Seit vier Jahren lebt die Schwesterngemeinschaft des Klosters Fahr auf einer Baustelle. Daran wird sich so bald zwar nichts ändern. Doch heute dürfen die Schwestern, die wegen der umfassenden Sanierung der Klosteranlage zwei Jahre lang im Exil der ehemaligen Bäuerinnenschule lebten, wieder in ihre Zellen im geschlossenen Trakt des Klosters zurückkehren.

«Damit hat das tägliche Pendeln ein Ende», sagte Priorin Irene Gassmann gestern vor den Medien. Die Benediktinerinnen mussten während der zwei Jahre täglich eine Kantonsgrenze überwinden: Die Bäuerinnenschule liegt auf Zürcher Kantonsgebiet, die barocke Klosteranlage nebenan in einer Aargauer Enklave. «Wir waren Grenzgängerinnen», so die Priorin.


Mit der Rückkehr der Schwestern ins Konventgebäude ist die erste Etappe der Gesamtsanierung des Klosters abgeschlossen. Sie hatte sich aus Sicherheits- und energetischen Gründen aufgedrängt. Vor allem die desolaten Elektroanlagen mit ihren alten, baumwollumwickelten Leitungen bargen ein grosses Kurzschluss- und Brandrisiko, wie Architekt Castor Huser erklärte. Seine Aufgabe war keine leichte: Neben der schieren Grösse der Anlage waren auch die strengen Vorgaben der Denkmalpflege und der laufende klösterliche Betrieb grosse Herausforderungen.

Balance zwischen Alt und Neu

Aus denkmalpflegerischer Sicht sei die Sanierung «aufs Beste gelungen», sagte die stellvertretende Denkmalpflegerin des Kantons Aargau, Isabel Haupt. Der wertvolle historische Bestand habe weitgehend bewahrt werden können und wo neue Elemente nötig waren, seien diese so gestaltet worden, dass sie sich harmonisch ins Ganze einfügen. Ohne die Arbeit von erfahrenen Handwerkern wäre dies nicht möglich gewesen, betonte neben Haupt auch Priorin Irene.


Die Handwerker mussten teils ziemlich kreativ vorgehen, um den verschiedenen Bedürfnissen – ästhetischen, praktischen, denkmalpflegerischen, energetischen – gerecht zu werden. So erklärte Toni Weiss, der die Projektleitung über die Holzbauarbeiten innehatte, wie man etwa mit dem alten Tor zwischen Besucher- und Klausurtrakt verfuhr: Dieses wurde aufgetrennt und beidseitig auf Brandschutzplatten geklebt. So sieht es heute zwar aus wie früher, erfüllt neu aber auch die Funktion eines Brandabschnitts.


Eine weitere Herausforderung sei gewesen, überhaupt erst einmal herauszufinden, was sich unter den Oberflächen alles versteckte, sagte Restaurator Claudio Fontana. Gebaut wurde das Konventsgebäude des 1130 gegründeten Klosters 1689 bis 1703. Zwischen dieser Zeit und den letzten grösseren Sanierungsarbeiten vor 30 bis 50 Jahren fanden zahlreiche Teilrenovationen statt, die man Farbschicht für Farbschicht nachverfolgen konnte.

Schon vor einigen Jahren kamen in der Propstei unter Farbe versteckte spätbarocke Fresken der Gebrüder Torricelli zum Vorschein, die aufwendig wieder freigelegt wurden. In den Klausurzellen wurden zudem bis zu 13 verschiedene frühere Farbanstriche freigelegt, darunter verschiedene Grüntöne. Zu diesen wollten die Schwestern allerdings nicht zurückkehren. «Wir haben es diskutiert», sagte Priorin Irene, doch am Schluss machten zurückhaltende Weisstöne das Rennen.

Gelder für nächste Etappe gesicher

Elf Millionen Franken hat die nun abgeschlossene erste Etappe verschlungen, zu der neben der Sanierung der Klausur im West- und Südflügel auch die der Propstei und des Besuchertrakts im Ostflügel gehörten.

Zusammen kam das Geld dank Beiträgen von Kantonen, Gemeinden, Stiftungen und privaten Spenden. Eine Million steuerte auch die Klostergemeinschaft selbst bei. Die Kosten für die gesamte Sanierung, die frühestens 2030 abgeschlossen sein dürfte, wird mittlerweile mit 21 bis 23 Millionen veranschlagt. Von den ausstehenden Millionen sind zwei bereits gesichert. So viel soll die nächste Etappe kosten, bei der bis 2018 Kirchturm, Aussenwege und -beleuchtung sowie die Klostermauer an der Reihe sind. «Uns wird es so schnell nicht langweilig», sagte die Priorin.

Das sind die grössten Veränderungen im sanierte Kloster:

 
Welche Veränderungen den weiteren Klostergebäuden wie dem Restaurant oder der alten Mühle bevorstehen, ist heute noch unklar. Über die Zukunft der 2013 geschlossenen und nun freiwerdenden Bäuerinnenschule gab es jedoch gestern bereits Neues zu berichten: Man sei in den letzten Zügen von Verhandlungen über eine schulische Zwischennutzung, sagte Priorin Irene. Eine solche gebe ihnen auch Zeit, einen langfristigen Plan für das Gebäude der Bäuerinnenschule auszuarbeiten.


Die Bäuerinnenschule ist den Nonnen als Wohnort schnell ans Herz gewachsen. Sie würden auch einiges vermissen an der temporären Unterkunft, die sie in Anlehnung an eine Lebensstation von Ordensgründer Benedikt liebevoll «Subiaco» nannten. «Beim Weg zum Gottesdienst überquerten wir jeden Tag die kleine Brücke und konnten den Sternenhimmel oder den Mond beobachten, die verschiedenen Jahreszeiten geniessen mit Sonne, Regen, Wind und Schnee», erzählte die Priorin gestern mit einem seligen Lächeln auf den Lippen. Dennoch: Nun freue sich die Schwesternschaft, ins Konventgebäude zurückzukehren – wo neu auch warmes Wasser aus den Hahnen ihrer Zellen fliesst.