Lernlandschaften
«Das ist mein Arbeitsplatz» — Urdorfer Schüler lernen in ihren individuellen Büros

Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule Moosmatt in Urdorf führten Besucher durch die neuen Lernlandschaften.

Sibylle Egloff
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Lernlandschaft Sekundarschule Urdorf
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In den letzten Sommerferien entstanden sechs Lernlandschaften. Dabei wurden je zwei Klassenzimmer zu einem grossen Raum zusammengelegt.
«Das ist mein Arbeitsplatz. Hier kann ich selbstständig lernen», sagt Fabia ganz leise zu den Besuchern.
Individuelles Lernen und selbstständiges Planen stehen auf dem Programm.
Die Schüler führten die Eltern und Interessierte an einem Besuchsmorgen durch die neuen Lernlandschaften, die im Rahmen des Lehrplan 21 in der Sekundarschule Moosmatt in Urdorf entstanden sind.
Auch wenn die Ausstattung der kleinen Büros die gleiche ist, so unterscheiden sie sich sichtlich von einander.
In den Lernlandschaften können die Schüler nicht nur individuell Unterrichtsstoff lernen, ihre Woche planen und Aufträge bearbeiten, sie werden zusätzlich von zwei Lehrpersonen auf dem Weg in die Selbstständigkeit betreut und gecoacht.
Fabia ist von den Lernlandschaften angetan. «Ich kann in diesem Rahmen direkter auf die Lehrer zugehen.»
«Ich bin zufrieden. Die Lernlandschaften haben sich schneller etabliert, als ich erwartet habe», sagte Schulleiterin Trudi Müller-Blau.
Die Urdorfer Stimmberechtigten bewilligten an der Schulgemeindeversammlung im Juni 2018 einen Kredit von 530'000 Franken für die baulichen Anpassungen.

Lernlandschaft Sekundarschule Urdorf

Severin Bigler

Im ganzen Raum verteilen sich Arbeitsplätze. Sie bestehen aus einem Pult, einem Stuhl, einem Korpus und einem magnetischen Sichtschutz. Auch wenn die Ausstattung der kleinen Büros die gleiche ist, so unterscheiden sie sich sichtlich von einander. Einige Pults sind schön aufgeräumt, geschmückt mit Kakteen und Stifthaltern, andere wirken chaotisch, sind beladen mit Büchern, Heften und Haargümmeli.

An diversen Sichtschutzwänden hängen Fotos, Skizzen oder Logos von Fussballclubs. «Das ist mein Arbeitsplatz. Hier kann ich selbstständig lernen», sagt Fabia ganz leise zu den Besuchern. Normalerweise dürfe man hier nicht sprechen und wenn dann nur im Flüsterton, damit man die anderen Schüler und die Lehrpersonen nicht störe, erklärt Fabia.

An einem Besuchsmorgen die neuen Schulräume kennen lernen

Die 14-Jährige und weitere Mitschüler führten am Mittwoch Eltern und Interessierte an einem Besuchsmorgen durch die neuen Lernlandschaften, die im Rahmen des Lehrplan 21 in der Sekundarschule Moosmatt in Urdorf entstanden sind. Zum ersten Mal wurden die Schulräume mit individuellen Arbeitsplätzen gezeigt, in denen die Schülerinnen und Schüler seit Sommer 2019 während sechs bis zehn Stunden pro Woche an Aufträgen arbeiten, die sie von den Lehrpersonen im herkömmlichen Unterricht im Klassenzimmer oder in Fachräumen erhalten haben.

