Unterengstringen
Das Gartencenter Hoffmann wird 111-jährig

Dahlien, Kakteen und Pflanzen aus Madagaskar – die Familie Hoffmann hat immer wieder auf exotische Produkte gesetzt und ihrem Betrieb damit weit über die Region hinaus zu Bekanntheit verholfen. Nun führt die vierte Generation den Familienbetrieb.

Sandro Zimmerli
Merken
Drucken
Teilen
Ein undatierter Blick auf das Anwesen der Familie Hoffmann an der Unteren Bergstrasse in Unterengstringen.

Ein undatierter Blick auf das Anwesen der Familie Hoffmann an der Unteren Bergstrasse in Unterengstringen.

ZVG

Unterengstringen war ein beschauliches Dörfchen, als Albert Hoffmann von seinen Lehr- und Wanderjahren durch Deutschland und Frankreich 1903 in heimische Gefilde zurückkehrte. Gerade einmal 268 Einwohner zählte die Ortschaft, die vorwiegend aus kleinen Bauernbetrieben bestand. Ein solcher sollte denn auch am Ursprung eines Unternehmens stehen, das Unterengstringen bis heute prägt und in diesem Jahr ein grosses Jubiläum feiert – das Gartencenter Hoffmann.

Ein Jahr nach seiner Rückkehr aus dem Ausland konnte der damals 24-jährige Gärtnermeister Albert Hoffmann den Bauernhof der Familie Frei-Hug an der heutigen Unteren Bergstrasse übernehmen. Dazu gehörten auch Wiesen, Äcker und Reben am Widenbüel sowie im Dreieck zwischen unterer und oberer Hönggerstrasse und der Weiningerstrasse. Hoffmann pflanzte auf dem ehemaligen Bauernhof Gemüse, Obst, Stauden und Sträucher an. In zwei kleinen Gewächshäusern zog er Topfpflanzen heran. Ein Grossteil seiner Kundschaft stammte aus Zürich. Deshalb musste er seine Erzeugnisse in der Stadt an den Mann bringen. Legendär soll seine Marktauffuhr mit dem Hundegespann gewesen sein. Doch schon bald konnte Hoffmann dieses «Armeleutegespann» durch einen Pferde-Einspänner ersetzen.

Gefeiert werden drei Jubiläen

Im April ist es 111 Jahre her, dass das Gartencenter Hoffmann in Unterengstringen gegründet wurde. Gefeiert werden in diesem Jahr aber eigentlich drei Jubiläen. Denn vor 11 Jahren haben Ralph und Michael Hoffmann das Unternehmen in vierter Generation übernommen. Und vor einem Jahr hat der neue Geschäftsführer Stefan Strasser seine Arbeit aufgenommen. Deshalb spielen im Jubiläumsjahr die Zahlen 111, 11 und 1 eine besondere Rolle. So wird bis im Januar 2016 mit insgesamt 11 Events, 11 Aktionen und 11 Wettbewerben gefeiert. Die drei Hauptevents sind die Showgarteneröffnung am 1. Mai, der Apéro für jedermann am 3. Oktober und die traditionelle Advents- und Weihnachtsausstellung im November. Zudem wurde ein Jubiläumsmagazin produziert, das im Gartencenter erhältlich ist. (zim)

1912 folgte der Durchbruch

In der Folge begann die kleine Gärtnerei stetig zu wachsen. 1910 beschäftigte Hoffmann schon 13 Mitarbeiter. Zwei Jahre später folgte der Durchbruch für das Unternehmen. Erstmals konnte es sich an der berühmten Blumenausstellung in der Tonhalle zeigen. Im selben Jahr wurde auch eine Filiale in Schlieren eröffnet. Doch schon kurz darauf brachen mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs schwere Zeiten an.

Albert Hoffmann musste Aktivdienst leisten. Wie an vielen anderen Orten lag es nun an den Frauen und den Daheimgebliebenen, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Und so gelang es der Firma, die Kriegsjahre mehr oder weniger unbeschadet zu überstehen. Denn im kalten Winter 1917/1918 erfroren allen Dahlien. Erst 1919 konnte wieder eine Dahlienschau durchgeführt werden.

Allmählich wuchs auch die nächste Generation in den Betrieb hinein. Albert Hoffmann vertraute die Geschicke der Gärtnerei nach und nach vier seiner fünf Söhne an, die verschiedene Ressorts übernahmen. Der älteste von ihnen, Hans, kam 1924 ins Geschäft und entwickelte sich in den Folgejahren zum Dahlien-Vater der Schweiz. Im selben Jahr wurde wegen des grossen Verwaltungsaufwandes in einer Scheune auch das erste Büro eingerichtet.

Obschon die Dahlienschauen immer beliebter wurden, blieb die Firma auch in anderen Bereichen innovativ. 1930 konnten die ersten Kakteen direkt importiert werden. Das war ein Novum in der Schweiz. Ab 1950 wurden jährlich bis zu 500 000 Kakteen aus eigener Anzucht in den Handel gebracht.

Ganz ohne Brüche lief die Entwicklung nicht. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mussten erneut die Frauen die Hauptarbeit in der Gärtnerei übernehmen, da die Männer zum Aktivdienst eingezogen wurden. Ein Jahr vor Kriegsende, im Mai 1944, verstarb Firmengründer Albert Hoffmann und die zweite Generation übernahm.

Sie erweiterte die Firma in den 1950er- und frühen 1960er-Jahren laufend. Der Umfang der Kulturfläche nahm kontinuierlich zu. An der Dahlienschau wurden jetzt 1800 Sorten gezeigt. Gleichzeitig wurde allmählich die dritte Generation an die Firma herangeführt. Der grosse Aufschwung erfolgte dann in den 60er-Jahren. Die Leute verdienten immer mehr Geld.

Prominente Namensgeber

Der Boom, insbesondere jener der Dahlie, zog sich bis weit in die 1970er-Jahre hinein. Jährlich veranstaltete das Unternehmen eine Blumentaufe, bei der eine neue Dahlienzüchtung nach ihrer prominenten Gotte oder ihrem Götti benannt wurden. Unter anderem sind so Paola und Kurt Felix oder auch Kliby und Karoline bei festlichen Anlässen zu Namensgebern für Blumen aus dem Hause Hoffmann geworden.

Ende der 70er-Jahre und im Laufe des folgenden Jahrzehnts sank die Nachfrage nach Dahlien stetig. Deshalb entschied die dritte Generation, Gerda, Rolf und Werner, die die Firma seit 1979 leitete, im Jahr 1985 dafür, das Unternehmen in ein Gartencenter umzuwandeln, in dem neben Pflanzen auch Dünger, Schaufeln und Blumentöpfe angeboten werden. 2003 wurde die Dahlienschau letztmals durchgeführt und sechs Jahre später das Ausstellungsgelände überbaut.

Der Pioniergeist der Gründergeneration blieb jedoch weiter bestehen. Ab den 1990er-Jahren hielten exotische Pflanzen Einzug im Gartencenter. So hatte Ralph Hoffmann, der zusammen mit seinem Bruder Michael 2004 die Firma in vierter Generation übernahm, auf einer Reise nach Madagaskar die dortige Pflanzenvielfalt entdeckt und beschlossen, einige dieser Pflanzen nach Unterengstringen zu bringen.

Heute zählt die Firma, die inzwischen neben dem Blumenladen, dem Gartencenter sowie der Garten- auch Terrassengestaltungen anbietet, in der Hochsaison fast 70 Angestellte. Der Pflanzenbestand geht am Saisonbeginn im Frühling mittlerweile in die Millionen.