Weiningen

Das Dietiker Bezirksgericht zieht den Hanf-Gewinn des Genfers ein

Profitables Geschäft mit dem Anbau von Hanf.

Profitables Geschäft mit dem Anbau von Hanf.

Das Geschäft war profitabel: 300 000 Franken verdiente ein Genfer mit Hanfanbau in Weiningen. Doch nun muss der erwischte 52-Jährige ins Gefängnis, und dessen «erhebliche liquiden Mittel» werden für die Prozess- und Verfahrenskosten verwendet.

Im abgekürzten Verfahren wurde der 52-jährige Beschuldigte vom Bezirksgericht Dietikon für seine Verbrechen verurteilt: Ihm waren insbesondere Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz zur Last gelegt worden. Der Mann wurde mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren bestraft. Zudem muss er verschiedene Beträge in der Höhe von rund 230 000 Franken zahlen und die Kosten aus dem Verfahren übernehmen.

Damit ist der Fall der Zucht von THC-Hanfstecklingen in Weiningen für das Bezirksgericht Dietikon erledigt. Bereits vor zwei Monaten hatte es den ungarischen Gärtner verurteilt, der die Stecklinge gezogen hatte. Er wurde zu 20 Monaten Haft und einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 30 Franken unbedingt verurteilt. Zudem muss er 20 000 Franken abliefern und er wurde für sechs Jahre des Landes verwiesen.

Die Staatsanwaltschaft sah die beiden Männer als Team: Der Gärtner war für die Aufzucht und die Ernte der THC-Stecklinge zuständig. Der 52-Jährige organisierte derweil die Finanzierung und den Betrieb der Indoorhanfanlage sowie den Verkauf der Stecklinge.
In den Jahren von 2013 bis 2018 hat das Team gemäss Anklageschrift in einer Liegenschaft an der Zürcherstrasse in Weiningen insgesamt rund 172 000 THC-Hanfstecklinge gezüchtet. Diese verkauften sie laufend, für jeweils vier Franken pro Stück.

Eingangs der Verhandlung vor dem Bezirksgericht befragte Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher den Beschuldigten zur Person. Daraus ging hervor, dass der 52-Jährige verheiratet ist und keine Kinder hat. Er lebt in Genf, wo er auch aufgewachsen ist, in einer Genossenschaftswohnung für 500 Franken im Monat. «Das ist sehr, sehr, sehr günstig», kommentierte der Gerichtspräsident den Mietbetrag.
Zu seinen Zukunftsplänen befragt, sagte der Beschuldigte, dass er einiges in der Pipeline habe, auch in seinem angestammten Bereich der Ökonomie und in der Forschung.

Es bleibt wohl bei Halbgefangenschaft

Sein Pflichtverteidiger vom Anwaltsbüro Landmann, der Anwalt Ivo Harb, Spezialist für Betäubungsmittelrecht, verzichtete auf ein Plädoyer. Er und die Staatsanwaltschaft hatten sich auf die Anklageschrift geeinigt, die vom geständigen Täter auch akzeptiert wurde. Das Gericht hielt sich in seinem Urteil an die darin formulierten Konsequenzen der Übeltaten.

Demnach verurteilte es den Genfer zu 30 Monaten Freiheitsentzug. Daran werden ihm die bisherigen 119 Tage Haft angerechnet. 6 Monate muss er unbedingt verbüssen, wobei Richter Aeschbacher von «wahrscheinlich Halbgefangenschaft» sprach. Für die restlichen bedingten 24 Monate gilt eine Probezeit von 4 Jahren, in denen sich der Mann nichts zuschulden kommen lassen darf.

Das Gericht beurteilte die Taten als schweren Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz und das Verschulden des Mannes als «nicht unerheblich». Denn das Vorgehen sei planmässig und professionell erfolgt. Mildernd wurde erwähnt, dass es sich nicht um harte Drogen gehandelt habe. Insgesamt war das Verhalten des Beschuldigten egoistisch, wie das Gericht festhielt. Denn der Mann erwirtschaftete mit seinen professionell angebauten Hanfpflanzen nach Abzug aller Kosten und dem Lohn für den Gärtner einen Profit von über 300 000 Franken. Diesen Gewinn verwendete er zur Finanzierung seines Lebensstils.

Geldwäscherei und fehlende Geschäftsbücher

Mit dem Verschieben des Geldes, unter anderem über eine eigene, in Obwalden domizilierte GmbH, hatte er auch den Tatbestand der Geldwäscherei erfüllt. Zudem machte er sich der «ordnungswidrigen Führung von Geschäftsbüchern» schuldig; er hatte, obwohl er als Inhaber der GmbH dazu verpflichtet gewesen wäre, gar keine Buchhaltung geführt und keine Bilanzen erstellt. Und schliesslich kam erschwerend noch eine einschlägige Vorstrafe hinzu.

Grosse Summen, auf verschiedenen Bankkonten und in bar, hat das Gericht eingezogen. Diese «erheblichen liquiden Mittel» dürften aber gemäss Gericht, nicht reichen, um alle Kosten zu decken. So werde noch einiges auf den Genfer zukommen.

Die Anwaltskosten übernimmt vorerst der Kanton Zürich. Allenfalls werde dieser in einigen Jahren diesbezüglich wieder mit dem Mann Kontakt aufnehmen, führte der Richter weiter aus. Nach rund zwei Stunden konnte Gerichtspräsident Aeschbacher die Verhandlung schliessen.

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