Claudia, 14 2. Sekundarschule «Am Anfang fiel es mir schwer, in den Lernlandschaften nicht zu reden. Doch nach ein paar Wochen habe ich mich daran gewöhnt. Mir gefällt es, dass wir unseren eigenen Arbeitsplatz haben. Schön ist, dass wir teilweise vor und nach der regulären Schulzeit die Lernlandschaften zum Beispiel zum Lernen nutzen können. Das hilft vor allem denen, die sich zu Hause nicht konzentrieren können.»
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Filippo, 14 2. Sekundarschule «Durch die Lernlandschaften lernt man viel dazu, ohne dass man es überhaupt merkt. Ich konnte meine Selbstständigkeit, meine Konzentrationsfähigkeit und mein Verhältnis zu meinem Mathelehrer verbessern. Ich mochte ihn nicht. Dank den Lernlandschaften habe ich ihn ausserhalb des Matheunterrichts von einer anderen Seite kennen gelernt. Er ist gar nicht so schlimm, wie ich dachte.»
Christian, 15 3. Sekundarschule «Vor der Einführung der Lernlandschaften hat es mir gut gefallen und auch jetzt gehe ich gerne zur Schule. Es ist toll, dass jeder einen Platz für sich hat und in Ruhe lernen kann. Gleichzeitig ist es nervig, dass wir in den Lernlandschaften immer still sein müssen. Überdies stört mich, dass wir den Gruppenraum neu nur für 15 Minuten nutzen dürfen und die Zeiten strikt einhalten müssen.»
Jasmin, 14 3. Sekundarschule «Durch die individuellen Arbeitsplätze haben wir eine eigene Basis bekommen, wo wir unsere Schulsachen ablegen können und sie nicht mehr in die Schule schleppen müssen. Schön ist, dass wir uns die Zeit selbst einteilen können. So ist es möglich, mal an einem Bewerbungsschreiben für eine Lehrstelle zu arbeiten. Ich freue mich zudem, dass ich mich im Schnitt um eine Note verbessert habe.»
Sameda, 13 1. Sekundarschule «Dank der Lernlandschaften kann ich Hausaufgaben in der Schule erledigen und muss sie nicht mit nach Hause nehmen. Ich schätze deshalb die offenen Lernlandschaften vor und nach der regulären Schulzeit. Nun habe ich mehr Freizeit. Wenn ich zu Hause bin, muss ich mir keine Sorgen mehr um die Schule machen. Gut ist auch, dass wenn wir Hilfe brauchen, wir sofort Hilfe bekommen.»

Claudia, 14 2. Sekundarschule «Am Anfang fiel es mir schwer, in den Lernlandschaften nicht zu reden. Doch nach ein paar Wochen habe ich mich daran gewöhnt. Mir gefällt es, dass wir unseren eigenen Arbeitsplatz haben. Schön ist, dass wir teilweise vor und nach der regulären Schulzeit die Lernlandschaften zum Beispiel zum Lernen nutzen können. Das hilft vor allem denen, die sich zu Hause nicht konzentrieren können.»

Severin Bigler

«Ich bin zufrieden. Die Lernlandschaften haben sich schneller etabliert, als ich erwartet habe», sagte Schulleiterin Trudi Müller-Blau. Zu verdanken sei das dem enormen Einsatz der Lehrpersonen und auch der Jugendlichen. In den letzten Sommerferien entstanden sechs Lernlandschaften. Dabei wurden je zwei Klassenzimmer zu einem grossen Raum zusammengelegt. «Aufgrund der Skelettbauweise des Schulhauses war es möglich, die Wände einfach rauszureissen», erzählte Müller-Blau in einer Präsentation.

Die Urdorfer Stimmberechtigten bewilligten an der Schulgemeindeversammlung im Juni 2018 einen Kredit von 530'000 Franken für die baulichen Anpassungen. Darin inbegriffen war auch die Anschaffung von Mobiliar. Das war nun fast gar nicht nötig. Die Schule konnte nämlich über 100 Möbelstücke von einer sich auflösenden Post­filiale in Bülach übernehmen.

In den Lernlandschaften können die Schüler nicht nur individuell Unterrichtsstoff lernen, ihre Woche planen und Aufträge bearbeiten, sie werden zusätzlich von zwei Lehrpersonen auf dem Weg in die Selbstständigkeit betreut und gecoacht. «Es muss nicht nur um schulische Anliegen gehen, auch persönliche Probleme der Jugendlichen haben Platz», sagte Müller-Blau. Der Arbeitsplatz der Lehrer wurde ebenso in die Lernlandschaften verlegt. «Die Beziehung von Lehrern und Schülern ist dadurch enger geworden», so Müller-Blau. Für Lehrer Ralph Wandeler hat das neue System nur Vorteile. «Ich kann Schüler gezielter unterstützen. Das hilft, damit sie auf ihrer weiteren Ausbildungskarriere zügig und positiv weitergehen können.»

Für Lehrer Ralph Wandeler hat das neue System nur Vorteile. «Ich kann Schüler gezielter unterstützen. Das hilft, damit sie auf ihrer weiteren Ausbildungskarriere zügig und positiv weitergehen können.»

Für Lehrer Ralph Wandeler hat das neue System nur Vorteile. «Ich kann Schüler gezielter unterstützen. Das hilft, damit sie auf ihrer weiteren Ausbildungskarriere zügig und positiv weitergehen können.»

Severin Bigler

Auch Fabia ist von den Lernlandschaften angetan. «Ich kann in diesem Rahmen direkter auf die Lehrer zugehen.» Nicht alle kämen mit dem neuen Modell so gut klar, doch für sie habe sich die Einführung dieser zusätzlichen Unterrichtsform bereits gelohnt, sagt sie. «Ich habe mein Zeugnis noch nicht erhalten, aber ich weiss, dass sich meine Noten verbessert haben.»