky. Bach sei schliesslich immer angesagt.

Einer Begründung bedurfte allerdings der von Zwicky so bezeichnete «Fremdkörper» im Programm: Alessandro Marcello’s Konzert für Oboe und Streicher.
Im Eifer, alle musikalischen Strömungen seiner Zeit zusammenzufassen, liess sich Bach neben der französischen und englischen vor allem von der italienischen Musik inspirieren. Das zum Auftakt gespielte Konzert für Oboe und Orchester hatte er abgeschrieben und mit eigenen Verzierungen, zum Beispiel Trillern und Tremolos, versehen.

Hans Martin Ulbrich, der 41 Jahre lang Englischhornist und Oboist des Tonhalle Orchesters Zürich war, übernahm den Solopart. Er spielte so frisch und fröhlich von der Leber weg, dass man das Stück unweigerlich mit Vivaldi in Verbindung bringen musste – ein Irrtum, dem seinerzeit sogar Bach erlegen war.

Das wohl bekannteste Stück bildete mit «Jesus bleibet meine Freude» der nächste Programmpunkt. Die so unerschütterlich zuversichtliche und getragene Musik wurde von Salome Zwicky, Sopran, herzergreifend wiedergegeben. Bloss währte sie allzu kurz, man hätte sich am Schluss eine Wiederholung gewünscht.

Cembalokonzert als Highlight

Nun meldete sich noch einmal Conrad Zwicky, der ganz vergessen hatte, die Kollekte zu erwähnen. «Man geht halt ganz unter in dieser Welt», sagte er und verkündete, sich nun «so richtig» auf das nächste Stück zu freuen. Dieses war denn auch zweifellos das Highlight des Abends: Bachs Cembalokonzert in d-moll.

Es gibt Berichte, wonach Zuhörer von der Barockmusik einst so erregt wurden, dass sie sich die Kleider zerrissen. Stücke wie Bachs Cembalokonzert dürften dafür der Auslöser gewesen sein, so düster und dämonisch-getrieben kommt es daher. Stefan Zwicky spielte als Cembalist darin die Hauptrolle. Er liess das Klavier nicht vermissen, das man heutzutage oft anstelle des Cembalos hört. Mit einer verblüffenden Ruhe meisterte er vor allem die im dritten Satz hochanspruchsvollen Läufe. Vereinzelte Unsicherheiten fielen ob des mitreissenden Gesamtgestus nicht wirklich ins Gewicht. Zum Schluss durfte das Publikum sogar noch mitmusizieren und in der Kantate «Ich bin vergnügt mit meinem Glücke» den Choralpart übernehmen. Zum Glück für einige Kehlen fiel der Choral recht kurz aus.

Die Rückmeldungen zum Konzert waren positiv. «Man vergisst einfach alles um sich», meinte etwa Daniela Schmid aus Zürich. «Die Begeisterung der Musiker war spürbar», sagte Dorothe Rittmeyer aus Wollishofen, «man konnte einfach dasitzen und geniessen.»