Urdorf
Das Bachschulhaus zeigt stets sein Sommergesicht

Das 178 Jahre alte Bachschulhaus präsentiert sich erstmals nach der Renovation und findet grossen Anklang. Im Haus ist unter anderem die Urdorfer Gemeindebibliothek untergebracht.

Franziska Schädel
Merken
Drucken
Teilen
Gemeinderat Roland Stämpfli (Mitte) freut sich über das neue Urdorfer Schmuckstück. OLYMPUS DIGITAL CAMERA Altes Bachschulhaus Urdorf
9 Bilder
Die grünen Fensterläden stehen für das Sommergesicht des altehrwürdigen Gebäudes. OLYMPUS DIGITAL CAMERA Altes Bachschulhaus Urdorf
Der lichtdurchflutete Dachstock beeindruckt durch Höhe wie Helligkeit. OLYMPUS DIGITAL CAMERA Altes Bachschulhaus Urdorf
In der Bibliothek blieb die Kinderecke erhalten. OLYMPUS DIGITAL CAMERA Altes Bachschulhaus Urdorf
Die Rampe sorgt für einen behindertengerechten Zugang. OLYMPUS DIGITAL CAMERA Altes Bachschulhaus Urdorf
Die alten Säulen konnten erhalten werden. OLYMPUS DIGITAL CAMERA Altes Bachschulhaus Urdorf
Altes Bachschulhaus Urdorf
Ein Foto aus vergangenen Schulzeiten. Seit 1986 wird in dem Gebäude nicht mehr unterrichtet. Altes Bachschulhaus Urdorf
Auch dieses Foto ist ein Zeugnis vergangener Zeiten. Altes Bachschulhaus Urdorf

Gemeinderat Roland Stämpfli (Mitte) freut sich über das neue Urdorfer Schmuckstück. OLYMPUS DIGITAL CAMERA Altes Bachschulhaus Urdorf

Das alte Bachschulhaus in Urdorf erstrahlt in neuem Glanz, und allenthalben sind anlässlich der Eröffnungsfeier am Samstag nur lobende Worte zu hören. Ein Schmuckstück sei’s geworden, und hier bekomme man einmal etwas für die Steuergelder. Auf dem Rundgang erzählen die Architekten Günter Schröder und René Stamm des Urdorfer Architekturbüros Meyer, welches die Herausforderungen bei der Renovation des altehrwürdigen Hauses waren.

Das Gebäude sei mit seinen grünen Fensterläden, so Schröder, ein klassischer Zweiflügelbau. Landauf, landab wurden im Kanton Zürich vor 180 Jahren Schulhäuser in diesem Stil gebaut. «Die Gebäude hatten jeweils ein Sommergesicht, mit Fensterläden, und ein Wintergesicht, mit Vorfenstern. Wir haben uns bei der Renovation für das Sommergesicht entschieden und zudem versucht, alles, was für jene Zeit typisch war, zu erhalten.

Das Gebäude sollte in seiner Typologie erkennbar bleiben.» Dabei hatte der Heimatschutz ein gewichtiges Wort mitzureden, und auch feuerpolizeiliche Vorschriften galt es bei der Sanierung einzuhalten. So konnten beispielsweise dank einem modernen Beschichtungsverfahren die 16 Säulen im Gebäude, die den Räumen ein eigenes Gepräge geben, in ihrer ursprünglichen Form erhalten werden. «Sie widerstehen einem Brand während 60 Minuten – eine der feuerpolizeilichen Vorschriften», erklärt der Architekt.

In Fronarbeit und ohne Architekten gebaut

Gemäss der Dorfchronik wurde der Bau des Bachschulhauses 1838 ohne Architekt unter Leitung eines Schlieremer Zimmermeisters und zum Grossteil in Fronarbeit von den Bürgern erledigt. Der Pfarrer präsidierte die Baukommission. 1870 wurde das Bachschulhaus erweitert. 1986, also 148 Jahre nach dem ersten Bau, war die Schule aus, das Haus wurde nach einer Sanierung als neuer Standort für die Gemeindebibliothek etabliert. Zudem stehen verschiedene Räume der Öffentlichkeit zur Verfügung und werden zum Beispiel von Vereinen genutzt. «Bisher wurde das Bachschulhaus jährlich rund 15-mal belegt. Aktuell und im Zusammenhang mit der Sanierung des Bachschulhauses besteht eine grosse Nachfrage. So ist zu erwarten, dass die Belegung künftig höher sein wird», sagt Patrick Müller, Leiter Stab der Gemeinde. Von September 2015 bis diesen Oktober dauerte die neuerliche Sanierung für 1,6 Millionen Franken, die die Gemeindeversammlung im November 2014 bewilligte. Die Kosten bewegen sich laut Gemeinde im Kreditrahmen, die Bauabrechnung soll im Juni 2017 der Gemeindeversammlung vorgelegt werden.

Weiter wurden neue Fluchtwege und getrennte Eingangstüren für die Bibliothek im Erdgeschoss und die Sitzungsräumlichkeiten in den oberen Etagen eingebaut. Eine Hebebühne im Gebäude und eine Rampe vor dem Eingang ermöglichen den behindertengerechten Zugang.

Die Freude über den neuen, hellen Arbeitsplatz ist Karin Korn, Leiterin der Gemeindebibliothek, anzusehen. Besonders gefreut hat sie, dass das Bibliotheksteam bei der Planung des Umbaus mitreden durfte: «Es wurde nicht über unseren Kopf hinweg entschieden.» Bereits in Beschlag genommen wird die Kinderecke von eifrigen kleinen Leseratten. Renata Schneiter hat Spiele und Bücher für ihre Grosskinder ausgesucht. «Ich bin ganz überwältigt. Wirklich schön ist es jetzt, so freundlich und hell.

Man freut sich richtig, herzukommen», sagt sie. Auch Heini Hedinger gefällt der Umbau. Für ihn ist der Ort Erinnerung an seine Schulzeit. «Hier war mein Klassenzimmer. Ich ging gerne zur Schule und war ein guter Schüler. Trotzdem habe ich einmal vom Lehrer «Tatzen» mit dem Lineal bekommen. So war das damals», schmunzelt er.

Gemeinderat Roland Stämpfli ist stolz auf das Werk, das er während zweier Jahre intensiv begleitet hat. Ein wahres Schmuckstück sei das Haus heute wieder, und dies trotz der knappen Finanzen. «Es passt perfekt ins Dorfbild und wird ein Treffpunkt sein für Jung und Alt.» Er selber werde wohl auch bald in der Kinderabteilung der Bibliothek anzutreffen sein. Stolz verrät er: «Vor einer Woche bin ich Grossvater geworden.»