Aesch

«Das ganze Dorf freut sich schon»: das Restaurant Rössli öffnet seine Gaststube

In zwei Wochen feiert das traditionsreiche Aescher Restaurant Rössli seine Wiedereröffnung. Das Gebäude bildet den historischen Kern in Aesch und ist dennoch für die Zukunft gerüstet.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in der Liegenschaft an der Dorfstrasse 6 in Aesch die erste Wirtschaft eingerichtet. Von da an wurde im «Rössli» ununterbrochen gewirtet, ehe die traditionsreiche Gaststube vor rund zwölf Jahren ihre Türen schloss. Nun steht, nach umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten des unter Schutz stehenden Gebäudes, die Wiedereröffnung des Restaurants kurz bevor. Bereits fertig sind die acht neuen Wohnungen, die sich über der Wirtschaft und in der ausgebauten alten Scheune befinden. Sie wurden vor rund einem halben Jahr bezogen.

Nun fehlt nur noch das Restaurant. Und dann erblüht die historische Liegenschaft wieder vollends in neuem Glanz. Die Vorfreude bei allen Beteiligten ist gross, bei Eigentümer Urs Räbsamen, bei Architekt Dominik Kunz, bei der Gemeinde und nicht zuletzt bei den Pächtern Artan Berisha und Naim Jaha. Ab dem 17. Juni werden sie ihre Gäste mit mediterranen Köstlichkeiten, etwa hausgemachter Pasta, argentinischen Fleischspezialitäten und gutbürgerlichen Gerichten verwöhnen. Rund 80 Personen werden in der Gaststube, dem Säli und der Gaststube Platz finden. «Die Freude ist gross, dass wir endlich loslegen können. Durch die aktuelle Situation hat sich die Eröffnung etwas verzögert», sagt Berisha.

«Das Haus strahlt eine besondere Energie und Wärme aus»

Für ihn, der seit fast 30 Jahren in der Gastronomie tätig ist, und der das Restaurant Gaucho in Zürich führt, sei es etwas Besonderes, einen Landgasthof zu betreiben. Doch er fühle sich bereits wohl in Aesch. «Immer wieder während der Bauarbeiten sind Leute vorbeigekommen, die sich dafür interessierten, was hier vor sich geht», sagt Berisha. Mittlerweile seien auch bereits die ersten Reservationen eingegangen. Doch nicht nur deswegen gefällt es ihm in Aesch. Auch das Haus hat es ihm angetan. «Schon als ich das erste Mal hier drin stand, wusste ich, dass ich hier arbeiten will», sagt Berisha. Das Haus strahle eine besondere Energie und Wärme aus.

In der Tat handelt es sich beim «Rössli» um eine besondere Liegenschaft. Sie bildet zusammen mit dem Hafnerhaus, dem Doktorhaus, dem Türmli und dem Schumacherhaus den historischen Kern von Aesch und ist damit prägend für das Ortsbild. Lange ging man davon aus, dass das Haus rund 300 Jahre alt ist. «Untersuchungen haben nun aber gezeigt, dass die ältesten Gebäudeteile wohl schon 450 Jahre alt sind», sagt Architekt Dominik Kunz, der das vor vier Jahren gestartete Projekt, das die Sanierung des Wohngebäudes samt Restaurant, den Umbau der Tenne in ein Treppenhaus und den Ersatzneubau der ehemaligen Scheune beinhaltet, leitet.

Das Alter und der Umstand, dass das Wohnhaus unter Schutz steht, seien bei der Ausführung eine Herausforderung gewesen. «Bei solchen Gebäuden gilt es immer, verschiedene Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen», sagt Kunz. Nicht zuletzt gelte es die verschiedenen denkmalpflegerischen Anforderungen eines solchen Umbaus zu berücksichtigen. Freude hat ihm das Projekt gleichwohl bereitet. Insbesondere die vielen Details, die in der Gastwirtschaft sichtbar sind, machten den Umbau besonders. So sind im Säli hinter Gipsverputz alte Holzwände zum Vorschein gekommen. «Damit haben wir nicht gerechnet. Wir wollten die Holzwände aber unbedingt in den Raum integrieren», sagt Kunz.

