Dietikon
Das Alte Bauamt wird zum Kindergarten - 2022 soll er bezogen werden

Der Dietiker Stadtrat beantragt einen Kredit von rund vier Millionen Franken für die Sanierung und den Umbau des Alten Bauamts

Sandro Zimmerli
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Derzeit ist noch das Studio Dietikon im Alten Bauamt untergebracht.

Derzeit ist noch das Studio Dietikon im Alten Bauamt untergebracht.

Alex Spichale

Das Alte Bauamt im Dietiker Kronenareal hat seit seiner Erstellung im 18. Jahrhundert schon so einiges erlebt. Nun soll seiner Geschichte ein weiteres Kapitel hinzugefügt werden. Der Stadtrat beantragt dem Gemeinderat die Genehmigung eines Ausführungskredit in der Höhe von rund 4,06 Millionen Franken für die Sanierung und den Umbau sowie den Übertrag der Liegenschaft an der Unteren Reppischstrasse 14 vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen. Wie aus dem Antrag hervorgeht, soll das Geschäft in der Gemeinderatssitzung vom 5. September behandelt werden. Damit könnte die Vorlage auf den Abstimmungstermin vom 29. November dem Volk unterbreitet werden.

Entstehen sollen im Gebäude, das sich im kommunalen Inventar der schützenswerten Bauten befindet und in einem prekären Zustand ist, ein Kindergarten im Erdgeschoss sowie je eine Wohnung im Obergeschoss beziehungsweise im Dachgeschoss. Allerdings ist angedacht, das Projekt wegen der heute noch ungeklärten Gewässerraumausscheidung zur Reppisch in zwei Etappen auszuführen. Laut Stadtrat wird in der ersten Etappe das bestehende Gebäude saniert und neu organisiert. Auf den im Projekt des Büros Stehrenberger Architektur aus Zürich vorgesehen Anbau wird noch verzichtet. Der Gruppenraum zum Kindergarten findet in der künftigen Wohnung im ersten Obergeschoss Platz. «Erst in der zweiten Etappe, nach gesicherter Gewässerraumausscheidung, soll die Raumorganisation gemäss dem Wettbewerbsprojekt umgesetzt werden», schreibt der Stadtrat.

Eine 2.5- und eine 3.5-Zimmerwohnung

Dieses sieht vor, dass sich nach der Vollendung der zweiten Etappe im Obergeschoss eine rund 80 Quadratmeter grosse 3.5-Zimmerwohnung befinden wird. Das Dachgeschoss wird zu einer etwa 60 Quadratmeter grossen 2.5-Zimmerwohnung umgebaut. Beide erhalten mit dem Anbau eine je rund 36 Quadratmeter grosse Veranda in Richtung Reppisch. Für die 2.5-Zimmerwohnung ist eine Miete um 1550 Franken und für die 3. 5-Zimmerwohnung eine um 1950 Franken vorgesehen. Das entspricht jährlichen Mieteinnahmen von 42'000 Franken.

Erschlossen werden die Wohnungen über einen separaten Hauseingang vom öffentlichen Vorplatz her. Gemäss Projekt bleibt die Raumstruktur des Ober- und Dachgeschosses als Grundgerüst bestehen. «Im Bereich von Küche und Wohnen wird sie zugunsten einer grosszügigen Wohnform etwas aufgebrochen. Die Küche ist so angeordnet, dass sie zur Schaltstelle zwischen dem Wohnraum und der künftigen Veranda wird», heisst es im Antrag. Wegen ihres schlechten Zustands müssen allerdings sämtliche Wände neu erstellt werden. Einzige Ausnahme ist das Frontzimmer unter dem Giebel zur Strasse hin.

Anders als bei den Wohnungen ist der Zugang zum Kindergarten konzipiert. Er wird über den Garten erschlossen. Dort führt eine behindertengerechte Rampe zum gedeckten Vorplatz und zum Eingang im Hochparterre. Der Empfangsraum dient als Garderobe und Hauptzugang zum Schulzimmer. «Letzteres wird in verschiedene Zonen unterteilt: Versammlung im Kreis, Arbeitstische und verschiedene Bereiche für das kleine und grosse Rollenspiel», schreibt der Stadtrat. Der Gruppenraum befindet sich in der ersten Etappe im ersten Obergeschoss. Ein WC für das Lehrpersonal wird im bestehenden kleinen Latrinenanbau angeboten. Im Erdgeschoss befindet sich ein behindertengerechtes WC für Knaben und Mädchen.

