Standortförderung
Darum sind die Limmattaler Weine noch ein Geheimtipp

An der Generalversammlung des Vereins Standortförderung Limmattal in Weiningen gab es neben den Statutsgeschäften auch verblüffende Informationen rund um den Weinbau.

Gabriele Heigl
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Vom diesem Weingut in Weiningen hat man das ganze Limmattal im Blickfeld.

Vom diesem Weingut in Weiningen hat man das ganze Limmattal im Blickfeld.

Es dauerte ein Weilchen, bis die etwa 60 anwesenden Mitglieder des Vereins Standortförderung Limmattal (SFL) die fünf verschiedenen Weininger Weinsorten verkosten konnten, die nach der Versammlung zum Apéro riche ausgeschenkt wurden. Die Geduldsprobe war umso härter zu ertragen, als sich bei gleich zwei Referaten zum Thema Wein die Vorfreude entsprechend entfalten konnte.

Zunächst gab der Weininger Rebbauer Werner Ehrsam einen Abriss der Geschichte des Weinbaus im Limmattal. Von den Anfängen der Kletterpflanze in der Gegend der heutigen Länder Iran und Irak über die römischen Legionäre, denen ein täglicher Liter des Rebensaftes zustand, bis zur Einschleppung der Reblaus aus Amerika. Auch wenn man eine weinbauerische Lösung zur Bekämpfung des Schädlings fand, wurde der Weinbau danach nie wieder so gross wie vor dem Auftauchen der Laus. Bereits 1950 wurden auch in Weiningen Rebtraktoren eingesetzt, die heute aus den Weinbergen nicht mehr wegzudenken sind. Und Ehrsam prognostizierte, dass es nicht mehr lange dauern werde, bis sich die ersten Vollernter über die Limmattaler Weinstöcke hermachten.

«Projekt Zukunft» soll Synergien nutzen

An der Generalversammlung des Vereins SFL am Mittwoch in Weiningen wurde der Vorstand mit dem Präsidenten Toni Brühlmann-Jecklin an der Spitze bestätigt und mit Jean-Fritz Weber, Gemeinderat aus Oberengstringen, ein weiteres Vorstandsmitglied hinzugewählt. Die Jahresrechnung 2016 bei einem Aufwand von 159 000 Franken und einem Ertrag von 125 000 Franken wurde einstimmig genehmigt. Der Verlust von 34 600 Franken wurde dem Eigenkapital zugewiesen.

2017 wird ein neues «Projekt Zukunft» auf den Weg gebracht. Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Dietiker Standortförderers Michael Seilersoll ein Konzept für die weitere Zukunft der Standortförderung Limmattal erarbeiten. Da verschiedene Organisationen in diesem Bereich aktiv sind, peilt die SFL vor allem die Nutzung von Synergien an. Dabei lässt sich der Verein von der Universität St. Gallen bei der Prozessberatung und Moderation unterstützen. (GAH)

Verblüffendes hatte auch Robin Haug, Geschäftsführer Branchenverband Deutschschweizer Wein und Weinbauer aus Weiningen, zu berichten. 1850 war mit über 5000 Hektar der Kanton Zürich das mit Abstand grösste Schweizer Weinanbaugebiet. Der Wein hatte einen hohen Stellenwert und wurde als Nahrungs- und nicht als Genussmittel angesehen; gehandelt wurde damit nicht. Das änderte sich in den Jahren von 1900 bis 1980. Handel und steigender Konsum erforderten eine höhere Produktion, die zulasten der Qualität ging. Das schlechte Image, das sich der Limmattaler Wein in dieser Zeit einfing, haftet ihm zum Teil immer noch an.

Heute setzen die Limmattaler Bauern auf stetige Qualitätssteigerung, besseres Marketing und den Anbau von Sorten, die die Kunden nachfragen. Die Weine haben im Ausland ein sehr gutes Image, so Haug. Im Inland gibt es unterschiedliche Bewertungen: von «chasch nöd suffe» bis «superguet», aber die Tendenz bewege sich eindeutig gegen gut.

Mit 30 Hektar sei Weiningen im Kanton Zürich mit insgesamt 650 Hektar Anbaufläche nur eine «Weininsel». Die 180 000 Flaschen, halb weiss, halb rot, machen somit nur etwa fünf Prozent der kantonalen Produktion aus. Allerdings ist Weiningen immer die erste Gemeinde im Kanton, die die Trauben erntet. «Daran erkennt man, wie die Weininger Hänge verwöhnt sind vom Klima, ausserdem ist das auch ein Qualitätsindikator», so Haug. Derzeit seien die Limmattaler Weine, die in der Region als Kulturgut angesehen werden, noch ein Geheimtipp. Daher müsse markttechnisch noch viel gemacht werden, damit die Weine regional besser und interregional überhaupt erst bekannt würden. Und er sieht Defizite in der Digitalisierung. «Da gibt es im Weinbau generell noch Nachholbedarf. Wer keine Internetseite und kein Facebook-Profil hat, existiert heutzutage nicht.»