Eines ist Fakt: Die Bevölkerung der Welt sowie in der Schweiz hat sich seit den 1950er-Jahren fast verdoppelt. Theorien, weshalb es dazu kam, gibt es bekanntlich viele. Auch gibt es viele Theorien, die mutmassen, wie es in Zukunft weitergehen soll. Im Zuge der Ecopop-Initiative wird das Bevölkerungswachstum derzeit kontrovers diskutiert. Im November soll das Schweizer Volk darüber entscheiden, was zu tun ist und ein Statement setzen, ob die immer grössere Anzahl von Menschen auch schlecht für die Umwelt ist.

Ein Gegner dieser Initiative ist Balthasar Glättli. Der Nationalrat hat im Sommer zu diesem Thema das Buch «Die unheimlichen Ökologen» veröffentlicht und platziert derzeit seine Gegenargumente im Rahmen von Lesungen in der ganzen Schweiz, wie zuletzt im Schlieremer Stürmeierhuus. Die zentrale Frage seiner Lesung – «Sind zu viele Menschen das Problem?» – handelt von dem Versuch einiger Ökologen die Bevölkerungspolitik zu steuern und somit die Umweltbelastung zu verringern.

Und der Nationalrat geht mit dieser Ideologie hart ins Gericht. Er will nicht, dass die Schuld der Ressourcenausbeute beim Bevölkerungswachstum gesucht wird. Denn dieses Wachstum werde sich mit oder ohne Einwirken der Politiker weiter entwickeln. «Bevölkerungspolitik darf nicht grundsätzlich mit Ökologie vermischt werden», ist dabei sein Hauptargument.

Die zentrale Frage: Sind zu viele Menschen ein Problem?»

Die zentrale Frage: Sind zu viele Menschen ein Problem?»

Das Problem mit der Umweltbelastung müsse man anders angehen, nämlich mit mehr Nachhaltigkeit. «Es geht weltweit schon seit Jahrzehnten darum, dem Wirtschaftswachstum eine Grenze zu setzen», so Glättli. Es sei ihm ausserdem ein Dorn im Auge, dass sich die Ecopop-Initianten als Tabubrecher bezeichnen, wenn sie von Ressourcenausbeute und Bevölkerungsexplosion sprechen: «Die Metapher der Bevölkerungsexplosion gibt es schon lange und ich finde sie erschreckend», sagt er in emotionalem Ton zum Publikum.

Am Schluss der Veranstaltung durfte das Publikum mitdiskutieren und sich den grossen Fragen selbst stellen. Ein Besucher konfrontierte Glättli mit der Kritik, dass die Theorien ja gut seien, aber die Realität anders aussehe: «Ich habe lange Zeit im Ausland gelebt und so einfach ist das mit der Nachhaltigkeit nicht», sagt der Besucher. Glättli antwortete darauf, dass er ihm Recht gebe – entgegnete aber, dass solche Theorien trotzdem wichtig seien: «Wir dürfen nicht erst handeln, wenn es wehtut. Ich bin optimistisch, dass wir mit mehr Nachhaltigkeit eine globalisierte Form von Wohlstand erzielen können.»

Schliesslich habe das Problem der Ressourcenausbeute nicht natürliche Ursachen – wie etwa das Bevölkerungswachstum – sondern gesellschaftliche. Und deren Folgen könne man mit richtigen Ansätzen und Denkweisen korrigieren.