Birmensdorf
Das Dorfzentrum wird immer mehr zur Flaniermeile

Die Gemeinde will die Dorfaufwertung fortsetzen: Gleich zwei Bauprojekte im Birmensdorfer Zentrum sollen dafür sorgen, dass der Dorfkern immer mehr zu einem Ort des Verweilens und der Begegnungen wird.

Florian Niedermann
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Aus einer schmucklosen Zubringerstrasse will der Gemeinderat eine Flaniermeile mit Platzstrukturen machen.

Aus einer schmucklosen Zubringerstrasse will der Gemeinderat eine Flaniermeile mit Platzstrukturen machen.

FNI

Auf der Parzelle zwischen Stallikonerstrasse und Zürcherstrasse — gegenüber dem Café am Wüeriplatz — haben schon vor einiger Zeit die Bauarbeiten für eine Überbauung gemäss privatem Gestaltungsplan «Dorfzentrum» begonnen (die Limmattaler Zeitung berichtete). Die Bauherrschaft erstellt dort ein Wohngebäude mit gewerblichen Nutzungen im Erdgeschoss. Die Gemeinde plant als Ergänzung Platzstrukturen rund um den Brunnen und die Bushaltestelle, wie Peter Siegrist, der Leiter des Birmensdorfer Bauamts, auf Anfrage erklärt. Die Exekutive habe im Investitionsprogramm dafür 60 000 Franken eingestellt.

Das zweite Projekt betrifft die nahe gelegene Bachstrasse im Bereich zwischen Studenmätteli- und Zürcherstrasse entlang des Wüeribachs. «Dieser Abschnitt der Strasse soll so attraktiv wie möglich gestaltet werden», sagt Siegrist. Die Strasse solle weniger wie eine Durchfahrtsstrasse wirken und künftig als erweiterter Aussenraum des Alterszentrums am Bach genutzt werden können. Für Zubringer bleibt die Bachstrasse von der Zürcherstrasse her aber weiterhin befahrbar.

Neben einem klar abgetrennten Fussgängerbereich mit neuen Bäumen, Sitzbänken und Platzstrukturen im Bereich der unteren Brücke soll auch das Geländer entlang des Bachs durch eine optisch ansprechende Version ersetzt werden. Die bestehende Barriere bei der Einmündung in die Studenmättelistrasse wird durch zwei Metallpfosten ersetzt. Mit der neuen Gestaltung soll der Wüeribach zum prägenden Element dieses Dorfteils werden, wie Siegrist sagt.

«Gedruckter» Teer statt Pflaster

Eine spezielle Lösung schwebt der Gemeinde für den Bodenbelag vor: Statt einer Pflästerung soll ein sogenannter «Streetprint»-Belag zum Einsatz kommen. Dabei wird in normalen Teer eine Pflasterstruktur eingepresst. Diese Oberfläche bietet laut Siegrist gegenüber echtem Pflaster grosse Vorteile. Zum einen könnten Belagsschäden einfacher ausgebessert werden, erklärt er. Zum anderen hätten Senioren mit Rollatoren damit weniger Probleme als mit Pflaster, bei dem mit der Zeit Unebenheiten entstehen können. «Die Senioren bleiben auf einem ‹Streetprint-Belag› weniger hängen», so Siegrist. Dazu erlaubt es das Belagsmaterial, dass der Teer im Fussgängerbereich eingefärbt und dadurch optisch von der Strasse abgehoben werden kann.

Die Umgestaltung der Bachstrasse kostet insgesamt rund 460 000 Franken. Über den Kredit befindet am 25. November die Gemeindeversammlung. Dies, obwohl bereits im Katalog der «Flankierenden Massnahmen Birmensdorf» (Flamabi) im Zuge der Eröffnung der Westumfahrung Zürich und der Autobahn N4 im Jahr 2009 eine bauliche Aufwertung der Bachstrasse vorgesehen war. Die Gemeindeversammlung genehmigte die Bauabrechnung der Flamabi im vergangenen März. «Da die Kosten für die Sanierung der Bachstrasse rund 170 000 Franken höher sind, als im Rahmen dieses Geschäfts vorgesehen war, und es sich um ein ganz anderes Projekt handelt, fanden wir es besser, den Souverän über ein neues, abgekoppeltes Geschäft entscheiden zu lassen», sagt Siegrist.

Bereits regt sich im Dorf erster Widerstand gegen das Vorhaben des Gemeinderats. Das Komitee Steuergünstiges Birmensdorf (KSB) kritisierte in einem Leserbrief, eine «Verschönerung der Bachstrasse» sei «heute in keiner Weise dringend und sinnvoll». Da die Gemeinde für das Jahr 2014 einen Verlust von über 400 000 Franken budgetiert habe und das Finanzressort von einer Reduktion des Nettovermögens um über 15 Millionen bis ins Jahr 2017/18 prognostiziere, solle die Exekutive so wirtschaften, «dass mit den Steuergeldern die wirklich nötigen und prioritären Aufgaben gelöst werden».

Auch wenn die Bevölkerung den Kredit im November bewilligt, kann die Gemeinde mit der Umgestaltung der Bachstrasse frühestens im Sommer 2015 beginnen. Der Grund: Das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) nimmt in den kommenden Monaten entlang des Wüeribachs umfassende Massnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes und eine Renaturierung vor. Der Bach erhält dabei eine neue Sohle mit Niederwasserrinne sowie Fischunterstände. Ausserdem werden die Ufermauern saniert. Im Anschluss an die Renaturierung würde eine teilweise Instandstellung der Bachstrasse fällig, sagt Siegrist: «Diese wollen wir nun mit der Aufwertung der Strasse verbinden, um Synergien nutzen zu können.»