Limmat
Das Hochwasser hat auch gute Seiten

Während der Kanton Sicherheitsmassnahmen gegen den grossen Regen ergreift, tut Hochwasser den Pflanzen und Tieren der Auenparks Werdhölzli und jenem von Geroldswil gut.

Alex Rudolf
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Die Ruhe vor dem Sturm: Gestern Nachmittag waren die Auen trotz hohen Pegels ruhig.

Die Ruhe vor dem Sturm: Gestern Nachmittag waren die Auen trotz hohen Pegels ruhig.

Alex Rudolf

Am Montag ergossen sich wiederum grosse Regenmengen über der Schweiz. Am meisten Nässe war für die Innerschweiz, den Kanton Wallis sowie das Berner Oberland prognostiziert. Doch auch im Kanton Zürich und im Bezirk Dietikon sind die Wasserstände derzeit sehr hoch. Die für angekündigten, intensiven Regenfälle dürften sie noch weiter steigen lassen.

Matthias Oplakta, Leiter Bau beim kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel), ist auch Mitglied des Hochwasserstabs der Kantonalen Führungsorganisation (KFO). Er verweist darauf, dass der sehr labilen Druckverteilung in Europa eine gewisse Unberechenbarkeit innewohnt. «Für die gestrigen Regenfälle konnten wir auf Gebiet des Kantons Zürich jedoch Entwarnung geben», sagt er.

Dass er den noch folgenden Regenfällen gelassen entgegenblicken kann, kommt daher, dass in grossen Gewässern Wasservolumen gespart wurde. «Seit vergangenem Samstag haben wir die Wasserspiegel des Sihlsees und des Zürichsees gesenkt, sodass wir mehr Reservevolumen für weitere Regenfälle haben», so Oplakta. Das viele Wasser, das die Limmat zurzeit führt, ist somit nicht direkt den Regenfällen zuzuschreiben, sondern ein Ergebnis der Ablassstrategie des Kantons. Diese präventive Massnahme wurde auch daher getroffen, weil die Böden im Kanton Zürich gesättigt sind, sprich kein Wasser mehr aufnehmen können, so Oplakta. Der Bevölkerung rät er, zurzeit nicht im Fluss zu baden sowie Aktivitäten in Flussnähe vorerst bleiben zu lassen. Der hohe Pegel der Limmat führt auch dazu, dass die Schiffart im Stadtzürcher Abschnitt temporär eingestellt wurde, lässt die Kantonspolizei verlauten.

Matthias Oplakta zeichnete auch verantwortlich für die Renaturierung der Limmatauen, die im vergangenen Herbst abgeschlossen wurde. Nebst der Verbesserung des Hochwasserschutzes hatten diese Massnahmen auch eine Aufwertung des Lebensraums für Pflanzen und Tier sowie die Steigerung der Aufenthaltsqualität für Menschen zum Ziel. Wie lautet Oplaktas erste Zwischenbilanz in Bezug auf den Hochwasserschutz? «Bei diesen Wassermengen kamen die Verbesserungen noch nicht zum Tragen. Auch mit dem alten Hochwasserschutz hätte keine Gefahr bestanden», sagt er. Die Besucher des Auenparks müssen also keine Bedenken haben, solange sie sich auf den Spazierwegen bewegen. «Zwar haben wir den Pegel der Limmat erhöht, da das Flussbett in den Limmatauen aber sehr breit ist, stieg dort der Wasserspiegel nur geringfügig», so Oplakta. So sind die Fussgängerwege noch weit davon entfernt, überschwemmt zu werden.

Wasser wälzt alles um

Oplakta kann dem Hochwasser in Bezug auf die Limmatauen aber auch seine positiven Seiten abgewinnen. «Dass zurzeit mehr Wasser durch dieses Gebiet fliesst, ist für die dort ansässigen Pflanzen und Tiere sehr gut», sagt er. Denn so würde eine Art Umwälzung stattfinden. Die Umverteilung von Kies, Pflanzen und Hölzern werde dem Auenpark ein neues Gesicht geben und Platz für Neues schaffen. «Die Spaziergänger werden, wenn das Wasser wieder abgeflossen ist, besser verstehen, was eine Aue ist», so Oplakta.