Geroldswil
Das «Glanzenburg» jetzt bereit für seine letzte Runde

Suppenschüsseln, Teebüchsen, Dekomaterial, Körbe, Besteck, Gläser – der Gastraum des Restaurants Glanzenburg an der Limmattalstrasse 49 in Geroldswil ist überstellt mit Inventar.

Katja Landolt
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Glanzenburg Geroldswil
7 Bilder
Gläser und Krüge in allen Grössen und Formen sind für wenige Franken zu haben
Die Interessenten kamen zahlreicher als erwartet
Löffel-Kaufen en gros
Fonduepfännli im Dutzend
Pächterin Denise Koch schliesst das Restaurant nach 14 Jahren
Carmen Diserens mit einer Kugel, mit der sie 1968 gekegelt hat

Glanzenburg Geroldswil

Limmattaler Zeitung

Wer nicht aufpasst, bleibt im schmalen Gang zwischen den Tischen an Pfannenstilen oder Vasen hängen. Von der Terrasse hievt gerade ein Kran die Topfpflanzen über den Sichtschutz; Pächterin Denise Koch und ihre Mitarbeiter begrüssen die Interessenten, beraten und erklären, kassieren ein.

Es ist der erste Tag des Inventarverkaufs, seit letzter Woche ist das Restaurant zu. Alles muss weg, für ein paar Franken das Stück. Ende Woche soll das Restaurant geräumt sein, am 30. September ist Schlüsselübergabe. Dann ist das Kapitel «Glanzenburg» definitiv geschlossen.

Alles muss raus

Die Interessenten kommen zahlreich – zahlreicher als gedacht. «Ich hätte nie mit so vielen Leuten gerechnet», sagt Koch. Ein Stück nach dem andern verschwindet in einer Tasche, wird in einer Kartonschachtel aus dem Restaurant getragen. Die Tische leeren sich zusehends. Das ist gut so, denn was nicht verkauft wird, muss Koch entsorgen. «Ich will die Sachen nicht lagern», sagt sie. Denn alles, mit Ausnahme der Tische und Stühle, gehört ihr. «Einen Teil habe ich vor 14 Jahren übernommen oder mir in den letzten Jahren zugelegt.» Auch wenn Koch sich über das Interesse der Schnäppchenjäger freut, so schmerzt es doch. «Es tut weh. Auch wenn ich mich bewusst für diesen Schritt entschlossen habe.»

Erinnerungsstück entdeckt

Die Käufer ziehen langsam durch die Reihen, diskutieren, klemmen sich unter den Arm, was ihnen gefällt. Und entdecken sogar alte Erinnerungsstücke: «Das sind mit Sicherheit die gleichen Kugeln, mit denen ich anno 1968 gekegelt habe», sagt Carmen Diserens aus Oetwil und nimmt eine in die Arme. Damals habe sie sich mit Bekannten jeden zweiten Mittwoch im Kegelklub getroffen. Kaufen will sie die Kugel trotzdem nicht. «Ich habe mir die Mikrowelle gekauft, die alte ist just diese Woche kaputt gegangen.»

Auch wenn Denise Koch in der «Glanzi» bald den Schlüssel dreht, so dreht sie dem Gastgewerbe doch nicht die kalte Schulter zu: Ab November wird sie als Leiterin in der Pizzeria Geroldswil arbeiten. «Ich kann es nicht lassen», sagt sie und lacht. Aber die Verantwortung eines eigenen Betriebes will sie nicht mehr tragen. «Nach 14 Jahren freue ich mich auf mehr Freiheit.»