Dietikon

Das Dietiker Parlament spricht Planzer erneut das Vertrauen aus

Die Dietiker Firma Planzer will ihren Hauptsitz ins Niderfeld verlegen, was das Parlament begrüsst.

Die Dietiker Firma Planzer will ihren Hauptsitz ins Niderfeld verlegen, was das Parlament begrüsst.

Gegen das Containerumschlagterminal Gateway hat sich Dietikon vehement gestellt. Die Logistikfirma Planzer hingegen ist im Niderfeld willkommen. Das bestätigte sich am Donnerstagabend im Parlament einmal mehr.

Es war eine emotionale und teilweise auch gehässige Dietiker Parlamentssitzung am Donnerstagabend. Am hitzigsten diskutiert wurde jedoch ein Postulat von SP-Gemeinderat Peter Wettler, der vorgeschlagen hatte, der Stadtrat solle im Dietiker Entwicklungsgebiet Niderfeld nicht nur ohne Gateway planen, sondern ganz ohne Logistikterminal. Konkret heisst das: auch ohne das Logistikterminal der Dietiker Firma Planzer. Diese will, wie schon länger bekannt ist, ihren Hauptsitz ins Niderfeld verlegen – und besitzt auch schon das nötige Land dazu.

Schon zum zweiten Mal

Es war nicht das erste Mal, dass im Parlament über dieses Thema gesprochen wurde: Schon AL-Gemeinderat Ernst Joss hatte den Stadtrat einst aufgefordert, die Ansiedlung des Transportunternehmens im Niderfeld zu verhindern. Er hatte jedoch keine Chance mit dieser Forderung.

Dass Wettler fast die gleiche Forderung noch einmal stellte, hat damit zu tun, dass unterdessen der Wind gegen das geplante Containerumschlagterminal Gateway gedreht hat. So wusste man zwar, als Wettler das Postulat einreichte, noch nicht, dass die SBB die Planung für das nationale Umschlagterminal tatsächlich stoppen wird, wie letzte Woche bekannt wurde. Trotzdem war schon deutlich geworden, dass der Gateway zumindest bis auf weiteres nicht umgesetzt würde.

Herzzentrum oder Medien

Wettler schwärmte gestern im Parlament davon, wie im Niderfeld etwas entstehen könnte, «was Dietikon zu einer angesehenen und wohlhabenden Stadt machen» würde. Durch die ausgezeichnete Lage sei das Niderfeld «gewissermassen das pulsierende Herz der deutschen Schweiz». Vorstellen könnte er sich ein Herzzentrum, ein deutschschweizerisches Medienzentrum oder auch ein Stromversorgungszentrum. «Das wären hochwertige und hochwertschöpfende Arbeitsplätze», so Wettler. Doch brauche es, damit man solche Ideen umsetzen könne, ein mutiges Parlament und einen mutigen Stadtrat.

Die Frage nach der Wertschöpfung

Letzterer wollte das Postulat aber nicht entgegennehmen, wie Stadtpräsident Otto Müller (FDP) sagte. Er freue sich über den Entscheid von SBB Cargo, das nationale Umschlagterminal nicht zu bauen. Denn dieses hätte, gerade nachts, viel Lärm und Licht verursacht, so Müller. Er finde es aber «sehr ungeschickt», dass die SBB gleichzeitig mitteilte, dass der bestehende Güterbahnhof ausgebaut werden soll. Dieses Projekt werde man sehr kritisch beobachten, so Müller: «Wir werden einer Mogelpackung, einem Gateway, der nun durch die Hintertür reinkommt, nicht zustimmen.»

Denn: Durch einen Gateway entstehe keine Wertschöpfung, sagte Müller. Bei einer logistischen Nutzung hingegen, obwohl sie auch Verkehr generiere, sei dies anders. «Es werden Arbeitsplätze geschaffen, es kommen Firmen, es gibt Steuern.» Deshalb könne sich der Stadtrat, unter gewissen Voraussetzungen, Planzer im Niderfeld vorstellen. Es bräuchte dazu als Rahmenbedingung aber eine Mantelnutzung und eine Überdachung, so Müller.

«Ein Ärgernis»

Es sei wahr, dass ein Gateway und ein Logistikterminal gewisse Ähnlichkeiten hätten, sagte Gabriele Olivieri (CVP) – jedoch nur auf den ersten Blick. Dass Planzer viel mehr Vorteile bringe, merke man aber schnell.

Rochus Burtscher (SVP) enervierte sich über Wettler und nannte dessen Ideen «Fantastereien». Zudem sei es verwerflich, immer gegen die Steuerzahler vorzugehen, sagte er. Die Firma Planzer sei schliesslich ein guter Steuerzahler und biete zudem viele Arbeitsplätze und auch Ausbildungsplätze an. «Ihr sägt an dem Ast, auf dem ihr sitzt», sagte Burtscher mit Blick auf die SP.

Genervt war auch Werner Hogg (FDP), der sagte, für ihn sei dieses Postulat «ein Ärgernis». Schliesslich habe der Gemeinderat das Thema schon zur Genüge behandelt. Zudem sei es ihm unerklärlich, dass man einer Firma, die rechtmässig Land gekauft habe, vorschreiben wolle, was sie damit zu tun habe. Kritik kam auch von Martin Müller (DP). «Da hat man einen guten Steuerzahler, der viele Arbeitsplätze anbietet», sagte er. «Doch statt diesem Sorge zu tragen, will man ihn vertreiben.»

Mit 22 zu 8 Stimmen abgelehnt

Unterstützung bekam die SP einzig von Ernst Joss (AL). «Andere Gemeinden sprechen von Innovationsparks, wir sprechen von Logistikanlagen», sagte er. Er betonte, Dietikon vergebe sich eine Chance, wenn sie das Niderfeld für Logistik hergebe. Die Mehrheit des Parlaments sah das aber nicht so: Sie stimmte mit 22 zu 8 Stimmen gegen das Postulat.

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