«Das Einsperren leistet keinen Beitrag zur Resozialisierung», sagt Michael Rubertus, Direktor des MZU. Das bedeutet, die jungen Straftäter werden sukzessive an die Freiheit herangeführt, in einem ausgeklügelten System. Die Massnahme teilt sich grob in die geschlossene Phase, die halboffene Phase und die Austrittsphase auf. Je nach Phase und auch innerhalb werden die Regelungen für Ausgang und Urlaub stetig gelockert.

Von der Eintrittspphase zur Bewährungsphase

Die im Idealfall acht Monate dauernde geschlossene Phase kennt nach der dreimonatigen Eintrittsphase die vier bis sechs Wochen dauernde Begleitphase. Hier kommt es erstmals zu einer durch Fachpersonal wie Sozialpädagogen begleiteten Öffnung. In den darauffolgenden anderthalb Monaten, der Öffnungsphase, kann der junge Straftäter erstmals für zehn Stunden am Wochenende raus. In einer späteren Phase darf er zusätzlich einmal im Monat samstags und sonntags in den Urlaub gehen. Das nennt man die Bewährungsphase.

«Diese Öffnungen sind immer mit Auflagen verbunden. Der junge Straftäter muss sich etwa regelmässig melden», erklärt Gregor Tönnissen, Leiter der Geschlossenen Abteilung.

«Zurück ins Leben gehen»

Nach dem Übertritt in die Halboffene Abteilung wird die Massnahme weiter geöffnet. Jeweils nach drei Monaten wird die Urlaubsregelung angepasst. Allerdings immer nach sogenannten Zwischenbesprechungen, bei denen auch die einweisenden Behörden ein Wort mitreden, wie Dorothea Bieler, Leiterin der Halboffenen Abteilung sagt.

Auch in der Halboffenen Abteilung gibt es verschiedene Stufen der Progression. Zunächst die Drei-Wochenregelung (Ausgang, Ausgang, Urlaub am Wochenende zur Beziehungsöffnung), die Zwei-Wochenregelung (Ausgang, Urlaub) und die Ein-Wochenregelung (Urlaub). «Eine Resozialisierung gelingt nur, wenn die jungen Straftäter zurück ins Leben gehen», ist Rubertus überzeugt, «aber da ist stets auch die Frage: Mit wieviel Freiheit kann eine Person umgehen? Man probiert beiden Aspekten genügend Rechnung zu tragen.»

So würden bei jedem Öffnungsschritt immer mehr Anforderungen gestellt, bekräftigt Bieler: Pünktlichkeit, Einhaltung der Auflagen, kein Drogen- und Alkoholkonsum. Nach jeder Rückkehr werden die Insassen automatisch danach getestet. Wer es in der anderthalb bis zwei Jahre dauernden Massnahme in der Halboffenen Abteilung bis zur Ein-Wochenregelung geschafft habe, müsse eine Persönlichkeitsentwicklung durchgemacht haben, müsse gar Vorbild für die anderen Insassen sein, so Bieler.

Tatbeweis vor der Wohngruppe

Die letzte Stufe vor der Austrittsphase nimmt die sogenannte 1+-Phase ein. «Es ist die höchste Progressionsstufe», erklärt Bieler, der Urlaub dauert jeweils von Freitagabend bis Sonntagabend. «Das ist der Tatbeweis, dass er in die Wohngruppe Austritt übertreten kann», ergänzt Rubertus. Die Wohngruppe Austritt, früher in Uster beheimatet, ist heute auf dem Areal des MZU zu finden. In der wohngruppe können sich die Insassen mit relativ wenig Einschränkungen an das bevorstehende Leben in Freiheit gewöhnen.
Die allerletzte Steigerung ist das Wohnexternat. Das MZU hat in Birmensdorf zwei Wohnungen gemietet. Eine weitere Form des Wohnexternats ist das Wohnen bei der Freundin oder der Familie. «Im Wohnbereich gehts darum, mit den Freiheiten umgehen zu können. Die jungen Leute arbeiten immer noch im MZU. Die Bedingung für eine bedingte Entlassung ist es, Wohnung und Arbeitsstelle draussen zu haben», sagt Bieler.

«Nichts Zufälliges entsteht»

«Die Progressionsstufen sind ein sehr ausgeklügeltes System, das darauf hinwirkt, dass auch bei der Öffnung nichts Zufälliges entsteht, wo alles auf den Straftäter abgestimmt ist», urteilt der Anstaltsdirektor. Man achte dabei etwa auf ein stabiles Beziehungsnetz des Straftäters. Sei dieses vorhanden, lasse man ihn anders an die Öffnung heran als jemanden, bei dem kein geeignetes Umfeld zur Verfügung stehe. Die einweisende Behörde werde dabei immer mit einbezogen, sie werde informiert oder entscheide sogar mit.

«Es ist für uns als Vollzugseinrichtung eine grosse Herausforderung, wenn wir jemanden zeitweise nicht eins zu eins sehen und Vertrauen haben müssen. Aber nur wenn wir Freiräume gewähren, kann der Straftäter den Beweis erbringen, dass er etwas gelernt hat», ist sich Rubertus sicher.

Arbeit mit Rayonverboten

Wie empfinden die jungen Männer die Progressionsstufen? «Denen sind sie zu engmaschig, sie dauern ihnen zu lange. Oft fühlen sie sich als erwachsene Menschen nicht ernst genommen», weiss Tönnissen zu berichten. «Im Zweiergespräch mit Bezugspersonen oder Therapeuten kann einer durchaus zugeben, dass sie ihm helfen.»

Das MZU arbeitet bei der Ausgangs- und Urlaubsgewährung auch mit Rayonverboten. Das könne sehr einschränkend sein, wenn zum Beispiel am Anfang der frühere Wohnort des Delinquenten tabu sei, so Tönnissen. Auch Sechseläuten, Knabenschiessen, Streetparade, 1.-Mai-Veranstaltungen oder das Caliente-Festival dürfen nicht besucht werden. «Die Streetparade ist eine Hochrisikoveranstaltung für unsere jungen Männer. Überhaupt passieren an Grossveranstaltungen zunehmend Verfehlungen, Gewalt, etc. Wir übernehmen die Verantwortung für sie, weil sie noch nicht so viel Selbstverantwortung übernehmen können wie sie selber glauben», sagt Rubertus.

Wochendende sind immer mit Anspannung verbunden

In aller Regel kehrten die jungen Straftäter ordnungsgemäss ins MZU zurück. Dennoch könne es vorkommen, dass sich einer von ihnen nicht an die Auflagen hält, was zu Sanktionen und Einschränkungen führe. Deshalb ist ein Wochenende für den Anstaltsleiter und seine Leute immer auch mit Anspannung verbunden.