Urdorf

«Das Fällen jedes Baumes tut einem Gärtner leid»

Zahlreiche Eschen fielen in letzter Zeit einer Baumkrankheit zum Opfer. Diese sogenannte Eschenwelke hat Urdorf fest im Griff und zwang Philipp Frei, Leiter der Regiebetriebe Urdorf, und seine Mitarbeiter rund 15 bis 20 Eschen zu fällen, die unter Pilzbefall litten.

«Die Bäume waren innerlich bereits abgestorben. Für uns hiess dies, die Bäume so schnell wie möglich zu fällen, um die Passanten vor dem Herunterfallen der spröden Äste zu schützen, welche der Pilzbefall mit sich bringt», sagt Frei.

Gefahr für Spaziergänger

Gerade in publikumsstarken Zonen könnten Spaziergänger gefährdet werden, etwa entlang des Schäflibachs, wo gleich mehrere stolze Eschen der Motorsäge zum Opfer fallen mussten.

Durch die Pilzkrankheit sterben die Triebe der Esche ab, weshalb die Eschenwelke auch Eschentriebsterben genannt wird. Philipp Frei und sein Team waren denn auch nur noch mit «Geisterbäumen» konfrontiert, die beim Anfassen gleich in Krümel zerfielen: «Sobald einer der gefällten Äste auf dem Boden aufprallte, zerbrach er in kleine Stücke wie Glas.»

Auch im Freibad Weihermatt sind von zweien der als Schattenspender beliebten Eschen nur noch Baumstumpfe übrig.

Für Berufsgärtner sei es kein Leichtes, solch ehrwürdige Bäume dem Häcksler zu übergeben, meint Philipp Frei: «Das Fällen jedes Baumes tut einem Gärtner wie mir leid. Gleich so viele Eschen zu fällen tat weh, immerhin sind wir alles Freunde von Bäume und Pflanzen. Zudem war die Esche mit ihrem elastischen Holz der ideale einheimische Baum.»

Erscheinung der Globalisierung

Die Eschenwelke wurde in der Schweiz erstmals 2008 beobachtet. Durch die zunehmende Mobilität unserer Gesellschaft wurde der aus Ostasien stammende Erregerpilz in den 1990-er Jahren gemäss der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) zuerst nach Osteuropa und schliesslich in die Schweiz eingeschleppt.

Der Erreger dringt dabei in die Baumrinde ein und tötet diese ab, wodurch der schutzlose Baum umgehend mit Pilz befallen wird. Der sich alljährlich wiederholende Befall führt bei jungen Bäumen zum raschen Zerfall, ältere Bäume halten oft länger stand. Ihre Kronen werden jedoch genauso morsch und könnten plötzlich aus bedrohlicher Höhe herunterfallen.

Um einen weiteren Befall zu verhindern komme in nächster Zukunft nur das Ausweichen auf andere heimische Bäume wie Linden, Pappeln oder Erlen in Frage, so Frei. «Wir werden die gefällten Bäume selbstverständlich ersetzen, zu allererst diejenigen in der Badi, damit die Badegäste im Sommer ihre natürlichen Schattenspender haben.» Es würden allerdings keine Eschen mehr sein, dafür müsse zuerst die Eschenwelke im Griff sein.

Vonseiten des WSL existieren bereits Pläne, wie der Pilzbefall, der die Esche gefärdet, mit biologischen Mittel bekämpft werden kann. Gemeinsam mit dem Nature Research Centre im Litauischen Vilnius haben die Schweizer Forscher ein Virus unter Beobachtung, der das Potential dazu haben soll, den Erregerpilz der Eschenwelke seinerseits anzugreifen.

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