Badekultur
Das "Hölzli" wird 50 – zur Eröffnung wagte der Stadtpräsident einen Köpfler

Das Freibad «Zwischen den Hölzern» ist eine Besonderheit. Es steht auf Oberengstringer Gemeindegebiet, wird aber von der Stadt Zürich betrieben. Das liegt daran, dass die Badi ohne den jeweils anderen nie hätte gebaut werden können. Nun feiert das Gemeinschaftswerk seinen 50. Geburtstag.

Sandro Zimmerli
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Limmattal Badis
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Die Gäste nennen ihre Badi liebevoll «Hölzli».
Geren: Das alte Garderobengebäude in Birmensdorf wurde bereits 1937 errichtet.
Im Moss: Das Land für die Badi trat die Wagonsfabrik der Stadt gratis ab.
Fondli: In Dietikon dauerte der Kampf für eine Badi über 40 Jahre.
Weihermatt. Seit 1967 verfügt die Gemeinde Urdorf über eine Badi.

Limmattal Badis

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Es war ein windiger Tag. Auch die Wassertemperaturen von 17 Grad luden nicht unbedingt zum Baden ein. Dennoch war das Freibad «Zwischen den Hölzern» an diesem Spätfrühlingstag im Jahr 1966 sehr gut besucht. Kein Wunder; bis anhin mussten die Oberengstringer den langen Weg nach Schlieren auf sich nehmen, wenn sie ihre freien Nachmittage in der Badi verbringen wollten. Das war nun Geschichte. Mit der Eröffnung des «Hölzli», wie das Bad bald liebevoll genannt wurde, ging ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung.

Auch im benachbarten Zürcher Stadtquartier Höngg freuten sich die Einwohner über die Badi vor der Haustür. Wer sich nicht in der Au bei der Werdinsel in der Limmat abkühlen wollte, dem blieb bislang nicht viel anderes übrig, als das Bad Allenmoos oder die Badi Letzigraben aufzusuchen. Nun konnten auch sie sich eine längere Anreise für ihr Badevergnügen ersparen.
Selbstverständlich musste das gefeiert werden. Und das nicht zu knapp, wie einem Bericht der «NZZ» zu entnehmen ist. «Beim Eintritt der Gäste zur Besichtigung des Bades ertönte schmetternd der Sechseläutenmarsch, gespielt vom Musikverein Harmonie Oberengstringen, dessen Musikanten sich in langem Zug vom Hintergrund der Anlage her näherten; in rot-weiss gestreiften Badekostümen der Jahrhundertwende und gelben Strohhüten kamen sie durchs Wasser geschritten, trompetend, paukend – nur der Dirigent tat einen Fehltritt und kam zu einem kühlen Bad», heisst es dort. Raketen wurden gezündet und Kanonen abgefeuert. Alles unter den Augen von Zürichs Stadtpräsident Emil Landolt und seinem frisch gewählten Nachfolger Sigmund Widmer, der wegen der laufenden Rekursfrist sein Amt noch nicht angetreten hatte.

Schon früh Land erworben

Im Wasser zeigten Kanufahrer ihre Wendekünste, Synchronschwimmerinnen des Schwimmklubs Zürich führten ein Ballett auf; während eine Gruppe Sechstklässler für die Gäste sang, verteilten kleine Mädchen Blumen an die Regierungsvertreter. Ihren Höhepunkt erreichte die Stimmung, als sich Widmer zu einem Kopfsprung vom Sprungbrett hinreissen liess. Die Feierlichkeiten zogen sich noch weit in den Nachmittag hinein. Auch Oberengstringes Gemeindepräsident Werner Freimüller hielt eine Ansprache. Immer wieder wurde angestossen und die gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und Gemeinde hervorgehoben.

