Wasserspass
Alles auf einen Blick: Das ist die perfekte Gummiboot-Route durchs Limmattal

Eine Fahrt mit dem Gummiboot auf der Limmat hat viel zu bieten. Mit diesen Tipps ist stressfreier Spass garantiert. Dabei sollte allerdings auch Rücksicht auf die Natur und Anwohner genommen werden.

Florian Schmitz
Merken
Drucken
Teilen
Solche Menschenmassen auf der Nötzliwiese sollen künftig der Vergangenheit angehören. Seit September 2019 dient die Wiese als Installationsplatz für di Limmattalbahn. Deshalb sind die Platzverhälntnisse viel enger geworden.
10 Bilder
Geht es nach der Stadt Dietikon, soll die Nötzliwiese künftig nur noch von einer Minderheit als letzte Ausstiegsmöglichkeit vor dem EKZ-Kraftwerk genutzt werden.
An heissen Tagen bilden sich bei der Nötzliwiese immer noch lange Schlangen.
Die letzte Kurve vor der Nötzliwiese. Mehrere Tafeln weisen darauf hin, dass man sich links halten muss für den nahenden Ausstieg.
Einhörner gehören zu den beliebtesten Schwimmhilfen. Aber auch viele andere aufgeblasene Tiere sind auf der Limmat unterwegs.
Die 2019 neugestalteten Ein- und Ausstiegsstellen bei der Allmend Glanzenberg.
An der Grenze von Schlieren und Dietikon passieren Böötler eine alte Eisenbahnbrücke.
An schönen Sonntagen bringt die Seilfähre Maurizius Spaziergänger über die Limmat.
Wer schon im Wipkingerpark losgefahren ist, muss vor dem Höngger Wehr links aussteigen, um das Wehr zu umgehen.
Für die Weiterfahr Richtung Dietikon eignet sich die Kahnrampe links vom Wehr gut zum Einwässern.

Solche Menschenmassen auf der Nötzliwiese sollen künftig der Vergangenheit angehören. Seit September 2019 dient die Wiese als Installationsplatz für di Limmattalbahn. Deshalb sind die Platzverhälntnisse viel enger geworden.

Florian Schmitz

An heissen Sommertagen gehört das Gummiböötli zu den beliebtesten Verkehrsmitteln. Sich gemütlich den Fluss hinuntertreiben zu lassen, hat sich als nationaler Wassersport etabliert. Die vielen Gewässer in der Schweiz bieten eine grosse Auswahl. Zu den absoluten Klassikern gehört die Fahrt auf der Limmat zwischen Zürich und Dietikon. Egal ob man in Zürich Wipkingen oder beim Höngger Wehr startet: Die Route ist gut an den öffentlichen Verkehr angebunden und bietet einen interessanten Mix aus schöner Natur und Urbanität. Unterwegs auf dem Wasser ist der hektische Alltag schnell vergessen.

Wer beim Wipkingerpark einwässert, erhält vom Wasser aus einen neuen Blick auf Zürich. Vorbei am Industriequartier Zürich-West werden die Ufer langsam grüner, bis das Wehr in Höngg naht. Hier müssen alle Boote über Land am Wehr vorbeitransportiert werden. Aufgepasst: Hier am Höngger Wehr kam es regelmässig zu gefährlichen Situationen, weil Gummiböötler den Ausstieg nicht rechtzeitig schafften und über das Wehr gespült wurden. Die Wasserschutzpolizei der Stadt Zürich erhöht deshalb die Sicherheitsmassnahmen in diesem Jahr noch einmal. Neben Rettungsleitern, Halteketten an Pfeilern und Wänden sowie der unübersehbaren Beschilderung als Warnung vor dem Wehr, wird mittels einer durch Bojen gekennzeichneten Sperrfläche auf die Ausstiegsstelle hingewiesen. So sollen die Gummiboote sicher zum Ausstieg geleitet werden. Die Sperrfläche beginnt ab Höhe Haus am Wasser Nummer 141 und endet bei der Auswasserungsrampe.

Danach kann der Wasserspass weitergehen. Nach dem Wehr gelangt man über die Kahnrampe auf der linken Seite schnell zurück ins Wasser. Auf der Werdinsel laden eine Flussbadi und ein Restaurant zu Müssiggang ein. Vorbei an der Insel ist bald die Stadtgrenze erreicht. Die massive Autobahnbrücke und die Raststätte in Oberengstringen zeigen zusammen mit den renaturierten Ufern eindrücklich den Kontrast zwischen Natur und Beton. Dann unterquert man die Engstringerbrücke und hat die Möglichkeit, auf den Bus umzusteigen. Kurz später muss das in die Limmat hineinragende Mühliwuhr links umfahren werden. Hier zweigt ein Seitenarm in Richtung Kloster Fahr ab. Wer das Kloster oder das Restaurant Zu den zwei Raben besuchen möchte, kann versuchen, an der Grasböschung in der Nähe des Fährhauses anzulegen. An schönen Sonntagnachmittagen bringt die Seilfähre Maurizius hier Spaziergänger über den Fluss.

