Das Alterszentrum am Bach ist nicht nur das Zuhause vieler Senioren, sondern seit neuestem auch eine Oase für Feinschmecker. Verantwortlich dafür sind Sandra Berchtold, Leiterin Hotellerie, und Marcel Graf, Leiter Gastronomie.

Im Alltag arbeiten Berchtold und Graf im Bistrobetrieb sehr eng zusammen. Dabei entstand eine Idee, die zu einem durchschlagenden Erfolg werden könnte: Einmal im Monat finden im Alterszentrum Gala-Dinners statt. Für rund hundert Franken können angemeldete Gäste ein Vier- oder Fünf-Gang-Menü aus Grafs Küche geniessen. Für die Hälfte gibt es ein Drei-Gang-Menü. Graf, der vor seinem Wechsel in die gastronomische Leitung des Alterszentrums im damals mit 16 «Gault Millau»-Punkten bewerteten Hotel Widder in Zürich arbeitete, ist es sich gewohnt, auf hohem Niveau zu kochen.

Zweimal - im November und im Dezember - hat dieser Gourmet-Abend bereits stattgefunden. Das Echo sei überwältigend gewesen, sagt Berchtold: «Wir hatten beide Male rund 25 Gäste. Einige haben sich bereits für den Anlass im Januar angemeldet.» Maximal könnten sie etwa 40 Personen so bewirten. Daneben könne das Bistro auch für Firmenanlässe gebucht werden. «Dieses Angebot müssen wir aber auf einzelne Abende im Monat beschränken», sagt Graf. Eigentlich sei das Personal ja nicht für diese Anlässe angestellt. «Dass es trotzdem funktioniert, zeigt, wie viel Flexibilität und Einsatz unsere Mitarbeiter an den Tag legen.»

Begegnungsort für Jung und Alt

Das Bistro im Erdgeschoss des Alterszentrums sollte von Anfang an zu einem Begegnungsort für die Bewohner und die Dorfbevölkerung werden. Die Erwartungen der Zentrumsleitung wurden bereits erreicht: «Unser Ziel war es, im Bistro 20 bis 30 externe Gäste pro Mittag bewirten zu können. Dieses Ziel haben wir jetzt schon erfüllt», sagt Berchtold, die neben dem Bistro auch die Wäscherei, die Reinigung, den Speisesaal für die Bewohner und die Hauswartung im Alterszentrum koordiniert. Bisher habe man kaum Werbung gemacht - hinter dem Erfolg stehe in erster Linie Mundpropaganda.

Dass sich das Bistro bei der Bevölkerung bereits jetzt grosser Beliebtheit erfreut, hängt auch mit der Küche und dem Service zusammen. «Ich achte sehr darauf, dass wir eine saisonale, regionale und nicht alltägliche Küche anbieten», sagt Graf. Kantinen-Essen zu produzieren interessiere ihn nicht. Trotz dieser hohen Ansprüche kostet das Menü auch für externe Gäste durchschnittlich nur 18 Franken. «Bis jetzt bieten wir vier Menüs an, ab Januar gibt es auch eine kleine À-la-carte-Karte», sagt er.

Kommt es denn tatsächlich zum Kontakt zwischen den Bewohnern und den externen Gästen, zumal die Senioren in einem eigenen Speisesaal untergebracht sind? «Ja, die Durchmischung funktioniert gut. Unsere Bewohner können sich auch in das Bistro zu den anderen Gästen setzen», so Berchtold.

Keine Konkurrenz für Wirte

Trotz des guten Rufs der Küche sehen sich Graf und Berchtold nicht als Konkurrenz für die anderen Wirte im Dorf. «Unsere wichtigsten Gäste bleiben die Bewohner des Alterszentrums», sagt Graf. Diese zu bewirten, bedürfe keiner grossen Umstellung gegenüber seiner früheren Arbeitsstätte. «Worauf man besonders achten muss, sind Allergien und Diäten. Aber wir bekommen für jeden Bewohner eine Karte mit den Hinweisen, worauf wir achten müssen.»

Die grösste Herausforderung in seinem Arbeitsalltag sei, die letzten Bauabschluss-Wehen zu verdauen, sagt Graf. «Die letzten Bauabschlussarbeiten behindern uns derzeit noch gelegentlich. Einmal war die Küche ohne Strom, also kochten wir in der Wohnküche der Zentrumsbewohner.» Auch das habe gut funktioniert, weil seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viel Engagement an den Tag gelegt hätten. «Ich bin sehr stolz auf mein Team», sagt Graf. Stolz ist auch Berchtold; ihre Mitarbeiterinnen und der Hauswart würden sich sehr engagiert zeigen und mitdenken.

Obwohl sie seit 15 Jahren im Hotellerie-Bereich in Alters- und Pflegeheimen arbeitet, lernt Berchtold bei ihrer Arbeit täglich dazu: «Die Restaurationsbetriebe in den anderen Heimen waren zwar immer öffentlich, aber ich habe noch nie einen solchen Zulauf erlebt, wie hier.» Die beiden sind sich einig: Die Anstellung im Alterszentrum haben sie auch deshalb angetreten, weil sie die Herausforderung suchen: «Wir beide wollen hier etwas erreichen», sagt Berchtold.