In der Gaststube steht ein spezieller Kachelofen

Auch die Gaststube wartet mit einigen Highlights auf. Etwa einer alten Kassettendecke, einem Schrank, der noch aus den Zeiten stammt, als das Haus als reines Wohnhaus genutzt wurde, sowie mit einem Kachelofen. Dabei handelt es sich allerdings nicht um das Original, sondern um ein über 200 Jahre altes Modell aus dem Fundus der Denkmalpflege. «Der ursprüngliche Kachelofen hatte historisch keinen Wert und war in einem schlechten Zustand. Doch die Denkmalpflege hatte noch einen eingelagert, der nun wieder in Betrieb genommen wird», so Kunz.

Wie Wirt Berisha spürt auch Eigentümer Urs Räbsamen eine Vorfreude im Dorf auf die Eröffnung des Restaurants. «Schon bei der ersten Begehung des Gebäudes waren unzählige Inte­ressierte hier», sagt Räbsamen. Der Bauingenieur, der bereits einige Gastronomiebetriebe besitzt und dessen in Zürich beheimatetes Büro auf Altbausanierung spezialisiert ist, kennt sich in Aesch bestens aus. 2005 kaufte und sanierte er das Schumacherhaus an der Haldenstrasse 5, wo mittlerweile die Bibliothek eingemietet ist. «Dieses Haus habe ich gekauft, damit es nicht abgebrochen wird», sagt er. Auch das Schertenleibhaus an der Haldenstrasse 3 hat er erworben.

Das «Rössli» ist nun das dritte Objekt in Aesch. Räbsamen ist zufrieden mit seinem jüngsten Projekt. «Unser Ziel ist es, das Alte zu erhalten und das Neue zu integrieren. Das ist gut gelungen. Das Gebäude passt sich gut ins historische Dorfbild ein. Gleichzeitig ist es mit modernster Technik ausgerüstet und das Restaurant nun auch rollstuhlgängig», sagt er. Selbst Nistkästen für die Vögel seien am Haus angebracht worden. Und, das sei ihm bei all seinen Liegenschaften sehr wichtig, es werde mit Holz geheizt, also CO2-neutral. «Wir haben dem Gebäude eine Zukunft gegeben und seine Existenz für die nächsten 50 bis 100 Jahre gesichert», freut sich Räbsamen.

Auch bei der Gemeinde hat man Freude am neuen «Rössli». «Die jetzige Situation ist ein Glücksfall für uns und das Restaurant», sagt Gemeindepräsident Johann Jahn (Forum). Man sei froh, dass die Gemeinde nicht selber habe in die Hosen steigen müssen, meint er mit Blick auf frühere Kaufpläne. Denn als sich die damaligen Eigentümer, eine Erbengemeinschaft, 2014 dazu entschlossen, das Gebäude zu verkaufen, trat die Gemeinde in Kaufverhandlungen ein. Sie wollte damit unter anderem dafür sorgen, dass im Dorf auch dann noch ein Restaurant existiert, wenn das zweite Gasthaus in Aesch, das «Landhus», irgendwann schliessen sollte. Doch die Kaufpläne und die Idee, eine Genossenschaft für den Umbau und Betrieb der Liegenschaft zu gründen, wurden verworfen. Im Juni 2016 wandte sich schliesslich Urs Räbsamen an die Gemeinde und bekundete sein Interesse am «Rössli».

Ihren Beitrag zum Erhalt des Restaurants leistet die Gemeinde in Form von Parkplätzen. Sie hat Parkplätze in der Unterniveaugarage an der Eich­acherstrasse gekauft, die sie an Räbsamen für die Wohnungsmieter und Gewerbetreibenden in der Liegenschaft vermietet. Allerdings verzichtet die Gemeinde zumindest in den ersten zehn Betriebsjahren auf die Mieteinnahmen in Höhe von bis zu 25 000 Franken.

Und so ist sich auch Jahn sicher: «Das ganze Dorf freut sich schon auf die Eröffnung.»

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