Weniger Stress für das Quartier

Weiter flussabwärts treffen Freizeitkapitäne auf die Allmend Glanzenberg – die Hauptanlegestelle in Dietikon. Hier warten die 2019 neu angelegten Ein- und Ausstiegsstellen, eine WC-Anlage, mehrere Grillstellen und Sitzbänke, eine grosse Liegewiese und eine direkte Anbindung an den Bahnhof Glanzenberg. Seit 2020 können sich hungrige Böötler direkt vor Ort bei der Open-Air-Bar «The Beach» verpflegen.

Die Platzverhältnisse auf der Allmend Glanzenberg sind deutlich grosszügiger als auf der Nötzliwiese beim Altbergquartier. Seit Jahren sorgen dort der viele Suchverkehr, der gestiegene Lärmpegel und die liegengelassenen Abfallmengen für Frust im Quartier. Deshalb versucht die Stadt Dietikon, Gummiböötler bereits bei der Allmend zum Ausstieg zu bewegen. Wer dennoch nicht auf die von vielen Böötlern geschätzte, letzte Limmatkurve vor dem Kraftwerk verzichten will, ist angehalten, bei der Ankunft auf der Nötzliwiese besonders Rücksicht zu nehmen auf die Umgebung.

So böötlen Sie richtig

- Anreise: Die Anreise sollte mit dem öffentlichen Verkehr erfolgen. Alle Ein- und Ausstiegstellen sind gut angebunden (siehe Karte oben). Parkplätze sind dagegen eher Mangelware. Für die Bewohner des an die Limmat grenzenden Altberg-Quartiers sind autofahrende Gummiböötler ein Ärgernis, weil sie auf den engen Quartierstrassen für viel unnötigen Suchverkehr sorgen und die Strassen versperren.

- Passende Ausrüstung: Mit Gummiboot (oder einer anderen Schwimmhilfe) und Badehose kann man sofort loslegen. Erfahrene Böötler wissen aber, dass sich ein wenig Ausrüstung lohnt. Dazu gehören etwa ein Trockensack für Wertsachen, stabile Paddel zum Manövrieren, eine Kopfbedeckung und Sonnencreme sowie genügend Flüssigkeit. Auch Wasserschuhe können sich lohnen, um die Füsse zu schützen.

- Sicherheit: Auch wenn auf der Limmat keine Kursschiffe unterwegs sind, sollten Böötler vorausschauend fahren und Hindernissen ausweichen. Ganze 14 Brücken werden zwischen Zürich Wipkingen und Dietikon unterquert. Boote sollten nicht zusammengebunden werden, weil sie dann manövrierunfähig werden und etwa an Brückenpfeilern hängen bleiben können. Kinder wie auch Erwachsene sollten unbedingt Rettungswesten tragen. Seit dem vergangenen Jahr muss für jede sich an Bord befindende Person, eine Rettungsweste mit Kragen und einem Minimalauftrieb von 75 Newton mitgeführt werden. Die Schlauchboote müssen ausserdem gut sichtbar mit dem Namen und der Adresse des Eigentümers angeschrieben werden.

- Alkohol und Drogen: Seit 2014 gelten für Gummiböötler die gleichen Regeln wie auf der Strasse. Dies änderte sich allerdings ab 2020. Der Bundesrat hatte entschieden, die 0,5-Promillegrenze ab dann wieder aufzuheben. Das Boot darf zwar weiterhin laut Gesetz nur von fahrtüchtigen Personen gesteuert werden, eine feste Alkohollimite ist allerdings nicht definiert.

- Rücksicht: Die renaturierte Limmat bietet vielen Fischen, Wasservögeln und anderen Tieren eine Heimat. Deshalb sollen Schutzzonen im Uferbereich (etwa Schilfbereiche) umfahren werden, empfiehlt der kantonale Fischerei-Adjunkt Lukas Bammatter. Aus diesem Grund ist auf dem Wasser auch auf laute Musik zu verzichten. Aus Respekt vor der Natur sollte zudem ein Müllsack eingepackt und mindestens der verursachte Abfall selbst entsorgt werden. (flo)

Wer nach dem Auswassern noch nicht genug hat, kann sich in den Zug setzen, zurück nach Zürich fahren, und wieder von vorne anfangen. Die Limmat ist aber nicht nur für Freizeitkapitäne geeignet. An mehreren Stellen ermöglichen flache Einstiege und geschützte Ecken Badespass.

Der Gummibootführer enthält viele Tipps für Routen, Ausrüstung und Sicherheit.

Der Gummibootführer enthält viele Tipps für Routen, Ausrüstung und Sicherheit.

