Abstimmung
Darum war keine Gemeinde rechts der Limmat für die Limmattalbahn

Es ist klar: Ab dem Jahr 2022 wird die Limmattalbahn den Bahnhof Altstetten mit demjenigen in Killwangen verbinden. Die Abstimmung hat gezeigt: Keine Gemeinde rechts der Limmat war für die Bahn - trotz grossem Engagement der Präsidenten.

Alex Rudolf
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Die Nein-Stimmen der Gemeinden im Bezirk Dietikon

Die Nein-Stimmen der Gemeinden im Bezirk Dietikon

Nordwestschweiz

Befürwortern und Gegnern dürfte das Abstimmungsresultat zur Limmattalbahn vom vergangenen Sonntag noch in den Knochen stecken. Die Befürworter freuen sich über die hohe Zustimmung von 64,5 Prozent im Kanton, während die Enttäuschung über den Anteil Nein-Stimmen von 54,1 Prozent im Bezirk Dietikon gross sein dürfte.

In einer umgekehrten Gefühlslage sind wohl die Gegner des Jahrhundertprojekts. Trotzdem: Ab 2022 wird die Strassenbahn den Bahnhof Altstetten mit demjenigen in Killwangen verbinden.

In Anbetracht des Widerstands mag die teils hohe Ablehnung in den Standortgemeinden wie Dietikon (64 Prozent Nein-Stimmen) und Schlieren (57 Prozent Nein-Stimmen) nicht zu überraschen. Die Ablehnung der Gemeinden rechts der Limmat weniger war indes weniger zu erwarten.

Zumal die Gemeindepräsidenten von Oetwil (55 Prozent Nein-Stimmen), Geroldswil (57 Prozent Nein-Stimmen), Weiningen (59 Prozent Nein-Stimmen), Unterengstringen (55 Prozent Nein-Stimmen) und Oberengstringen (50,2 Prozent Nein-Stimmen) wenige Wochen vor der Abstimmung gemeinsam an die Öffentlichkeit gingen, um für die Bahn zu weibeln.

Rühren der Werbetrommel heikel

Für den Oberengstringer Gemeindepräsident André Bender (SVP) steht fest, dass den Stimmberechtigten in seiner Gemeinde die Vorteile wohl nicht deutlich genug waren. «Die vielen Aufwertungsmassnahmen am Strassennetz rund um die Limmattalbahn, wie etwa der Ausbau der Engstringer-Kreuzung, wurden zu wenig thematisiert», sagt er. Dass er und seine Amtskollegen der anderen Gemeinden zu wenig dafür gemacht haben, diese Vorteile bekanntzumachen, findet er nicht.

«Bei Abstimmungen ist es für Behörden immer heikel, die Werbetrommel zu rühren», so Bender. Schnell würde der Vorwurf gegnerischer Komitees in Bezug auf Wahlfälschung oder Verschleuderung von Steuergeldern kommen.

Der Unterengstringer Gemeindepräsident René Rey (FDP) war überrascht vom Nein zur Limmattalbahn aus seinem Dorf. «Von links der Limmat war dies erwartbar, doch habe ich hier im Vorfeld nur wenig Kritik vernommen», sagt er. Über die Gründe für das Abstimmungsverhalten lasse sich nur spekulieren.

«Eine Möglichkeit ist, dass die Stimmberechtigten Angst vor Steuererhöhungen aufgrund der Kosten hatten», so Rey. Auch seien die Gegner (Christian Meier, Präsident des Komitees «Masslose Limmattalbahn – Nein», wohnt in Unterengstringen) sowohl auf der Strasse als auch in den Kommentarspalten viel präsenter gewesen als die Befürworter.

Der Geroldswiler Bevölkerung sei der konkrete Nutzen der Bahn für die Bevölkerung rechts der Limmat wohl nicht genügend vermittelt worden, sagt Gemeindepräsident Michael Deplazes (parteilos). Auch sei das Paket Limmattalbahn mit seinen verschiedenen Massnahmen wohl zu wenig durchsichtig gewesen. Insbesondere über die 136 Millionen des 646-Millionen-Kredits, die ins Strassennetz investiert werden sollen, sei nur wenig gesprochen worden. «Ob das Abstimmungsresultat jedoch anders ausgesehen hätte, wären diese Investitionen im Fokus gestanden, wage ich zu bezweifeln.»

Ein Abstimmungskampf habe rechts der Limmat gar nicht erst stattgefunden, sagt der Oetwiler Gemeindepräsident Paul Studer (FDP). Nebst dem hätten die Oetwiler in der Regel ein Auto und seien nicht vom öffentlichen Verkehr abhängig. «Ein Argument, das ich oft hörte, war, dass man viel eher unser Busnetz ausbauen solle», so Studer. Dass dies im Rahmen der Limmattalbahn auch geschehen soll, hätten viele Stimmberechtigte nicht gewusst.

Kritik an Kosten im Trend

Auch in Weiningen hat es nur wenig Werbung für das Projekt gehabt, wie Gemeindepräsident Hanspeter Haug (SVP) sagt. «Zudem denke ich, dass diese Flut von Leserbriefen in der Zeitung ihre Wirkung sicherlich auch bei den Weininger Stimmberechtigten nicht verfehlt hat», sagt er weiter.

Dass bei einem Verkehrskollaps in Dietikon auch seine Gemeinde vom Ausweichverkehr überflutet würde, sei womöglich zu wenig klar kommuniziert worden. «Zudem liegt es derzeit im Trend, sich über hohe Ausgaben und die zunehmende Verstädterung zu beschweren», fügt Haug an. Nichtsdestotrotz sei er mit dem Abstimmungsergebnis zufrieden. Mit der Zeit werde die Limmattalbahn bei der Bevölkerung sicherlich an Akzeptanz gewinnen.