In der Schweiz ist er geboren, aufgewachsen und kriminell geworden: der Nigerianer, dessen Ausweisung das Bundesgericht nun bestätigt hat. Am Dienstag hat es den Entscheid vom 20. Juli publiziert.

Seine Eltern kamen 1987 ins Land, wo er 1988 geboren wurde. 14 Jahre später lernte ihn die Justiz kennen: Zwischen 2002 und 2007 erhielt er fünf jugendanwaltschaftliche Erziehungsverfügungen. Kaum volljährig, sprach ihn dann das Bezirksstatthalteramt in Liestal am 12. Dezember 2008 schuldig, wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln. Busse: 500 Franken. Kann passieren. Doch dann kam es richtig dick.

Sexuelle Nötigung, mehrfache Urkundenfälschung, mehrfache falsche Anschuldigung, geringfügiger Diebstahl und Übertretung des Transportgesetzes: Dafür verurteilte ihn das Bezirksgericht Dietikon am 26. Januar 2009 zu 13 Monaten Haft bedingt und 500 Franken Busse.

Vom Bezirksgericht Zürich wurde er drei Monate später, am 29. April 2009, wegen einfacher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Tätlichkeit und Drohung als Zusatzstrafe zu fünf Monaten bedingt und weiteren 500 Franken Busse verurteilt.

Der Mann erwies sich als unbelehrbar. Am 12. Mai 2012, kaum war die dreijährige Bewährungsfrist abgelaufen, versuchte er sich in schwerer Körperverletzung: Mit einem Klappmesser stach er mehrmals in den Oberkörper eines Mannes. «Es ist dem Zufall beziehungsweise dem Eingreifen eines Dritten zuzuschreiben, dass keine schweren Verletzungen eintraten», heisst es im neusten Bundesgerichtsurteil.

Nach dem Klappmesser-Angriff war es vorbei mit bedingten Strafen. Das Bezirksgericht Zürich verurteilte ihn am 24. Juni 2013 zu vier Jahren Gefängnis. Der Nigerianer wehrte sich zwar, doch das Obergericht am 20. Februar 2014 und das Bundesgericht am 14. Oktober 2014 bestätigten das Bezirksgerichtsurteil. Aufgrund der Strafverfahren in Zürich und jenem in Dietikon schuldet der gelernte Logistiker dem Kanton total 76'872 Franken.

Migrationsamt hatte ihn gewarnt

Bereits am 9. Juli 2009 hatte ihn das Zürcher Migrationsamt verwarnt. Entsprechend widerrief es am 17. Juni 2015 die Niederlassungsbewilligung (Ausweis C) und ordnete an, dass er das Land nach der Haftentlassung sofort zu verlassen hat. Dagegen wehrte er sich. Aber erfolglos: Am 1. Februar 2016 bestätigte die Zürcher Sicherheitsdirektion den Entscheid des Migrationsamtes. Am 1. Juni 2016 kam auch das Zürcher Verwaltungsgericht zum gleichen Urteil. Nachdem das Bundesgericht seiner Beschwerde am 12. Juli 2016 aufschiebende Wirkung gewährte, hat es nun mit seinem vierseitigen Urteil die Ausweisung bestätigt. Das ist nunmehr der 15. Entscheid in dieser Aufzählung.

Der Entzug der Niederlassungsbewilligung treffe den Secondo – er war noch nie in Nigeria – zweifellos hart, hält das Bundesgericht fest. In seinen Erwägungen kommt es aber zum Schluss, dass er es in der Hand habe, in seiner Heimat eine neue Existenz aufzubauen, auch wenn dies mit einiger Anstrengung verbunden sei. Zudem würden seine privaten Interessen die Schweizer Sicherheitsinteressen nicht überwiegen. Seine berufliche Integration – der Lehrbetrieb und der spätere Arbeitgeber waren mit ihm «sehr unzufrieden» – und seine soziale Integration waren zudem nicht erfolgreich, fand schon das Verwaltungsgericht.
Dennoch hatten in einer Unterschriftensammlung 180 Personen einen Verbleib des Messerstechers im Land befürwortet.