Die Plattensammlung der Geschwister – damit hat es angefangen; anno 1983 etwa. Urs Junger, genannt Üse, entdeckt Pink Floyd («Another Brick in the Wall»). In der Schule wählt er die britische Band als Vortragsthema. Der Virus steckt.

1987 geschieht es um den Geroldswiler definitiv, mit der Erscheinung von «A Momentary Lapse of Reason». Von da an saugt er alles auf, was mit Pink Floyd zu tun hat. Heute ist Junger selbst ein bisschen Pink Floyd: Mit seiner Coverband Crazy Diamond feiert er morgen das 10-Jahr-Jubiläum seit der Gründung mit einem grossen Konzert.

Gitarrenspiel mehr schlecht als recht

Obwohl Junger seit Teenagerjahren ein durch und durch angefressener Pink-Floyd-Fan ist, dauert es bis ins Jahr 2001, bis er die Coverband Crazy Diamond gründet. «Mein Gitarrenspiel war vorher mehr schlecht als recht», sagt er heute. 2000 verbringt Junger ein Jahr in den USA, besucht eine Musikschule, lebt für die Musik. In Los Angeles besucht er ein Konzert einer amerikanischen Pink-Floyd-Coverband, ist begeistert von der Resonanz des Publikums. «Ich habe mir da gedacht, das müsse in der Schweiz auch möglich sein.»

Es ist möglich; auch wenn sich die Anfangszeit etwas harzig gestaltet. Bis auf eine Ausnahme besteht die Band in den Anfangszeiten aus Limmattalern, im Laufe der Jahre hat es einige Wechsel gegeben. Den Letzten anfangs 2011, als der Keyboarder Thomas Fretz zur Truppe stiess. Heute besteht die Band aus sieben semiprofessionellen Musikern, die jede Woche in Schlieren proben. Mehr als 40 Songs gehören zu ihrem Repertoire, darunter auch zwanzigminütige Brocken. Und selbstverständlich allesamt Covers von Pink Floyd.

Pink Floyd covern – Blasphemie?

Covern – eine nicht unbestrittene Form des Musikmachens. Junger erinnert sich an bitterböse Reaktionen; es sei Blasphemie, Pink Floyd zu covern. Ist es das? «Eine Band wie Pink Floyd zu covern ist möglich, aber mit sehr grossem Aufwand verbunden», sagt Junger. Er investiere zwei Tage pro Woche in das Projekt Crazy Diamond. Das oberste Ziel: «Wer uns mit geschlossenen Augen lauscht, soll das Gefühl haben, Pink Floyd stehe auf der Bühne.» Wobei; mit geschlossenen Augen ein Crazy-Diamond-Konzert zu hören, wäre schade. «Wir betreiben einen sehr grossen Aufwand mit visuellen Effekten», sagt Junger und verrät, dass für das Jubiläumskonzert von morgen noch zwei, drei Überraschungen geplant seien. «Es wird einmalig werden.»

Hatten sie in all den Jahren nie das Verlangen, eigene Songs zu spielen? Dieses Diskussionsthema sei immer wieder aufgetaucht, sagt Junger. «Aber wir haben bei der Gründung der Band den Grundsatz gefasst, Pink Floyd treu zu bleiben. Und dabei bleibt es.» Jedoch hätten einzelne Bandmitglieder noch andere Projekte, wo sie ihre eigene Kreativität auslebten.

Nie mit diesem Ausmass gerechnet

Welches sind die Highlights der letzten zehn Jahre? «Der enorme Erfolg an sich», sagt Junger. Nie hätte man bei der Gründung mit diesem Ausmass gerechnet, immer sei es weiter nach oben gegangen. Ein weiters unvergessliches Erlebnis: das Treffen mit Pink-Floyd-Gründungsmitglied Roger Waters am «Moon and Stars»-Festival in Locarno.

Für die nächsten zehn Jahre wünscht sich Junger, weiter mit Crazy Diamond so erfolgreich Musik zu machen. Und sonst? Junger lacht; er würde David Gilmour gern eine Frage stellen, meint er dann. Die wäre? «Warum er es nicht schafft, über seinen Schatten zu springen, und eine anständige Abschiedstournee zu geben.»

Jubiläumskonzert Freitag, 28. Oktober, im Komplex 457, Hohlstrasse 457, Zürich. Türöffnung 19.30 Uhr, Konzertbeginn 20.30 Uhr. Tickets an der Abendkasse.