Limmattalbahn
Das Jahrhundertprojekt im Limmattal liegt im Detail vor

Ab Montag können erstmals sämtliche Dokumente zum Projekt eingesehen werden – Ende 2019 soll die Bahn Fahrt aufnehmen. Die Kosten für das Megaprojekt werden gemäss aktuellen Berechnungen auf 715 Millionen Franken veranschlagt.

Jürg Krebs
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Visualisierung der Limmattalbahn in Dietikon. (ZVG)

Visualisierung der Limmattalbahn in Dietikon. (ZVG)

ZVG

Die Limmattalbahn - von langer Hand vorbereitet

2000 Erste Studien zur Trasseeführung werden in Angriff genommen.
2006/2007 Die Limmattalbahn wird im kantonalen Richtplan eingetragen.
2007 In einem «Letter of Intent» bekennen sich alle Gemeindebehörden von Zürich bis Baden zur Notwendigkeit der Limmattalbahn.
2010 Die Limmattalbahn AG wird gegründet und von den Kantonen Zürich und Aargau mit der Realisierung des Bahnprojekts betraut.
Oktober 2013 Die Limmattalbahn AG erhält die Infrastrukturkonzession des Bundes, sie darf im Limmattal eine Bahn bauen.
11. November 2013 Das Plangenehmigungsgesuch an das Bundesamt für Verkehr liegt in jenen Gemeinden auf, durch die die Limmattalbahn fahren soll. Es enthält alle Detailunterlagen inklusive Bauprojekt.
2014/2015 Der Zürcher Kantonsrat und der Grosse Rat Aargau sowie der Nationalrat beschliessen über ihre Kostenanteile an der Bahn. Eventuell kommt es zu einer Volksabstimmung.
2017 Der Bau der Bahn soll in Angriff genommen werden.
Ende 2019 Auf einer ersten Etappe soll die Limmattalbahn von Altstetten aus Fahrt aufnehmen können.

Die Limmattalbahn ist ein Jahrhundertprojekt, nicht nur von den Dimensionen her, sondern auch von der Bedeutung. Die Regierungen der Kantone Zürich und Aargau, welche die Limmattalbahn AG mit der Umsetzung des Vorhabens betraut haben, betonen stets, dass es um mehr geht, als nur um ein neues Verkehrsmittel, das auf etwas mehr als 13 Kilometern Altstetten, Schlieren, Urdorf, Dietikon, Spreitenbach und Killwangen miteinander verbindet.

Eine Limmattalstadt entsteht

Hintergrund des Projekts ist die Entwicklung, in der sich die Region befindet, und die mit der Formel «mehr Wohnraum, mehr Arbeitsplätze» umschrieben werden kann. Etwas konzeptioneller formuliert geht es um die Transformation des Limmattals in einen Stadtraum. Aus den Gemeinden links der Limmat werden planerisch gesehen Quartiere der Stadt Zürich, aber solche mit politischer Autonomie. Die Limmattalbahn ist quasi das neue Rückgrat dieser sich entwickelnden Limmattalstadt.

Eine Entwicklung mit Folgen

Der Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker wurde kürzlich an einem Anlass in Schlieren darauf angesprochen, warum er in diesem Jahr zum wiederholten Male im Limmattal auftrete. Seine schlagfertige Antwort: «Ich bin dort, wo etwas passiert.»

Doch es passiert nichts, ohne dass Konsequenzen zu tragen sind. Die Bevölkerungszahl steigt und auch das Mobilitätsbedürfnis und damit der Verkehr. Dazu hat der Kanton Zürich Zahlen errechnet:

• Die Zahl der Einwohner des Zürcher Limmattals soll zwischen 2010 und 2030 von 90 000 Personen auf 106 000 Personen zunehmen (+17%).
• Der Zahl der Arbeitsplätze ist ein Anstieg von 49 000 auf 64 000 vorausgesagt (+ 29%).
• Der Verkehr wird zunehmen: 2010 wurden im Limmattal 457 000 Wegstrecken pro Tag zurückgelegt, 2030 sollen es 570 000 sein (+20%).
• Damit der Verkehrsfluss gewährleistet werden kann, muss der öffentliche Verkehr einen grösseren Anteil als heute übernehmen, und zwar 25 % (heute 15%). Zum Vergleich:

Auf den Motorisierten Individualverkehr (Auto, Motorrad) sollen 2030 nur noch 55 % der Wege entfallen (heute 65%) und auf den Langsamverkehr (Velo, etc.) 20%.
Die Konsequenz aus alledem lautet: Sollen die Limmattaler Verkehrsströme fliessen können, braucht es die Limmattalbahn. Der Fahrplan sieht den Baubeginn für 2017 vor.

Wenigstens eine erste Etappe soll Ende 2019 in Betrieb gehen.

Die Kosten für das Megaprojekt werden gemäss aktuellen Berechnungen auf 715 Millionen Franken veranschlagt. Eingerechnet sind auch die notwendigen Flankierungsmassnahmen, etwa der Ausbau der Engstringerkreuzung in Schlieren. Die Kosten werden im Wesentlichen von den Kantonen Zürich und Aargau übernommen, und zwar im Verhältnis von drei Vierteln zu einem Viertel. Die Kantone erwarten zudem einen wesentlichen Beitrag des Bunds im Rahmen des Agglomerationsprogramms.

Am Montag liegt das Plangenehmigungsgesuch inklusive Baupläne für die Limmattalbahn erstmals öffentlich auf - und zwar während 30 Tagen in allen sechs Städten und Gemeinden, durch welche die Bahn fahren wird. Die Pläne sind auch auf www.limmattalbahn.ch elektronisch aufgeschaltet.

Vom Projekt sind 528 Grundstücke durch vorübergehenden oder definitiven Landerwerb betroffen, so die Limmattalbahn AG. Es handle sich um Randbereiche der Grundstücke. Für den Bau der Limmattalbahn müssten keine Wohn- oder Geschäftshäuser abgebrochen werden.

Damit die Limmattalbahn gebaut werden kann, müssen nicht nur die technischen Details der Streckenführung bereinigt werden. Es stehen Finanzierungsentscheide aus. Dem Realisierungskredit muss der Zürcher Kantonsrat und der Grosse Rat des Kantons Aargau zustimmen. Im Falle eines Referendums könnte es 2014 oder 2015 zu einer kantonalen Volksabstimmung kommen. Das Schweizer Parlament muss über den Bundesanteil befinden, was voraussichtlich 2014 geschieht.

Breite Unterstützung, partielle Kritik

Das Projekt Limmattalbahn findet in der Region breite Unterstützung. Die Zürcher und Aargauer Regierung haben sich dafür ausgesprochen, aber auch die Zürcher Planungsgruppe Limmattal, die Städte und Gemeinden zwischen Zürich und Baden, sowie die Bezirksparteien. In der Kritik stehen zwei kurze, wenige Hundert Meter lange Streckenabschnitte, und zwar im Zentrum von Dietikon und im Spitalquartier in Schlieren.

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