In der Tat hätte die Badi ohne den jeweils anderen gar nicht realisiert werden können. So hatte Oberengstringen genügend Land, aber kein Geld. Die Stadt hatte das Geld, jedoch kein Land. Sowohl in Oberengstringen als auch in Höngg wuchs die Einwohnerzahl in den Jahren vor der Badieröffnung stark an. Deshalb wurde in beiden Orten der Ruf nach einem Freibad immer lauter. Oberengstringen hatte in weiser Voraussicht schon früh Land an der Grenze zu Höngg erworben. Das Vorhaben, eine Badi zu bauen, musste jedoch immer wieder verschoben werden. Angesichts der Bevölkerungszunahme – von knapp über 1000 Einwohnern im Jahr 1950 stieg die Zahl bis 1960 auf über 4000 an – galt es das Geld für dringendere Infrastrukturen aufzuwenden.

Ähnlich ging die Entwicklung in Höngg vonstatten. Dort wuchs die Einwohnerzahl zwischen 1951 und 1961 um rund 6000 auf knapp 15 500 an. Zwar gab es zu jener Zeit schon einige Badeanlagen in der Stadt und am See. Für die Einwohner des Aussenquartiers, insbesondere die Kinder, waren diese jedoch weit abgelegen. Weil sich die Landbeschaffung als schwierig erwies, konnte der Badeplatz Au-Höngg bei der Werdinsel nicht wunschgemäss ausgebaut werden. Die Stadt musste sich nach anderen Lösungen umsehen.

Es drängte sich also ein gemeinsames Projekt mit Oberengstringen auf. Die Gemeinde trat der Stadt das notwendige, knapp 22 300 Quadratmeter grosse Land für eine Badi für 99 Jahre im Baurecht ab, und das zinslos. Vertraglich wurde geregelt, dass die Gemeinde die Erschliessungskosten von 620 000 Franken übernimmt. Im Gegenzug verpflichtete sich Zürich dazu, die Anlage zu bauen und zu unterhalten. Die Erstellungskosten beliefen sich auf 2,97 Millionen Franken. Für den Betrieb zeichnete jedoch Oberengstringen verantwortlich. Die Badmeister waren also bei der Gemeinde angestellt.

Das «Hölzli» feiert seinen 50. Geburtstag

Das Jubiläumsfest im Freibad «Zwischen den Hölzern» findet am Samstag, 16. Juli, bei jeder Witterung statt. An diesem Tag ist der Eintritt für alle kostenlos. Zudem gibt es zwischen 12 und 14 Uhr gratis Wurst und Getränke, solange der Vorrat reicht. Für die Kinder steht die Hüpfburg «Piratenschiff» zur Verfügung.

Grosse Identifikation

Bis heute besteht unter der Oberengstringer Bevölkerung eine grosse Identifikation mit ihrer Badi, auch wenn sie seit 2005 vom Sportamt der Stadt Zürich betrieben wird. «Früher war es üblich, dass sich der gesamte Gemeinderat einmal im Jahr in die Badi begab, um zu schwimmen und danach zu grillieren», sagt Oberengstringens Gemeindeschreiber Peter Menzi.
Auch seinen Charme hat sich das Freibad bis heute erhalten und steht vor allem bei Familien hoch im Kurs. Obwohl die Badi 2010 für 3,26 Millionen Franken saniert wurde, hat sich an der ursprünglichen Erscheinung wenig geändert. Auch die Umgebung ist in all den Jahren intakt geblieben. Und so gilt noch heute, was die NZZ zur Eröffnung schrieb: Dass das «Hölzli» «in dem kleinen Tälchen zwischen den waldbestandenen Kuppen des Eggbühls und des Frankenbühls an schönster Lage ob Oberengstringen errichtet worden ist».

Das Militär finanzierte mit

Zürich machte es vor. Bereits im 19. Jahrhundert wurde die Stadt vom Bäderboom erfasst. Eine wachsende Bevölkerung, die Entdeckung des Badens als gesundheitsfördernde Massnahme und die aufkommende Hygienekultur veranlassten die Stadtoberen, erste Badeanlagen zu bauen – etwa das 1890 eröffnete Seebad Utoquai. Im Limmattal wurde zu jener Zeit noch in den Flüssen gebadet. Doch schon bald wurde auch dort der Ruf nach Badeanlagen laut.

