Dietikon

Darum war es für Jörg Dätwyler «das beste Jahr, das man erwischen kann»

Jörg Dätwyler lebt gerne in Dietikon. Sein anhaltendes Engagement in der Gemeindepolitik speist sich aus dieser Zuneigung.

Jörg Dätwyler lebt gerne in Dietikon. Sein anhaltendes Engagement in der Gemeindepolitik speist sich aus dieser Zuneigung.

Zwölf Monate als Gemeinderatspräsident liegen hinter Jörg Dätwyler. Auf der konstituierenden Parlamentssitzung heute Abend macht er Platz für seinen Nachfolger.

Heute Abend wird der Dietiker Parlamentspräsident Jörg Dätwyler (SVP) sein Amt an den bisherigen ersten Vizepräsidenten Martin Romer (FDP) übergeben. Zeit also für Dätwyler, auf das letzte Jahr zurückzublicken. Zum Gespräch kommt er aufgeräumt und fröhlich. Bei jeder Antwort merkt man, wie sehr dieser Mann sich für Gemeindepolitik begeistert.

Werden Sie Ihre Parlamentskollegen heute Abend mit einer langen Abschiedsrede quälen?

Jörg Dätwyler: Nein gar nicht. Ich werde meine Rede eher kurz halten. Schliesslich soll der neue Präsident im Mittelpunkt stehen.

Können Sie sich an Ihre Antrittsrede vor einem Jahr erinnern? Würden Sie heute etwas anderes sagen?

Ich habe unter anderem – so quasi durch die Blume – die Ratsmitglieder ermuntert, in Sachen Limmattalbahn weiter zu kämpfen. Ich würde das heute genauso sagen.

Woran erinnern Sie sich in Ihrer Amtszeit besonders gern? Gab es persönliche Highlights?

Sogar einige. Als Rolf Steiner Kantonsratspräsident wurde, hat es mehrere schöne Anlässe gegeben. Daran teilzunehmen war eine grosse Ehre für mich. Einmal war ich auf dem Parlamentsdienst des Kantons Zürich im Haus zum Rechberg eingeladen, dem Sitz des Kantonsratspräsidenten. Speziell war auch der Besuch des Kantonsrats in Dietikon im September. Es war schön, dass sich der Dietiker Gemeinderat zeigen konnte.

Und sonst?

An die 125-Jahr-Jubiläumsfeierlichkeiten der Stadtmusik erinnere ich mich besonders gerne und an das 40-Jahr-Jubiläum der Reppischfäger. Da ich im Luzernischen aufgewachsen bin, bin ich ja vom Ursprung her Fasnächtler. Man kann wirklich sagen, dass ich das beste Jahr hatte, das man erwischen kann.

Die präsidiale Arbeit hat wahrscheinlich weniger Spass gemacht.

Im Gegenteil, ich habe sie sehr gern gemacht und auch gerne die Verantwortung übernommen.

Hatten Sie zu Beginn Respekt vor dem Amt?

Ja, schon, aber durch die beiden Jahre Vizepräsidentschaft wächst man hinein. Es hat mich nichts überrascht, alles ist so eingetreten, wie ich es erwartet habe.

Wie ist die Abstimmung im Präsidium gelaufen?

Sehr gut. Besonders wichtig war für mich aber auch die Zusammenarbeit mit dem Ratsschreiber Uwe Krzesinski. Man hat ihn immer als Stütze im Hintergrund. Er ist ein guter Mann. Es ist beruhigend, zu wissen, dass man sich auf ihn verlassen kann. Schliesslich gibt es ja bei den Sitzungen immer auch eine rechtliche Seite.

Und was ist schiefgelaufen während Ihrer Präsidentschaft?

Es gab nichts, weswegen ich schlaflose Nächte gehabt hätte.

Sind Sie froh, dass eine zeitliche Belastung wegfällt?

Der Aufwand hat sich eigentlich in Grenzen gehalten. Das Pensum für die Rechnungsprüfungskommission, deren Präsident ich bin, ist deutlich höher. Bei anderen Parlamentspräsidenten war das vielleicht anders, weil sie auf einmal viele Anlässe besuchen mussten. Aber für mich hat sich nichts geändert, ich gehe ja eh auf alle. (lacht)

Haben Sie als Präsident etwas für Ihre künftige Arbeit in der Gemeindepolitik gelernt?

Die wichtigste Erkenntnis ist, dass wir Gemeinderäte mehr Kontakt zum Stadtrat und zur Verwaltung halten sollten. Vieles liesse sich bilateral lösen. Man muss nicht immer gleich einen Vorstoss machen. Schliesslich gibt das immer viel Arbeit in der Verwaltung. Man kann auch einiges selber herausfinden. Das spart obendrein noch Geld.

Hatten Sie ein Motto?

Keines, das ich kommuniziert hätte. Aber selbstverständlich war mir parteipolitische Neutralität wichtig.

Wurde dieser Neutralitätsvorsatz je auf die Probe gestellt?

Einige Male. Bei der letzten Doppelsitzung im Dezember gab es zum Beispiel solch einen Fall. Als um 21.50 Uhr, also kurz vor dem offiziellen Sitzungsende, das Geschäft von Manuel Peer von der SP zur USR III anstand, war ich in der Zwickmühle. Schliesse ich die Sitzung, wird das Geschäft unmittelbar vor der Abstimmung behandelt, was Einfluss auf das Ergebnis haben könnte. Schliesse ich sie nicht, beschweren sich die anderen, weil wir normalerweise nicht in die Verlängerung gehen. Ich habe mich letztlich zur Schliessung entschlossen. Dennoch war ich froh, dass Martin Müller von der DP einen Ordnungsantrag zur Behandlung des Geschäfts stellte. Diesen lehnte das Plenum schliesslich ab.

Warum engagieren Sie sich überhaupt in der Gemeindepolitik?

Ich möchte mich einsetzen für den Ort, in dem ich wohne und in dem ich viele Leute kenne. Ich bin einer von denen, die Dietikon als Dorf ansehen, und ich lebe gern in Dietikon.

Werden Sie Ihre Aufgaben als Präsident vermissen?

Die enge Zusammenarbeit mit Uwe (Anm. d. Red. Krzesinski) hat mich sehr beeindruckt. Ich werde sie sicher vermissen. Aber wir werden bestimmt ab und zu Gelegenheit bekommen, um zusammen ein Gläschen Wein zu trinken.

Es ist üblich, dass der scheidende Präsident seinem Nachfolger bei der Konstituierungsfeier ein Geschenk überreicht und umgekehrt. Kann sich Martin Romer freuen?

Natürlich kann ich jetzt noch nichts verraten, aber ich glaube schon, dass ihm mein Präsent gefallen wird. Ich schenke ihm etwas, das im dabei hilft, alle seine Ämter unter einen Hut zu bringen.

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