Geroldswil

Das Ende vom Spektrum - Geroldswil verliert seinen Kulturverein

Die Singing Kids an der Kulturparty Geroldswil 2015, organisiert vom Verein Spektrum.

Die Singing Kids an der Kulturparty Geroldswil 2015, organisiert vom Verein Spektrum.

Der Kulturverein Spektrum wird aufgelöst – die Anlässe werden trotzdem auch im 2016 durchgeführt.

Nach 42 Jahren ist Schluss. Per Mehrheitsbeschluss der ausserordentlichen Mitgliederversammlung wurde die Auflösung des Vereins Spektrum bestätigt, wie es in einer Mitteilung von gestern heisst. «Der Verein ist den vergeblichen, intensiven Bemühungen um eine Blutauffrischung im Vorstand zum Opfer gefallen», heisst es weiter.

Bereits im letzten März gab der Spektrum-Vorstand bekannt, dass er geschlossen zurücktreten werde. Begründet hat die Präsidentin und ehemalige Geroldswiler Gemeindepräsidentin Ursula Hofstetter (FDP) dies damit, dass der Enthusiasmus der Organisatoren über die Jahre geschwunden sei. Zudem sei die Koordination mit anderen regionalen Kultur-Veranstaltungen schwierig gewesen. Es kam zu Überschneidungen, die bewirkten, dass nicht die angestrebten Besucherzahlen erreicht werden konnten. «Für einen lokalen Kulturbetrieb ist die regionale Koordination zur Glückssache geworden», so Hofstetter auf Anfrage.

Auch habe sich die Organisation als Verein überholt: «In beinahe allen anderen Gemeinden gibt es eine Kulturkommission, die sich der Organisation solcher Anlässe annimmt», sagt sie. Nun sei auch die Zeit gekommen, dass sich Geroldswil mit der Frage befassen müsse, wie das kulturelle Leben der Gemeinde aufgebaut sein soll ohne einen mitgliederstarken Verein im Rücken.

Auf der Suche nach einer Antwort wurde die Gemeinde bei einem ehemaligen Spektrum-Vorstandsmitglied fündig. Wie ebenfalls an der Versammlung vom vergangenen Donnerstag mitgeteilt wurde, wird sich Werner Stulz der Organisation von Anlässen annehmen. Dem Eventspezialisten wurde von der Gemeinde der Auftrag erteilt, kulturelle Veranstaltungen und insbesondere die Kulturparty zu organisieren.

Anlässe in professionellen Händen

Hofstetter ist hoch erfreut, dass die Spektrum-Veranstaltungen weitergeführt werden. Doch ist ihr auch klar, dass dies für die öffentliche Hand nun teurer zu stehen kommen könnte. «Zu den 50 000 Franken von der Gemeinde kamen jährlich rund 12 000 Franken in Form von Mitgliederbeiträgen zusammen. Diese fallen nun weg.» Hinzu komme, dass der Vorstand grösstenteils Freiwilligenarbeit geleistet habe, was mit der professionalisierten Organisation nun nicht mehr erwartbar sei. Immerhin bleibt nach Auflösung des Vereinskontos ein Restbetrag übrig, den «Spektrum» an die Gemeinde überweisen wird. Hofstetter rechnet mit rund 20 000 Franken.

Laut Peter Christen, FDP-Gemeinderat und Spektrum-Vorstandsmitglied, wird Stulz ein ähnliches Programm auf die Beine stellen, wie dies der Verein gemacht hat. Es besteht aus einer Vortragsreihe, einem Comedy-Event, einem Weihnachtskonzert und einer zusätzlichen Veranstaltung. Auch der Neujahresapéro und der Seniorennachmittag sollen weitergeführt werden. Wie viel Geld, die Gemeinde dafür in die Hand nehmen muss, zeigt sich erst Mitte Oktober. «Dann erhalten wir von Werner Stulz nähere Angaben», sagt Christen. Er ist sich des Pilotcharakters dieses Vorgehens bewusst: «Andere Gemeinden arbeiten in der Regel mit einer Kulturkommission. Auch mit einer solchen treten aber vermutlich bald wieder Personalprobleme auf.»

Misstöne von den Mitgliedern

An der allerletzten Mitgliederversammlung, an der die Auflösung beschlossen wurde, waren neben Gemeindepräsident Michael Deplazes (parteilos) auch mehrere Gemeinderäte anwesend. «Keines der Exekutivmitglieder würdigte am Ende der Versammlung trotz offenem Wort die Leistung des Vorstandes», so Hofstetter. Dies sei primär nicht den ehemaligen Vorstandsmitgliedern aufgefallen, stattdessen seien Vereinsmitglieder auf sie zugekommen, die sich eine Würdigung vonseiten der Gemeinde erhofft hätten.

Gemeinderat und Vorstandsmitglied Peter Christen versteht zwar die Irritation ob der fehlenden Ehrung bei den Mitgliedern. «Bei der Auflösung eines Vereins muss jedoch nicht zwangsläufig ein Exekutivmitglied sprechen», sagt er. Ihm habe eine Würdigung nicht gefehlt.

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