Das ist sicher jemand, der Hunde nicht leiden kann. Man ist schnell bei der Hand mit seiner Einschätzung, wenn sich jemand über Hundehäufchen beschwert. Im Haushalt der Bergdietikerin Irene Kessler leben aber seit vielen Jahren Hunde. Gerade erst hat sie, nachdem ihre letzten beiden Hunde gestorben waren, einen neuen Hund aufgenommen. Mischlingshündin Yona hat in einem rumänischen Tierheim Schreckliches erlebt. Durch die Vermittlung von Kesslers Tierärztin erfährt sie jetzt vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben Zuneigung und Fürsorge. Kein Zweifel: Irene Kessler weiss, was es bedeutet, Hundehalter zu sein.

Sie zweifelt allerdings daran, ob das auch andere Hundehalter wissen. Auf ihren täglichen Spaziergängen mit Yona stolpere sie immer öfter über Hundedreck, der von den Haltern nicht aufgenommen wurde, klagt sie. «Und es sind oft keine Häufchen, sondern richtige Haufen. Das ist eine echte Sauerei!» Ihr Eindruck ist, dass das Problem in den letzten beiden Jahren immer schlimmer geworden ist. «Der Dreck liegt im gesamten Limmattal herum, in Dietikon, an der Limmat, im Bergdietiker Industriegebiet, auf dem Hasenberg», ärgert sie sich und krault Yonas Hals.

Kesslers Bekannte und Freunde bestätigen ihre Beobachtungen. «Wenn man einen Hund hält, geht man gewisse Verpflichtungen ein, ob das nun die Impfungen, das Kastrieren oder der Besuch der Hundeschule ist. Und dazu gehört eben auch, dass man den Dreck seines Hundes aufnimmt.» Für sie entspreche das dem Minimum an Anstand. «Ich denke, dass diese Leute weder Kinderstube noch Respekt vor ihren Mitmenschen haben.» Dabei sei die Entsorgung durch die überall verteilten Robidogs doch eigentlich kein Problem.

Was Irene Kessler am meisten an dem rücksichtslosen Verhalten der Hundebesitzer aufbringt, sind aber die Sprüche, die sie sich von Spaziergängern deswegen anhören müsse. Wie soll sie denen auch erklären, dass sie sich verantwortungsvoll um den Dreck ihres Hundes kümmert? «Ich werde dann mit denen in einen Topf geworfen und beschimpft.» Irene Kessler hat auch schon versucht, Übeltäter anzusprechen, und dabei böse Reaktionen geerntet. Sie könne auch den Ärger der Bauern gut verstehen wegen der im Grünfutter verteilten Fäkalien.

Gefahr für Rinder und Schafe

Auf dieses Problem macht auch die Gemeinde Bergdietikon aufmerksam. In ihrer Information für Hundehalter schreibt sie: «Hundekot kann für Rinder, Kühe, Schafe und Ziegen zur Gefahr werden. Erntet der Bauer das verdreckte Grünfutter, wird der Kot fein im Futter verteilt.» Wenn Nutztiere dieses Weidefutter frässen, würde ein bestimmter Krankheitserreger übertragen. Auf diese Gefahr verweist auch der Beratungsdienst des Zürcher Bauernverbandes (ZBV): «Die Infektionskrankheit Neosporose wird durch diesen Erreger hervorgerufen und kann insbesondere beim Rindvieh zu Fehl- oder gar Totgeburten führen.»

Gemäss ZBV sind Landwirte vermehrt mit verschmutztem Futter durch Hundekot konfrontiert. Er appelliert: «Wer einen Hund ausführt, muss ihn so beaufsichtigen, dass Kulturland und Freizeitflächen nicht durch Kot verschmutzt werden. Er ist in Siedlungs- und Landwirtschaftsgebieten sowie auf Strassen und Wegen korrekt zu beseitigen.» Aber der Bauernverband äussert auch Verständnis: «Hundebesitzer sind sich der schwerwiegenden Folgen der Futterverschmutzung oft nicht bewusst und machen sich entsprechend über die Sorgen und Nöte der Landwirte zu wenig Gedanken.»

Nehme ein Hundehalter seine Pflichten auf Bergdietiker Fluren nicht wahr, so drohten Sanktionen, erklärt der Bergdietiker Gemeindeschreiber Patrick Geissmann. «Das Delikt wird gemäss Polizeireglement der Gemeinde sanktioniert. Dazu muss jedoch jemand auf frischer Tat ertappt werden, oder es muss eine Anzeige mit Beweisen vorliegen.» Hohe Hürden. In Dietikon gilt bezüglich der Verschmutzung durch Hundekot das kantonalrechtliche Ordnungsbussenverfahren, das auf das Hundegesetz von 2008 verweist. Danach wird die Verschmutzung durch Hundekot mit einer Busse von 60 Franken belegt. Voraussetzung für die Ahndung ist allerdings auch hier, dass der Beamte das Delikt beobachtet.

Entsorgung von fremdem Dreck

Klagen über eine vermehrte Verunreinigung liegen zwar weder der Stadt Schlieren noch der Stadt Dietikon vor, weder per App in Schlieren noch über den Lob- und Mangelmelder auf der Internetseite der Stadt Dietikon. Damit das so bleibt, setzt man in Dietikon auf eine Aktion mit Plakaten, die im ganzen Stadtgebiet verteilt sind.

«Hier ist kein Hundeklo! Die Kinder und die Mitmenschen danken Ihnen. Und falls etwas doch mal daneben geht ...», versehen mit der Zeichnung eines vorbildlichen Halters, der den Dreck seines Tiers aufnimmt. Darüber hinaus wird in Dietikon der Hundesteuerrechnung ein Flyer zum Thema beigelegt.

Gemäss den Beobachtungen von Irene Kessler und ihrer Freunde laufen diese Aktionen aber wohl ins Leere. Und offensichtlich kümmert sich auch niemand um die Entsorgung der «Tellerminen». «Die Infrastrukturabteilung sammelt keinen Hundekot ein. Die Haufen, welche durch die Wischmaschine erfasst werden, werden vernichtet», so die Medienbeauftragte von Dietikon, Esther Pioppini. Irene Kessler hat sich Gedanken über die Entsorgung gemacht. Aber auch, wenn sie hin und wieder Häufchen neben Yonas Hinterlassenschaften mit wegputzt, meint sie: «Mir graust es einfach, von anderen Hunden den Dreck aufzusammeln.»

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