Weshalb ab 2001 mit dieser Tradition begonnen wurde, lässt sich in der aktualisierten Gemeindechronik «Oetwil – Im Wandel der Zeit» nachlesen, die am Mittwoch anlässlich des Neujahrsapéros 2019 präsentiert und gratis an die Bevölkerung abgegeben wird.

Für die Nachführung des von Armin Bühler 1997 veröffentlichten Werks zeichnet alt Gemeindepräsident Paul Studer verantwortlich. Er hat die erste Chronik punktuell erweitert und sich dabei vor allem auf die letzten 20 Jahre konzentriert. Gemeindeschreiber Pierluigi Chiodini hat die Zeittafel im Anhang der Chronik nachgeführt.

Die Fülle an historischen Informationen, die von Bühler aus den unterschiedlichsten Archiven zusammengetragen wurden, hat Studer nicht überarbeitet. «Der Fokus wurde über die vielen historischen Tatsachen hinaus hin in Richtung des alltäglichen Lebens in der Gemeinde geöffnet», sagt Studer. So wurde etwa der 1996 gegründeten Kulturkommission ein eigenes Kapitel gewidmet.

Dem 2016 verstorbenen Künstler Köbi Alt und seinem Werk ist in der aktualisierten Chronik ein eigenes Kapitel gewidmet.

Auch die verschiedenen jährlich stattfindenden Anlässe im Dorf werden vorgestellt. «Viele Dorfanlässe gehören heute zum festen Jahresprogramm. Weshalb sie einst ins Leben gerufen worden sind, weiss aber kaum mehr jemand», so Studer. Ein eigenes Kapitel hat auch der 2016 verstorbene Künstler Köbi Alt erhalten, der für seine Werke im Oberdorf und im Wiesentäli über die Dorfgrenze hinaus bekannt wurde.

Die Post ist ein grosses Thema

Gegenüber der ersten Chronik erhalten zudem die Themen Chräbsenbach und Poststelle mehr Platz. «Gerade die Schliessung der Poststelle und die anschliessende Eröffnung der Postagentur war von vielen Emotionen begleitet», sagt Studer. Durch die Aktualisierung der bestehenden Chronik wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die heutige Zeit immer schnelllebiger wird. «Mit der Chronik von Armin Bühler besitzen wir ein gutes Werk. Wenn wir es aber nicht nachführen, wird es an Wert verlieren», sagt Studer.

Und dieser Wert ist enorm, findet Studer. «Armin Bühler hat beim Verfassen seiner Chronik ganz vorne beginnen müssen und mit viel Herzblut Archive durchforscht. Heute stehen unzählige Informationen zur Verfügung. Die Herausforderung besteht mittlerweile darin, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen», sagt Studer. Und so hat nicht jedes Ereignis der letzten 20 Jahre Eingang in die aktualisierte Chronik gefunden.

Diese Schuldverschreibung von 1666 befindet sich im Archiv der Gemeinde Oetwil. Am Neujahrsapéro wird sie ausgestellt.

Dafür finden die Leser ein Foto des Zinsrodels, des ältesten Oetwiler Dokuments, der wohl um 850 entstanden ist und sich im St. Galler Stiftsarchiv befindet. Er war der Grund, dass im Jahr 2000 das Jubiläum 1150 Jahre Oetwil gefeiert wurde. Auch die beiden ältesten Dokumente, die sich im Gemeindearchiv befinden, ein Erblehenbrief von 1588 und eine Schuldverschreibung von 1666 sind in der neuen Chronik abgebildet.

Beide werden am Neujahrsapéro, der seit 1996 vom Gemeinderat und der FDP-Ortspartei organisiert wird, zu sehen sein. Denn die Präsentation der aktualisierten Chronik wird von einer Ausstellung begleitet, die weitere Informationen zur Geschichte des Dorfes bietet.

Unter anderem werden die Besucher mehr über die Geschichte der Seidenzwirnerei Wettstein erfahren, deren markantes Gebäude an der Limmat über 100 Jahre lang das Gesicht der Gemeinde prägte. «Da die Fabrik 1981 geschlossen und 1983 das Gebäude gesprengt wurde, gibt es nicht mehr viele Leute, die sich noch daran erinnern», sagt Studer, der eigens für die Ausstellung ein Modell des Fabrikgebäudes erstellt hat.

Zu sehen sein wird an der Ausstellung auch das von Studer zusammengestellte Finanz-Gedächtnis der Gemeinde. Es diente ihm als Grundlage für die verschiedenen Statistiken, die in der erweiterten Chronik zu finden sind. Im Finanz-Gedächtnis sind unter anderem sämtliche Erfolgsrechnungen der Gemeinde von 1900 bis 2017 erfasst. Auch alle Investitionen und Landhändel, die in dieser Zeit getätigt wurden, finden sich dort.

Überdies lässt sich anhand des Dokuments die Bevölkerungsentwicklung von Oetwil nachzeichnen. «Die Ausstellung wird dieses Mal etwas textlastiger als in anderen Jahren», sagt Studer. Ergänzt werden die Dokumente durch Fotos von der 1150-Jahr-Feier. Bereits 2001 waren Bilder dieses Ereignisses am Neujahrsapéro zu sehen. Sie bildeten die Grundlage für die Ausstellungen, die seither zum Jahresbeginn organisiert werden.