Unterengstringen
Das Bienenhaus von Unterengstringen muss einer Überbauung weichen

Fast 100 Jahre stand es an der Büelstrasse, nun muss das Bienenhäuschen einer Überbauung weichen. Im Ortsmuseum Unterengstringen wird es zu neuem Leben erweckt.

Franziska Wagner
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Das Bienenhaus in Unterengstringen lernt fliegen
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Das Bienenhaus in Unterengstringen lernt fliegen

Nordwestschweiz

Mühelos hebt der Kran das Holzhäuschen hoch in den blassblauen Frühjahrshimmel. Auf der anderen Seite des Ortsmuseums Unterengstringen schwebt es herab und landet sanft auf seinem neuen Fundament.

Von weitem sieht das Relikt einer bäuerlichen Landgemeinde beinahe filigran aus, doch es kann eine Menge tragen: 1.4 Tonnen wiegen die Bieberschwanzziegel, mit denen das ungeahnt solide Bauwerk bald wieder eingedeckt wird.

Kommission und Obmann zögerte nicht lange, als die Anfrage kam, ob das Museum am Bienenhäuschen von der Büelstrasse interessiert sei.

Mit Unterstützung der Gemeinde wurde das Projekt vorangetrieben. Am Freitag, nach nur 10 Monaten Planung und Vorbereitung, zog das hölzerne Ausstellungsstück auf die Weidwiese um. Offiziell eingeweiht wird es dann beim Mittefasten Ende März, und wenn die Natur bereit ist, ziehen die ersten zwei Bienenvölker ein.

Echte Bienenvölker in einem Ausstellungsobjekt? «Genau», sagt Oscar Bamert, Obmann des Ortsmuseums.

«Wir wollen unsere Objekte nicht einfach nur ausstellen.» So wird etwa im Kachelofen des Museums regelmässig Brot für die Besucher gebacken.

«Die Menschen sollen selbst erleben können, auf was für geniale Ideen unsere Vorfahren gekommen sind». Mit viel Einfallsvermögen haben die Menschen damals einfache Lösungen gefunden, die günstig und zugleich effizient gewesen seien.

Das Konzept des «Erlebnis-Museums» geht auf: Innert dreier Jahre haben sich die Besucherzahlen vervielfacht, die Führungen und Veranstaltungen im Museum sind gut besucht. Am vergangenen Sonntag bastelten rund fünfzig Leute an den Rahmen, in denen die Bienen später ihre Honigwaben bauen werden.

Die Museumsleitung und der Gemeinderat sind ein kreatives Team mit immer neuen Ideen. Der «Naturpark» auf der Weidwiese, wo das Bienenhäuschen von nun an stehen wird, war ein spontaner Einfall des Gemeinderats.

Bienen wiederum passen hervorragend in so einen Naturpark. Und schon hat Bamert ein weiteres Projekt ins Auge gefasst: Eine Blumenwiese mit möglichst grosser Artenvielfalt.

Denn auf einer Wiese, wo nur «Chrötenpöschen» wachsen, seien die Bienen nicht glücklich, sagt Bamert.

Er weiss, wovon er spricht, hat er sich doch intensiv mit dem Thema Bienenzucht auseinandergesetzt.

Mit leuchtenden Augen erzählt Bamert von einem Imker-Schnupperkurs, dem «Bienentanz», mit dem die Tiere kommunizieren, und von der raffinierten Bauweise der Honigwaben. «Dieses kleine Tier ist super organisiert. Das ist ein Wunder der Evolution.»

Ein Ehepaar aus Höngg wird die ersten Bienen liefern und übernimmt auch die Betreuung. Die Bienen werden allerdings in Kisten vor dem Häuschen wohnen; im Innern sind nämlich traditionelle Geräte aus der Imkerei ausgestellt, die das Museum im zürcherischen Grüningen ausleihen konnte.

Ob Bamert sich nun erst einmal eine Pause von seinem Engagement gönnen wird? «Nein. Für mich ist das keine Arbeit, sondern eine Freude», antwortet Bamert und strahlt.