Zur Verfügung gestellt

Auch abseits der Limmat warten viele Schweizer Flüsse darauf, mit dem Gummiboot entdeckt zu werden. Deshalb hat die freischaffende Journalistin Iwona Eberla 2015 einen Gummibootführer veröffentlicht, der weiterhin im Handel erhältlich ist. Insgesamt 22 Routen stellt sie darin interessierten Böötlern vor. Die Limmat ist natürlich mit dabei, aber auch für die Reuss und die Glatt, die vom Limmattal aus gut erreichbar sind, hat Eberle Bootsrouten parat (siehe unten). Zudem wartet das Buch mit ausführlichen zu Ausrüstung und Sicherheit auf.

Zur Abwechslung bieten sich auch folgende Routen an, die Iwona Eberle für ihren Gummibootführer recherchiert hat.:

Bremgarten – Gebenstorf

Beim Hexenturm startet die Fahrt. Dieser war früher Teil der Wehranlage gegen Feinde oder diente zeitweise als Gefängnis für Opfer der Hexenverfolgung. Die Reuss zieht eine enge Schlaufe um das Städtchen. Am Ende der Schlaufe fährt man an einer kleinen Insel rechts vorbei. Dann folgt auf der linken Seite, das Honeggerwehr. Dort müssen Gummiboote rechts vorbeifahren. Bei starken Abflüssen kann hier die beste Surfwelle der Schweiz entstehen. In Richtung Hängesteg Risibrücke hat es Wellen bei stärkerer Strömung. Weiter gelangt man zur kurvenreichen Eggenwiler Reusschleife, wo kleine Inseln aus dem Wasser ragen. Beim Vorbeifahren folgt man der Signalisation. Am rechten Ufer liegt das Camping Sulz. Nach einer Rechtsbiegung ist bis zum ehemaligen Kloster Gnadental mit Stromschnellen zu rechnen. Vor dem Kloster liegen die Gnadentaler Inseln, auf denen nicht angelandet werden darf. Danach fliesst die Reuss ruhiger. Der Kirchturm von Mellingen wird sichtbar. Hier kann man beim Schlössli Iberg am linken Ufer aussteigen . Ansonsten geht es unter der Eisenbahnbrücke hindurch weiter. Auf der linken Seite taucht die Müli Mülligen, die aus dem 11. Jahrhundert stammt, auf. Man lässt sich an der Reussinsel Maierislischache rechts vorbeitreiben. Die Turmspitze der Kirche Windisch kündet das Ziel an. Die Strömung nimmt wegen der Wehranlage Gebenstorf ab. Die Reuss macht eine Schlaufe um das Reussbädli. Vor den Fabrikgebäuden der ehemaligen Spinnerei ist der Ausstieg rechts signalisiert. Diesen nicht verpassen, denn die Strömung könnte das Gummiboot über die Wehre ziehen. (amo)

Rümlang – Oberhöri

Vom Bahnhof Rümlang aus gelangt man per Wegweiser zu den Glattuferwegen. Bei der rechtsufrigen Treppe nach der Garba-Brücke (Strassenbrücke Klotenerstrasse) steigt man ein. Büsche, Sträucher und Bäume neigen sich in Richtung Wasserfläche. Hinter dem Zaun, der sich erhöht auf der rechten Seite des Ufers befindet, liegt die Ost-West-Piste des Flughafens Zürich. Für Flugzeugbegeisterte ist dies ein geeigneter Standort, um den Maschinen beim Starten und Landen zuzusehen. Bald treibt man durch das Naturschutzgebiet Altläufe der Glatt. Das Flughafengelände wird verlassen. Man gelangt nach Oberglatt. Etwas weiter mündet von rechts der Himmelbach ein. Dieser entwässert das Flughafengelände. Die Kanalfahrt geht unter der überdeckten Hirschenbrücke hindurch, wo man nach wenigen Metern rechts aussteigen kann, um im Restaurant Hirschen einzukehren. Geht die Fahrt weiter, passiert man ein paar Flussschlingen, bis man nach Niederglatt gelangt. Unter der Eisenbahnbrücke muss man mit verstärkter Strömung rechnen. Danach folgen drei weitere Brücken: eine blaue Stahlbogen-Strassenbrücke, eine gedeckte Holzbrücke und ein blauer Fussgängersteg. Verlässt man Niederglatt, wird das Gelände offener. Hat man die braunroten Schlammsilos der Kläranlage Fischbach-Glatt erreicht, ist der Ausstieg in Oberhöri nicht mehr weit. Vom Fischbach schwimmen am späteren Nachmittag gelegentlich Biber in die Glatt. Unter der Strassenbrücke beim Veloweg auf der linken Seite soll man die Glatt verlassen. Das Weiterfahren ist hier wegen Wehren und Steinblockverbauungen nicht möglich. (amo)