Dietikon

Das Boeniger-Haus ist nicht mehr – «ein wichtiger Mosaikstein» im Projekt der Limmattalbahn

Das Boeniger-Haus am Dietiker Bahnhofplatz wurde in der Nacht auf Dienstag bis auf die Grundmauern abgerissen. Bis am Morgen um 4.30 Uhr ­dauerten die Arbeiten. Die Bauleitung ist zufrieden mit dem Resultat.

An den Stahlträgern des Hauses hatten die Abrissbagger in der Nacht zünftig zu beissen. Nun wird der Schutt abtransportiert. Das dauert noch gut eine Woche, wie Heribert Bur­kart sagt. Er ist als Oberbauleiter für die ganze Limmattalbahn-­Baustelle auf Dietiker Gebiet verantwortlich. Als Nächstes steht dann nach dem Schutt-­Abtransport noch der Rückbau des Kellers des Boeniger-Hauses an, danach wird die Adresse Bahnhofplatz 1 zum neuen Standort des Limmattalbahn-­Infopavillons, der bisher in Schlieren stand. Für Mitte Juli ist die Einweihung des Pavillons in Dietikon vorgesehen.

Abgebrochen wurde das Boeniger-Haus, um Platz zu schaffen für die Gleise der ­Limmattalbahn-Haltestelle am Bahnhof. Auf dem Hauptteil der frei werdenden Fläche wird ­später ein öffentlicher, fast 650 Quadratmeter grosser Park gebaut.

Die Abriss-Nachtarbeiten lockten vor allem bis 23.30 Uhr Dutzende Schaulustige an. Sie erwiesen mit ihren Kameras dem über 100 Jahre alten Gebäude die letzte Ehre. Und sahen, wie die beiden Abrissbagger das Haus Stück für Stück abknabberten. Relativ behutsam, damit beispielsweise das Holz sauber getrennt von anderen Baustoffen entsorgt werden kann. Gegen den Abriss zur Wehr setzten sich eigentlich nur die orangen Stahlträger, die einst bei einer Sanierung des Hauses eingezogen wurden. Es brauchte viele Versuche, bis der Bagger sie wegreissen konnte.

In Beschlag genommen hatten die Baufirmen das Gebäude bereits im April. Danach war viel Zeit nötig, um die vorhandenen Altlasten im Haus zu entsorgen. Insbesondere die Asbestsanierung war aufwendiger als erwartet, wie Burkart erklärt. Daher fand der endgültige Abriss rund zwei Wochen später statt als ursprünglich geplant.

Für Oberbauleiter Burkart ist der Abriss des Boeniger-Hauses «ein wichtiger Mosaikstein» im Gesamtprojekt der Limmattalbahn. Gleichzeitig ist er sich bewusst, wie viel das Gebäude vielen Dietikerinnen und Dietikern bedeutet hat. «Es macht keinen Spass, so ein Haus abzureissen. Aber es ist Teil des Auftrags. Alle Beteiligten sind sich bewusst, dass sie der Bevölkerung viel zumuten», versicherte Burkart. Dies gelte auch in Bezug auf den Baulärm, unter dem derzeit viele Anwohner leiden.

«Dabei machen wir nur unseren Job»

Sicherheitsmänner schauten beim Abriss, dass niemand dem abgesperrten Bereich zu nahe kam. Einer davon war Ahmad Nazir aus Oberengstringen. Seit Anfang Mai bewacht er schon den ­Boeniger-Haus-Abriss. ­Viele Passanten hätten jeweils nicht eingesehen, dass sie aus Sicherheitsgründen nicht überall durchlaufen dürfen. Auch würden viele ihren Ärger über die Limmattalbahn-Baustelle an den Sicherheitsmännern auslassen. «Dabei machen wir nur unseren Job», sagt Nazir, ehe er lächelnd eine Passantin grüsst, mit der er auch schon mehrmals diskutieren durfte. Beide freuen sich darauf, wenn es in Dietikon wieder weniger Baustellen hat.

Bis im Sommer 2022 sollen die Bauarbeiten für die Limmattalbahn zu Ende sein, ehe sie dann im Dezember 2022 ihren Betrieb aufnimmt.

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