Lernlandschaften

«Das ist mein Arbeitsplatz» — Urdorfer Schüler lernen in ihren individuellen Büros

Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule Moosmatt in Urdorf führten Besucher durch die neuen Lernlandschaften.

Im ganzen Raum verteilen sich Arbeitsplätze. Sie bestehen aus einem Pult, einem Stuhl, einem Korpus und einem magnetischen Sichtschutz. Auch wenn die Ausstattung der kleinen Büros die gleiche ist, so unterscheiden sie sich sichtlich von einander. Einige Pults sind schön aufgeräumt, geschmückt mit Kakteen und Stifthaltern, andere wirken chaotisch, sind beladen mit Büchern, Heften und Haargümmeli.

An diversen Sichtschutzwänden hängen Fotos, Skizzen oder Logos von Fussballclubs. «Das ist mein Arbeitsplatz. Hier kann ich selbstständig lernen», sagt Fabia ganz leise zu den Besuchern. Normalerweise dürfe man hier nicht sprechen und wenn dann nur im Flüsterton, damit man die anderen Schüler und die Lehrpersonen nicht störe, erklärt Fabia.

An einem Besuchsmorgen die neuen Schulräume kennen lernen

Die 14-Jährige und weitere Mitschüler führten am Mittwoch Eltern und Interessierte an einem Besuchsmorgen durch die neuen Lernlandschaften, die im Rahmen des Lehrplan 21 in der Sekundarschule Moosmatt in Urdorf entstanden sind. Zum ersten Mal wurden die Schulräume mit individuellen Arbeitsplätzen gezeigt, in denen die Schülerinnen und Schüler seit Sommer 2019 während sechs bis zehn Stunden pro Woche an Aufträgen arbeiten, die sie von den Lehrpersonen im herkömmlichen Unterricht im Klassenzimmer oder in Fachräumen erhalten haben.

«Ich bin zufrieden. Die Lernlandschaften haben sich schneller etabliert, als ich erwartet habe», sagte Schulleiterin Trudi Müller-Blau. Zu verdanken sei das dem enormen Einsatz der Lehrpersonen und auch der Jugendlichen. In den letzten Sommerferien entstanden sechs Lernlandschaften. Dabei wurden je zwei Klassenzimmer zu einem grossen Raum zusammengelegt. «Aufgrund der Skelettbauweise des Schulhauses war es möglich, die Wände einfach rauszureissen», erzählte Müller-Blau in einer Präsentation.

Die Urdorfer Stimmberechtigten bewilligten an der Schulgemeindeversammlung im Juni 2018 einen Kredit von 530'000 Franken für die baulichen Anpassungen. Darin inbegriffen war auch die Anschaffung von Mobiliar. Das war nun fast gar nicht nötig. Die Schule konnte nämlich über 100 Möbelstücke von einer sich auflösenden Post­filiale in Bülach übernehmen.

In den Lernlandschaften können die Schüler nicht nur individuell Unterrichtsstoff lernen, ihre Woche planen und Aufträge bearbeiten, sie werden zusätzlich von zwei Lehrpersonen auf dem Weg in die Selbstständigkeit betreut und gecoacht. «Es muss nicht nur um schulische Anliegen gehen, auch persönliche Probleme der Jugendlichen haben Platz», sagte Müller-Blau. Der Arbeitsplatz der Lehrer wurde ebenso in die Lernlandschaften verlegt. «Die Beziehung von Lehrern und Schülern ist dadurch enger geworden», so Müller-Blau. Für Lehrer Ralph Wandeler hat das neue System nur Vorteile. «Ich kann Schüler gezielter unterstützen. Das hilft, damit sie auf ihrer weiteren Ausbildungskarriere zügig und positiv weitergehen können.»

«Ich kann Schüler gezielter unterstützen. Das hilft, damit sie auf ihrer weiteren Ausbildungskarriere zügig und positiv weitergehen können.»

Für Lehrer Ralph Wandeler hat das neue System nur Vorteile.

«Ich kann Schüler gezielter unterstützen. Das hilft, damit sie auf ihrer weiteren Ausbildungskarriere zügig und positiv weitergehen können.»

Auch Fabia ist von den Lernlandschaften angetan. «Ich kann in diesem Rahmen direkter auf die Lehrer zugehen.» Nicht alle kämen mit dem neuen Modell so gut klar, doch für sie habe sich die Einführung dieser zusätzlichen Unterrichtsform bereits gelohnt, sagt sie. «Ich habe mein Zeugnis noch nicht erhalten, aber ich weiss, dass sich meine Noten verbessert haben.»

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