Es gibt für einen Musiker keinen stressigeren Moment, als wenn er zum Wettkampf um eine rare Orchesterstelle antreten muss.

So präsentierte sich das Duo Calva am Dienstagabend im Stüürmeierhuus in Schlieren. Da wird aus dem Vorspiel der beiden Celli bald ein erbarmungsloses Duell. «Ich bruuch dä Job…!», jammert der eine. «Ich gwünne sowieso», weiss der andere.

Seit 18 Jahren sind die beiden Cellisten Daniel Schärer und Alanin Schudel als DuoCalva unterwegs. «Damals, 1996, spielten wir beide im Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester», erinnert sich Schudel. Die ersten zehn Jahre waren geprägt von Kammermusik, rein konzertant und seriös. Daneben studierten die beiden Musik: In Zürich und München der eine, in Zürich und Genf der andere. Und man spielte in professionellen Orchestern.

«Duo Calva» machte Spass – nur, das Repertoire für Cellomusik ist sehr beschränkt. Irgendwann kam die Idee auf, sich zu verändern. «Klassische Musik hat das Image, etwas verstaubt zu sein», sagen die beiden. Wir wollten diese Musik in die heutige Zeit bringen.»

Der Schritt gelang: Die beiden kannten den Autoren Charles Lewinsky, der die dramaturgische Beratung übernahm. Kurz darauf kam Regisseur Dominique Müller dazu, der den beiden den schauspielerischen Schliff verpasste. Aus Kammermusik wurde Cellocomedy. «Heute Abend Zauberflöte», war ihr erstes gemeinsames musikalisches Kabarett. Das war 2007. Mittlerweile bestreiten die beiden rund 80 Auftritte jährlich, vergangenen Herbst sogar zweimal in der Tonhalle.

«Das Vorspiel beginnt in 20 Minuten», klingt es aus dem Lautsprecher. Der Mann im weissen Anzug wird sichtlich nervös. «Hat jemand von euch vielleicht einen Betablocker? Oder etwas zu Rauchen?!», fragt er ins Publikum. Der andere im Frack poliert derweilen sein Cello und macht ein paar Aufwärmübungen. Kniebeugen. Stretching. Da merkt der im weissen Anzug, dass er seinen Frack vergessen hat. «Jetzt kann ich es vergessen», lamentiert er. Er spielt auf seinem Cello, und während er spielt, erscheint prompt ein Engel und bringt ihm das passende Kleidungsstück. Und während der eine immer noch spielt, hilft ihm der andere beim Umziehen. Die beiden spielen das Cello vierhändig. Oder jeder von ihnen spielt ein halbes Cello auf je zwei Saiten. Sie wechseln von Mozart zu Bach, von Händel und Rossini, verknüpfen das Ganze mit Pop und Rock und vermischen alles immer wieder mit Slapstick und Humor. Für das Publikum wurde das Duell der beiden ein musikalischer Genuss und ein Angriff aufs Zwerchfell gleichermassen.