Kunststoffsammlungen
Darum landet der Plastik im Limmattal noch im Feuer

Während die Basler Agglo die Pionierrolle übernimmt, warten hiesige Gemeinden mit Plastikrecycling zu. Je nachdem, wie der Allschwiler Bericht zur Kunststoffsammlung ausfällt, könnte er zu einem Umdenken im Limmattal führen.

David Egger
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Plastik-Sammelsäcke im Baselbiet.

Plastik-Sammelsäcke im Baselbiet.

zVg Gemeinde Allschwil

«Nicht sinnvoll»: So beurteilte die Gemeinde Unterengstringen jüngst den «Wildwuchs bei der Kunststoffsammlung». Mehrere Einwohner hatten sich erkundigt, warum die Gemeinde noch kein Sammelsack-System für alle Arten von Plastikabfällen aus Privathaushalten anbietet. Solche Säcke lassen sich beispielsweise bei der Firma Kibag in Bassersdorf kaufen – doch keine Limmattaler Gemeinde sammelt die Säcke ein. «Wir richten uns nach Empfehlungen der übergeordneten Stellen. Das heisst nicht, dass wir Kunststoffrecycling verteufeln», sagt Charlotte Kälin, Leiterin des Unterengstringer Gesundheitssekretariats.

Bund, Kantone und nationale Recyclingverbände raten vom Plastikrecycling ab. Denn die im Sack gesammelten Stoffe müssen erst sortiert werden. Am Schluss landet dann doch der Grossteil der Stoffe in der Verbrennung und nicht im Recycling – das schreibt der Verband Swiss Recycling. Doch nicht alle sehen es so: Die Gemeinde Allschwil im Kanton Basel-Landschaft hat im Februar eine Kunststoffsammlung eingeführt – entgegen allen Empfehlungen. «Wir spürten den öffentlichen Druck, beim Kunststoff-Recycling vorwärtszumachen. Die Einwohner wollen das», sagt der Allschwiler Umweltvorstand und Ingenieur Robert Vogt (FDP) auf Anfrage. Dasselbe gilt im Limmattal: «Das Thema Kunststoffrecycling ist ein Dauerbrenner in Schlieren und dem ganzen Limmattal», sagt André Thoma, Leiter des Schlieremer Werksekretariats. Im Moment sei aber nicht geplant, eine solche Sammlung einzuführen.

Plastik landet in Frankreich

In Allschwil sieht die Sammlung so aus: Die Entsorgungsfirma Lottner holt die Kunststoffsammelsäcke von den Strassenrändern ab. Von Hand sortieren die Mitarbeiter dann den Kunststoff am Hauptsitz der Firma in Basel. Die sortenreinen Kunststoffe fürs Recycling liefert die Lottner AG dann nach Frankreich, wo die Muttergesellschaft der Lottner AG, die Gruppe Paprec, das Recycling vornimmt. Stoffe, die sich nicht fürs Recycling eignen, gelangen als Brennstoff in Schweizer Zementwerke. Bis Ende August legt Allschwil einen ersten Zwischenbericht zum Kunststoffrecycling vor. Schon jetzt sagt Umweltvorstand Vogt: «Über 50 Prozent der gesammelten Kunststoffe werden effektiv recycelt.» Die Bevölkerung kaufe immer mehr Sammelsäcke. Denn dieser Entsorgungsweg ist lukrativ: Kehrichtgebührensäcke kosten in Allschwil wie im Limmattal 1,70 Franken, der Kunststoffsammelsack hingegen nur 72 Rappen. Die Preisdifferenz entspricht in etwa dem Geldbetrag, mit dem die Gemeinde das Plastikrecycling finanziell unterstützt. Solche Subventionierungen sind im Abfallwesen nicht unüblich: Um eine möglichst wirksame Biogasherstellung zu ermöglichen, holt zum Beispiel Schlieren Bioabfälle gratis ab.

Je nachdem, wie der Allschwiler Bericht ausfällt, könnte er zu einem Umdenken im Limmattal führen. «Wir denken nicht stur in eine Richtung. Schliesslich gibt es immer wieder neue Recycling-Technologien», sagt André Thoma. Und betont: «Neue Erkenntnisse müssen aber hieb- und stichfest sein.» Das sei nur dann der Fall, wenn bei der Recycling-Firma Stichproben gemacht werden, die zeigen, dass tatsächlich der ganze angelieferte Kunststoff recycelt wird. Zu oft sei nicht transparent, was mit den gesammelten Stoffen am Schluss passiert, heisst es auch beim Dietiker Kehrichtheizkraftwerk Limeco: «Es gibt noch zu wenig belegbare Fakten», sagt Geschäftsführer Patrik Feusi.

Doch trotz zu wenig Fakten schlägt sich die Limeco auf eine Seite der Debatte und rät vom Kunststoffrecycling ab. Warum? «Die entsprechenden Stellen des Kantons und des Bundes orientieren sich in erster Linie an der Umwelt, deshalb halte ich ihre Empfehlungen für glaubwürdiger als irgendwelche Studien aus der Privatwirtschaft», so Feusi. Wer den Abfall in private Hände gibt, laufe eher Gefahr, dass ökologische Anliegen der Gewinnmaximierung zum Opfer fallen. Die Ökobilanz, so Feusi, spiele beim Recycling eine wichtige Rolle. Denn sowohl mit Wärmeerzeugung durch Kehrichtverbrennung als auch mit Kunststoffrecycling lasse sich Erdöl sparen. Darum müsse man anhand der Ökobilanz entscheiden, was besser ist. Wie André Thoma sagt, würde Schlieren einen Pilotversuch nur in Absprache mit dem Kanton durchführen.