Weiningen

Das Ende einer Ära: Nach 37 Jahren übernimmt ein neues Wirtepaar das «Winzerhaus»

Das Ehepaar Bühler übergibt das Winzerhaus auf Januar seinen Nachfolgern Urs Koffel und Caroline Biel.

«Heute Ruhetag» stand am Dienstag auf dem Schild vor dem Weininger Restaurant Winzerhaus. Obwohl keine Gäste im Restaurant sind, wird dort jedoch emsig gearbeitet. Wände werden ausgemessen, der Sicherungskasten unter die Lupe genommen und das Wirteehepaar Martin und Barbara Bühler ist am Ecktisch mit einem Paar ins Gespräch vertieft.

Es sind Urs Koffel und Caroline Biel, denen die Bühlers nach 37 Jahren das Winzerhaus übergeben. Koffel ist als Führer des Restaurants Steakhouse Bahnhof in Mettmenstetten, für dessen Administration Lebenspartnerin Biel zuständig ist, bereits ein Name in der Gastronomieszene. Seit 13 Jahren zieht das Lokal mit seinen Grilladen Fleischliebhaber an.

Ein zweites Steakhouse wird das Winzerhaus unter der neuen Leitung aber nicht werden. «Wir planen, das Winzerhaus als das Restaurant weiterzuführen, das es heute ist», sagt Koffel. Ein Teil der bisherigen Menukarte bleibe bestehen, andere Gerichte werde er teilweise ändern. «Wichtig ist uns die saisonale Anpassung.»

Lange Suche nach einem Nachfolger


Zwei Jahre lang waren die Bühlers auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger. «Nach so vielen Jahren möchten meine Frau und ich uns zur Ruhe setzen», sagt Martin Bühler. Von Immobilienfirmen hätten sie haufenweise Angebote bekommen. «Die hätten das Restaurant dann aber abgerissen und auf dem Grundstück Wohnungen gebaut», sagt Bühler.

Er wollte jemanden finden, der das Restaurant weiterführt und das langjährige Personal übernimmt. Die Bereitschaft, in unserer finanziell unsicheren Zeit, einen Betrieb zu kaufen, sei sehr klein, sagt der abtretende Besitzer. Als er vor ein paar Monaten einem Kollegen gegenüber die Schwierigkeiten bei der Wirtesuche ansprach, sagte dieser: «Ich weiss dir einen», und wählte sogleich Koffels Nummer. Schon am nächsten Tag trafen sich die beiden, wenig später war das Geschäft unter Dach und Fach.


Vom Winzerhaus begeistert


Sie hätten schon seit einer Weile Ausschau nach einem zweiten Restaurant gehalten, sagt der gelernte Metzger Koffel. Von der Schönheit des Winzerhauses und seiner Aussicht über das Limmattal war er sofort begeistert. Zudem habe sein neuer Betrieb eine ähnliche Grösse wie das Mettmenstetter Restaurant Bahnhof, wodurch er auf seine Erfahrung zurückgreifen könne.
Mit dem Besitzerwechsel geht im Winzerhaus eine Ära zu Ende. 1979 übernahmen Martin und Barbara Bühler, die zuvor im Engadin gewirtet hatten, das Weininger Gasthaus als Pächter. Acht Jahre später erwarben sie das Lokal. «Damals hatten Mövenpick und die Swissair Interesse, das Restaurant zu kaufen», sagt Martin Bühler.

Dies habe den Weiningern jedoch nicht gepasst, weshalb ein Konsortium es selber erwarb, um den Nachfolger bestimmen zu können. Als Erstes liessen die neuen Betreiber ihr Lokal einer gründlichen Sanierung unterziehen. Um bei der ersten bewirteten Gesellschaft zu merken, dass das restauranteigene Mini-Reservoir viel zu wenig Wasser speicherte. «Wir mussten den Rest des Tages mit Mineralwasser kochen und spülen», erinnert sich Barbara Bühler.

Die Feuerwehr Weiningen rettete schliesslich mit dem Anzapfen eines Hydrants die Eröffnungsfeier. Am 11. Januar wird die neue Leitung erstmals ihre Gäste im Winzerhaus begrüssen. Das Personal wird von Koffel gänzlich übernommen. Weil der neue Wirt nicht täglich an beiden Standorten sein kann, wird eine Mitarbeiterin aus Mettmenstetten in Weiningen die Betriebsleitung übernehmen. «Juliane Reichmuth arbeitet schon acht Jahre bei uns, weshalb sie die ideale Betriebsleiterin für das Restaurant Winzerhaus ist», sagt Biel.

Nachfolge gesichert


Martin und Barbara Bühlers Sohn hatte sich für ein Studium in Zahnmedizin entschieden, obwohl er eine Zeit lang mit einer Ausbildung in der Gastronomie liebäugelte.
Anders sieht es beim neuen Winzerhaus-Inhaber aus. Urs Koffel und Caroline Biel haben beide erwachsene Kinder, von denen zwei bereits in die Gastronomie eingetreten sind. Zudem sind zwei von Biels Nichten in das Familienunternehmen involviert. Dies vereinfacht die Führung zweier grosser Gasthäuser und gibt dem neuen Wirtepaar Bewusstheit, die neue Aufgabe gut meistern zu können.

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