Handball

Das HCDU-Lager im Toggenburg: eine Woche in der Handball-Bubble

Trotz Corona befindet sich der HC Dietikon-Urdorf noch bis morgen Freitag im Toggenburg im Nachwuchslager.

Sollen wir oder sollen wir nicht? Die Verantwortlichen des Handballklubs Dietikon-Urdorf standen im Frühling vor der schwierigen Entscheidung, ob sie das traditionelle Nachwuchslager in den Herbstferien tatsächlich durchführen sollten. Und wenn ja, in welcher Form. Im Limmattal bleiben und tageweise trainieren, dafür zu Hause schlafen? Oder doch wie seit 1988 üblich ins Toggenburg reisen? In Bütschwil waren Unterkunft und Hallen fix reserviert, viele Kinder hatten sich bereits Ende letzten Jahres angemeldet. «Wir dis­kutierten die Sache durch und skizzierten ein Schutzkonzept», sagt Sascha Schoenholzer, seit 2004 Lagerchef. Man einigte sich darauf, das Lager wie gehabt durchzuführen und gewisse Massnahmen als verbindlich zu erklären. «Im Limmattal zu bleiben, kam nicht in Frage», so Schoenholzer, «das wäre kein echtes HCDU-Lager gewesen.»

Als klar war, dass man auch heuer nach Bütschwil reisen und in der dortigen ehemaligen Militärunterkunft eine Woche verbringen würde, rasselten die Anmeldungen nur so herein. Bei 75 war Schluss, mehr ging nicht. «Ich glaube, Eltern wie auch Kinder sind froh, dass der Nachwuchs einmal eine Woche weg von zu Hause verbringen kann», schiebt Schoenholzer lachend nach. Laut dem Lagerboss wäre ein neuer Teilnehmerrekord möglich gewesen, aber mit 100 Kindern wollte man dann doch nicht in die Ostschweiz reisen. Freiwillige Helfer und Trainer zu finden, war nicht schwierig. Schoenholzer: «Das familiäre Umfeld und die grossartige Stimmung in Bütschwil tragen dazu bei, dass viele ihre Ferien hergeben, um beim Juniorenlager dabei zu sein.»

Die Coronazeit tangiert das Leben der fröhlichen Schar vor allem abseits des täglichen Sportprogramms. Die ­Küchencrew trägt während der Arbeit eine Maske, so auch beim Schöpfen der Speisen im grossen Saal. Wenn jemand in die Küche tritt, heisst es: Maske auf! Nach dem Essen werden die Tische desinfiziert, zudem stehen an einigen Orten Behälter mit Desinfektionsmitteln bereit. Laut dem offiziellen Schutzkonzept der Sportanlage werden die Duschen jeweils am Abend vom Abwart desinfiziert. «Es klappt ganz gut, alle halten sich vorbildlich an die Regeln», lobt Schoenholzer. Zudem: Wenn eine Gruppe in der nahen Migros einkaufen geht, müssen Schutzmasken getragen werden. So funktioniert die temporäre Bubble der jungen Limmattaler Handballer.

Auch das Urgestein ist wieder dabei

Nach dem wunderbaren Mittagessen und dem obligaten Gruppenbild – auf dem alle die originale HCDU-Maske tragen – geht die Arbeit in der Sporthalle weiter. Spezialtraining steht auf dem Programm, die Flügelspieler auf der einen Seite, die Kreisläufer auf der anderen. Und mittendrin ein bekanntes Gesicht. Toni Lisibach, das Limmattaler Handball-Urgestein schlechthin, ist auch vor Ort. Wie jedes Mal seit 1980, als das erste HCDU-Lager in Fiesch durchgeführt worden ist. Lisibach ist mittlerweile 80-jährig, gehört also per Definition zur Coronahochrisikogruppe. Dennoch lässt er es sich nicht nehmen, auch in diesem speziellen Herbst eine Woche lang an vorderster Front dabei zu sein. Angst verspüre er keine, sagt er lachend. «Nein, nein, warum auch?» Schliesslich könne man sich überall mit dem Virus anstecken. «Es ist erfreulich, dass die Verantwort­lichen das Lager auch dieses Jahr durchführen», sagt Lisibach. «Wir können den Kindern doch nicht alles wegnehmen. Schau nur, mit welcher Begeisterung sie trainieren und spielen.» 

Tatsächlich sind die Mädchen und Knaben im Alter zwischen neun und sechzehn Jahren stets mit vollem Einsatz bei der Sache. «Wir haben am ersten Tag altersdurchmischte Gruppen gebildet», erklärt Trainerin Claudia Brandt. «So fördern wir das Miteinander, Grüppchenbildung gibt es dadurch weniger.» Den Postenlauf oder das Minihandballturnier bestreiten die Ad-hoc-Teams zusammen. 

Morgen Freitag ist der ganze Zauber schon wieder vorbei. Nach dem Aufräumen und dem abschliessenden Mittagessen – es wird Brätkügeli, Reis und Gemüse geben – tritt die ganze Schar die Heimreise an.

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