Schlieren
Das Bezirksgericht glaubt nicht an Notwehr: Schläger verurteilt

Bei einer Massenschlägerei vor einem Club in Schlieren hat ein junger Mann mit einer Eisenstange auf seine Gegner eingeschlagen. Er machte vergebens Notwehr geltend und wurde nun zu einer Geldstrafe von 10500 Franken auf Bewährung verurteilt.

Attila Szenogrady
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Bezirksgebäude Dietikon

Bezirksgebäude Dietikon

Limmattaler Zeitung

Es war in der Nacht auf den 6. Februar 2011, als sich vor einem Club an der Rietbachstrasse in Schlieren zwei verfeindete Clans aus dem Kosovo eine brutale Massenschlägerei lieferten. Die Männer gingen mit Stangen und Messern aufeinander los. Unter ihnen befand sich auch ein heute 27-jähriger Detailhandelsangestellter aus Schlieren. Da ein Gegner seinen parkierten Personenwagen beschädigt hatte, war er völlig aufgebracht. Laut Anklage schlug er mit einer Eisenstange auf mehrere Köpfe seiner Kontrahenten ein. Bis er von zwei Messerstichen am linken Unterarm sowie am Oberbauch getroffen wurde und zusammenbrach.

Notwehr geltend gemacht

Über drei Jahre später stand der gebürtige Kosovare mit Schweizer Pass diese Woche vor dem Bezirksgericht Dietikon und wehrte sich gegen einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft. Diese hatte den Beschuldigten neben anderen Schlägern wegen Raufhandels neben einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 70 Franken zu einer Busse von 2000 Franken verurteilt.

Der Schlieremer wies die Vorwürfe zurück und machte grundsätzlich Notwehr geltend. Er sei angegriffen und niedergestochen worden. Dann könne er sich an nichts mehr erinnern, führte er vor Gericht aus. Auch sein Verteidiger verlangte einen vollen Freispruch und lastete den gegnerischen Belastungszeugen widersprüchliche, aber auch nachträglich abgesprochene Aussagen während der Untersuchung an.

Schuldspruch bestätigt

In seinem nun eröffneten Urteil ist das Dietiker Gericht den Darstellungen der Staatsanwaltschaft gefolgt. Es stufte die Aussagen des Beschuldigten als detailarm und deswegen unglaubhaft ein. Besonders die angebliche Abwehrhandlung habe er nicht genau geschildert. Andererseits betrachtete Einzelrichter Bruno Amacker die Schilderungen der Gegenseite als nicht abgesprochen. Gerade weil keine deckungsgleichen Aussagen vorliegen würden, sei eine Absprache nicht zu erkennen. Zudem hätten die Belastungszeugen das Kerngeschehen gleich und glaubhaft geschildert.

Das Gericht setzte eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 70 Franken fest, verzichtete aber auf eine zusätzliche Busse von 2000 Franken. Aufgrund einer Vorstrafe wurde die Probezeit auf drei Jahre verlängert.