Auf einer Länge von mindestens zwei Kilometern sind alle Edelkrebse im Länggenbach verendet. Grund war eine tödliche Flüssigkeit. Vermutlich Pestizide, teilte die Zürcher Kantonspolizei am Freitag mit. Sie ermittelt derzeit die Verursacher, zusammen mit dem Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel).

Die Abteilung Gewässerschutz des Awel nahm am Donnerstag beim Kiesfänger nahe des Weininger Schlüechti-Schulhauses Wasserproben vom Bach. «Sie sollten etwa innert Wochenfrist analysiert sein», sagte auf Anfrage der Awel-Sprecher Wolfgang Bollack. Die Analyse wird zeigen, welche Chemikalien den Tod ins Wasser brachten.

Schon vor zwei Wochen gab es einen Vorfall

Im Länggenbach wurde nun praktisch jedes Leben ausgelöscht. Denn vor zwei Wochen starben schon etliche Fische. Forellen und Rotfedern. Dies wurde aber erst bemerkt, als die Fische bereits an der Wasseroberfläche trieben. Also schon länger tot waren. Es wäre darum bereits zu spät gewesen, um noch Giftspuren nachzuweisen. Darum gab es damals keine Ermittlungen mit Wasserproben.

Doch diesen Donnerstag war es anders: Einer der beiden Pächter des Länggenbachs bemerkte, dass es im Kiesfänger beim Schlüechti-Schulhaus mehr Krebse hat als sonst. Er fischte ein Dutzend verendete Krebse heraus und sah sie sich an. Dann verständigte er den bevollmächtigten Pächter Albert Demut, der sofort die Kantonspolizei informierte. Diese schritt danach den Länggenbach vom Schlüechti-Schulhaus bis zum Weininger Biotop nahe Geroldswil. Fazit: Alle Fische und alle Krebse sind tot. Die Anzahl verendeter Krebse beträgt mehrere hundert. Bei den Fischen ist eines klar: Erst im Frühling wurden 3000 Forellen in den Länggenbach ausgesetzt.

Brutaler Schlag gegen die Biodiversität

Auch viele Kleinlebewesen, zum Beispiel Insekten, dürften durch den Giftcocktail verendet sein. Ein brutaler Todesschlag gegen die zerbrechliche Artenvielfalt. Für Demut ist klar: Das muss an die Öffentlichkeit. «Die Natur wird Jahre brauchen, um sich davon zu erholen. Es ist verheerend», sagt Demut, der als langjähriger Länggenbach-Pächter die Situation besonders gut einschätzen kann. Er sagt: «Die Edelkrebse, die jetzt verendet sind, waren ganz schön mächtige Exemplare.» Ein Zeichen dafür, dass es ihnen im Länggenbach gut ging. Das macht die erfolgte Zerstörung noch schlimmer. Denn Edelkrebse gelten in der Schweiz als gefährdet. Dies ist auch im Anhang zur Verordnung zum Bundesgesetz über die Fischerei so festgehalten.

Auf die Lebensräume solcher gefährdeten Arten sollte besonders Rücksicht genommen werden. Die hauptsächlichen Gründe für die Gefährdung sind laut Bundesamt für Umwelt die aus der Fremde eingeführten Konkurrenz-Krebsarten, die Krebspest, fehlende Gewässerstrukturen und die schlechte Wasserqualität.

Doch wie gehts jetzt weiter, abgesehen von den Ermittlungen? Demut wird abklären, ob sich nächstes Jahr die Edelkrebs-Population im Länggenbach wieder herstellen lässt, etwa mit einigen Exemplaren aus dem Weininger Feuerwehr-Weiher.

Verschmutzung lässt sich vermeiden

Zurück zu den Ursachen. Die sind vielfältig. Besonders oft ist es Unachtsamkeit und Unwissenheit. «Viele Leute sind sich nicht bewusst, dass unter den meisten Gullys die Meteorwasserschächte durchfliessen, die zum Beispiel Regenwasser direkt in die Gewässer leiten», sagt Awel-Sprecher Bollack. Wer Chemie oder Abwässer in den Gully schüttet, bringt die Natur in Todesgefahr. Etwas Hoffnung auf Besserung gibt es: Die Schweizer Vereinigung der Fischereiaufseher fährt eine Informationskampagne.

Auch Demut hat einen Tipp – so zum Beispiel das Sonderabfallmobil, das jährlich ins Dorf kommt. Zudem lassen sich Chemikalien auch beim Handel oder der kantonalen Sonderabfallsammelstelle Hagenholz in Zürich Oerlikon entsorgen.

Nicht das erste Mal

Übrigens: Schon 2016 verendeten im Geroldswiler Teil des Länggenbachs zahlreiche Fische. Wie der Geroldswiler Gemeindepolizist Eric Müller am Freitag auf Anfrage sagte, wurden die Ermittlungen dazu erfolgreich abgeschlossen. Der Verursacher wurde gebüsst. Gewässerverschmutzungen werden von Amtes wegen erfolgt. Dazu nochmals Awel-Sprecher Bollack: «Es ist wie bei Verkehrsdelikten – der Polizei geht die Arbeit leider nicht aus.»

Es ist eine Diagnose, die traurig stimmt.