Spital Limmattal

Das Gärtchendenken in Pflegefragen hat endlich ein Ende

Das Pflegezentrum des Spitals Limmattal muss totalsaniert werden – die Trägergemeinden dürfen sich davor zu ihren Bedürfnissen äussern. zvg

Das Pflegezentrum des Spitals Limmattal muss totalsaniert werden – die Trägergemeinden dürfen sich davor zu ihren Bedürfnissen äussern. zvg

Das Pflegezentrum spricht sich bei der Planung für seine zukünftige Ausrichtung mit den Trägergemeinden ab. Die Trägergemeinden begrüssen das.

Rund 50 bis 100 zusätzliche Pflegebetten benötigen die Zweckverbandsgemeinden des Spitals Limmattal im Bezirk Dietikon in den nächsten zehn Jahren. Zu dieser Schätzung kommt Susanne Vanini, Pflegedirektorin im «Limmi», aufgrund von 17 Interviews mit Behörden sowie Leistungserbringern im Pflegebereich wie der Spitex oder Hausärzten. Ziel der Befragung war es laut Vanini herauszufinden, ob in der Region der Wunsch nach überkommunaler Koordination bei der Altersversorgung besteht, und welche Erwartungen die beteiligten Institutionen und Gemeinden an das Pflegezentrum im Spital Limmattal in Zukunft haben werden. Dazu gehört auch eine Einschätzung des künftigen Pflegebettenbedarfs in den einzelnen Zweckverbandsgemeinden.

Anlass zu dieser Umfrage bot die in den nächsten Jahren bevorstehende Totalsanierung – oder gar der Neubau – des Pflegezentrums. Bevor man an die Planung des Projekts geht, will die Pflegedirektorin die zukünftige Ausrichtung ihrer Institution festlegen. «Hier fehlt es bisher an einer überregionalen Planung», sagt Vanini. Deshalb habe sie beschlossen, die Trägergemeinden in die Frühphase des Planungsprozesses einzubinden.

Einige Bedürfnisse haben sich bei den Interviews bereits herauskristallisiert, wie Vanini sagt. So sei von Behörden und Pflegeinstitutionen etwa mehrfach der Bedarf nach einer Tages- und Nachtklinik, Angeboten für Palliativpflege sowie zusätzlichen Versorgungsmöglichkeiten für Demenzpatienten geäussert worden. «Weniger erwünscht ist die Zentralisierung von operativen Leistungen wie der Administration oder der Wäscherei», so die Pflegedirektorin.

«Koordination» wird erst definiert

Grundsätzlich habe sich gezeigt, dass alle Trägergemeinden an einer überkommunalen Koordination in Fragen der Altersversorgung interessiert sind. «Was das konkret bedeutet, werden wir jedoch erst definieren müssen», sagt Vanini. Zu diesem Zweck organisiert das Spital Limmattal am 14. Mai einen Workshop, zu dem Behördenvertreter aller Limmattaler Zweckverbandsgemeinden eingeladen sind. Im Anschluss daran wird – sofern weiterhin Interesse vonseiten der Behörden besteht – ein Projekt aufgegleist, das schliesslich auch die Delegiertenversammlung des Zweckverbands genehmigen muss, wie Vanini erklärt.

Für die bauliche Planung des neuen Pflegezentrums werden die Strategien der Trägergemeinden bezüglich ihrer künftigen Nachfrage nach Pflegeplätzen zentral sein. In Schlieren beobachtet man die Entwicklungen im Pflegezentrum bereits seit längerer Zeit mit Interesse. Zusätzliche Pflegebetten benötige die Stadt gemäss eigenen Schätzungen bis 2030 zwar kaum, sagt Sozialvorstand Christian Meier (SVP). Jedoch komme das Haus für Betagte Sandbühl mit seinen 36 Pflegeplätzen in den nächsten Jahren an seinem Lebensende an. Deshalb ständen auch eine Beteiligung an der Erweiterung des Pflegezentrums des Spitals und die Auslagerung der Pflegebetten dorthin als mögliche Alternative im Raum. Denn: Ein grundlegender Umbau des «Sandbühls» sei aufgrund der Bausubstanz nicht möglich, erklärt Meier: «Es wird Zeit für eine längerfristige Lösung.»

Die Koordinationsbestrebungen des Pflegezentrums begrüsse die Stadt daher. Bis im Spätherbst würden Exekutive und anschliessend auch die Legislative einen Grundsatzentscheid für einen eigenen Neubau oder eine Beteiligung am Pflegezentrum fällen müssen, so Meier.

Auch «Im Morgen wird es eng

Die fünf Gemeinden rechts der Limmat erfüllen heute die Nachfrage nach Pflegeplätzen im Seniorenzentrum «Im Morgen» in Weinigen mit 26 Betten für pflegebedürftige ältere Personen. Dazu kommen derzeit weitere 18 Plätze, welche sie im Pflegezentrum des «Limmis» beanspruchen können. «Bis 2030 rechnen wir jedoch mit einem zusätzlichen Bedarf von zirka 50 Betten», sagt Hans-Jörg Zweifel, Mitglied des Fachvorstands des Zweckverbands und Vizepräsident der Spitex rechtes Limmattal. Es sei aber nicht die Absicht, alle zusätzlichen Betten ins Pflegezentrum auszulagern. «Die Gemeinden rechts der Limmat wollen ihre eigene Pflegeeinrichtung ausbauen», so Zweifel.

Begrüssen würde das Seniorenzentrum «Im Morgen» jedoch, wenn etwa schwierige Pflegefälle wegen der Nähe zum Akutspital im Pflegezentrum untergebracht werden könnten. Dazu gehören Demenzkranke und andere zu Pflegende im fortgeschrittenen Stadium, Palliativpatienten oder Patienten mit Mehrfacherkrankungen. Und schliesslich benötige man in der Region ein Kompetenzzentrum für die fachärztliche Beratung von Hausärzten und Spitex bei der medizinischen Betreuung von Patienten in den Pflegeinstitutionen oder Zuhause, so Zweifel.

Keine Pflegeplätze ausserhalb der Gemeinde braucht man in Birmensdorf, wie Fürsorgevorsteherin Annegret Grossen-Gabriel (FDP) auf Anfrage mitteilt. Dort nahm 2012 das Alterszentrum am Bach mit 61 Betten den Betrieb auf: «Bedarf besteht für uns aber nach Alterswohnungen, die behindertengerecht ausgestattet sind», so Grossen. Die weiteren Zweckverbandsgemeinden des Pflegezentrums Spital Limmattal gaben auf Anfrage keine detaillierten Auskünfte zu ihren Bedürfnissen im Altersversorgungsbereich.

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