Verschiedene Spielmöglichkeiten im Garten geplant

Der Aussenraum zum Kindergarten soll gemäss den Verantwortlichen «möglichst gut genutzt werden können, aber auch viel Atmosphäre verströmen». Vorgesehen sind unter anderem ein mit einem Sonnenschutz überspannter Platz sowie eine Sitzbank. Weiter sind ein Sandkasten, eine Wasserstelle mit Wasserhahn sowie einfache Spiel- beziehungsweise Balancierbalken aus Holz vorgesehen. «Die Bepflanzung bietet Schutz zur Strasse und macht den Ort zum vielfältigen Garten, eine kleine Wiese mit Baum rundet das Bild ab. Flussseitig soll es schlichte Spielmöglichkeiten geben», hält der Stadtrat weiter fest.

Der Zeitplan sieht vor, dass der Kindergarten sowie die Wohnung im Dachgeschoss auf den Sommer 2022 hin in Betrieb genommen werden können. Der Stadtrat erhofft sich ab dann tagsüber eine weitere Belebung des Kronenquartiers. Zudem deckt der Kindergarten den wegen der steigenden Schülerzahlen erwarteten zusätzlichen Bedarf an Schulraum im Dietiker Zentrum.

Als Gemeindehaus erbaut, wurde das Gebäude vielfältig genutzt

Das als Altes Bauamt bekannte Gebäude an der Unteren Reppischstrasse 14 in Dietikon blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Es ist eines der ältesten Gebäude auf dem Kronenareal und befindet sich im kommunalen Inventar der schützenswerten Bauten. Erbaut wurde es im 18. Jahrhundert. Im Jahr 1777 gab der Wettinger Abt den Dietiker Dorfgenossen sein Einverständnis, an der Reppisch ein Gemeindehaus zu errichten. Allerdings dürfte das Gebäude in den ersten Jahren seines Bestehens eher als Versammlungsort denn als eigentliche Gemeindekanzlei genutzt worden sein.

Schon früh diente die Liegenschaft auch als Schulhaus. So nutzte die reformierte Schule – in Dietikon gab es den nachreformatorischen Verhältnissen entsprechend eine katholische und reformierte Primarschule –, das Gebäude ab den Jahren 1834/1835 bis zum Bau des Zentralschulhauses um das Jahr 1909 für den Unterricht. Auch die damals noch existierende Sekundarschule Dietikon-Urdorf fand vorübergehend eine neue Heimat an der unteren Reppischstrasse 14, ehe das Gebäude von der Gemeinde als Gemeindehaus genutzt wurde. In den neuen Gemeindebüros arbeiteten fortan mit dem Gemeindeschreiber und dem Gemeindekassier zwei vollamtliche Beamte sowie zeitweise Hilfspersonal.

Allerdings war es da noch nicht möglich, auf der Verwaltung zu telefonieren. Telefongespräche musste man noch bis im Herbst 1913 in der benachbarten Taverne zur Krone führen. Die Erweiterung des Zentralschulhauses 1932 hatte dann zur Folge, dass nun auch die inzwischen an der Bremgartenstrasse 20, der heutigen Stadtbibliothek, untergebrachte Sekundarschule dort einziehen konnte. Sie machte nun der Gemeindeverwaltung Platz.

Das Gebäude an der Unteren Reppischstrasse 14 diente nun dem Bezirks-Jugendsekretariat und schliesslich dem Bau- und Vermessungsamt als Büro. Danach ging das Haus in Privatbesitz über und wurde ab 1972 an von der Associazioni Christiane Lavoratori Intemazionali, einer in Italien entstandenen Vereinigung von christlichen Arbeitern, als Treffpunkt genutzt. Vor einigen Jahren gelangte das Gebäude wieder in den Besitz der Stadt. Nachdem es lange leer stand ist nun das Studio Dietikon dort untergebracht.