In Dietikon schmiedete man ab 1906 verschiedene Pläne, die aber alle wieder fallengelassen werden mussten. Eine Badi am rechten Limmatufer, schräg gegenüber dem Bahnhof, wurde verworfen, da mehrere Gemeinden beteiligt gewesen wären. Das Projekt Hofacker/Schäflibach war wegen des zu durchlässigen Kiesuntergrunds ungeeignet, und die Idee Grunschen/Reppisch wurde abgelehnt wegen einer möglichen Trasseeverlegung der Bremgarten-Dietikon-Bahn.

Schliesslich gelangte am 23. Februar 1947 das Vorhaben, eine Badi im Fondli zu bauen, an die Urne. Es wurde mit 860 zu 599 Stimmen genehmigt. So konnte das Freibad 1948 mit einem Jugendfest eröffnet werden. An den Kosten von rund 400 000 Franken beteiligte sich auch das Militär. Denn die Dietiker konnten den Bund dazu überreden, einen Teil der Festungsanlagen, die während des Zweiten Weltkrieges in der Gemeinde erstellt wurden, stehen zu lassen. Das Geld, das für den Abbau der Anlagen gedacht war, wurde für den Aufbau der Badi verwendet. Nach einer umfassenden Sanierung wurde das Fondli 2013 wiedereröffnet.

Bürgergemeinde sagt Nein

Auf eine ähnlich lange Vorgeschichte wie das «Fondli» blickt auch das ebenfalls 1948 eröffnete Freibad «Im Moos» in Schlieren zurück. Bereits 1915 wurde auf Geheiss der Gesundheitskommission ein Projekt für ein Schwimmbad erarbeitet.

Wegen des Ersten Weltkrieges gelangte dieses jedoch nicht einmal vor die Gemeindeversammlung. Immerhin bis an die Urne schaffte es 1936 ein Vorstoss des späteren Gemeindepräsidenten Walter Gurtner. Seine Motion zum Bau einer Badeanstalt überwand die Hürde Gemeindeversammlung. An der Urnenabstimmung wurde das Vorhaben jedoch mit 676 zu 363 Stimmen abgelehnt.

Zwei Jahre später wurde ein Projektierungskredit von 2000 Franken für eine Badi im Zelgli gesprochen. Die Bürgergemeinde lehnte es jedoch ab, das notwendige Land zur Verfügung zu stellen. Sie sei in diesen Krisenzeiten nicht gewillt, Hand zu bieten für ein Projekt, das die Gemeinde viel Geld koste und eine Steuererhöhung zur Folge habe, liess sie verlauten. Lange ging danach nichts mehr in Sachen Badi.

Erst 1944 kam Bewegung in die Angelegenheit, weil die Wagonsfabrik der Gemeinde anbot, ihr Grundstück im «Moos» unentgeltlich für den Bau eines Freibades zur Verfügung zu stellen. Im Frühjahr 1947 wurde schliesslich über einen Baukredit von 420 000 Franken befunden. Bei einer Stimmbeteiligung von 77 Prozent sagten 840 Stimmberechtigte Ja, 442 Nein. Seine Pforten öffnete das «Möösli» erstmals am 7. August 1948. Der Eintrittspreis für Erwachsene betrug 40 Rappen, jener für Kinder die Hälfte. Seit 2011 ist es eine Bio-Badi.

Etwas älter als die Dietiker und Schlieremer Badi ist das Freibad «Geren» in Birmensdorf. Laut Auskunft der Gemeinde stammt das noch heute existierende Garderobengebäude aus dem Jahr 1937. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Badi 1985, nachdem im Jahr zuvor einer Sanierung zugestimmt wurde. In Urdorf feierte das Freibad «Weihermatt» 1967 Eröffnung. Bereits 1954 – das Dorf zählte 2000 Einwohner – kaufte die Gemeinde Land für eine Sportanlage mit Schwimmbad. Allerdings haperte es lange an der Finanzierung. Als das Geld zusammen war, wurden Eisbahn und Badi gemeinsam geplant. Die Kunsteisbahn war auf den Winter 1966 bereit. (zim)