Oetwil
Darum kämpfen Anwohner der Haldenstrasse für das Fahrverbot

Mit Petition und Rekursen reagiert das Quartier auf eine neue Verkehrsanordnung.

David Egger
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Philipp Frei bringt die Befürworter dieses Fahrverbotsschilds zusammen.

Philipp Frei bringt die Befürworter dieses Fahrverbotsschilds zusammen.

DEG

Die Oetwiler Haldenstrasse ist ein besonderer Streifen Asphalt: Im Westen beginnt sie als Abzweigung der Rebackerstrasse ohne Fahrverbot und auch im Osten, wo sie auf Geroldswiler Boden als Buebenaustrasse beginnt, verwehrt kein Schild die Einfahrt.

Verboten ist die Zufahrt hingegen in der Mitte, von der Limmattalstrasse hinunter: Hier, auf dieser steilen und kurvigen Einfahrt ohne Trottoir oder Strassenbeleuchtung, sind nur Zubringer gestattet. «Das Fahrverbot ist sinnvoll. Hier gehen auch Schulkinder durch», sagt Philipp Frei, der schon lange hier wohnt.

Umso mehr staunte er, als er am 6. Januar die amtliche Publikation einer Verkehrsanordnung sah: Auf Wunsch des Gemeinderats hatte die Kantonspolizei die Aufhebung des Fahrverbots verfügt. Dabei hatte Frei mehr als einen Monat zuvor noch mehr Verbote gefordert.
«Dieses Vorgehen ist inakzeptabel. Wir sind kategorisch gegen diese Massnahme», schreibt Frei nun in einer Petition, die er heute Abend Gemeindepräsident Paul Studer (FDP) überreicht.

Das Fahrverbot ist 56 Jahre alt

Frei rannte offene Türen ein: «Überall, wo ich geklingelt habe, wurde die Petition unterzeichnet. Insgesamt 80-mal», sagt Frei. Er hat zudem bei der Zürcher Sicherheitsdirektion rekurriert. Weitere fünf Anwohner rekurrieren ebenfalls.

Um die Gründe des Widerstands zu verstehen, lohnt es sich, 56 Jahre zurückzublicken: Am 31. August 1960 hatte das kantonale Polizeikommando auf Antrag des Oetwiler Gemeinderats den Verkehr mit Motorfahrzeugen auf der Haldenstrasse verboten, wobei Zubringerdienst gestattet blieb. Das Schild dafür verfügte die Polizei nur bei der Einfahrt von der Limmattalstrasse in die Haldenstrasse. «Früher hatte es auch beim Beginn der Haldenstrasse von Geroldswil her ein Fahrverbotsschild», sagt Frei. Auch andere Anwohner erinnern sich daran.

Mit der Aufhebung des Fahrverbots befürchten Anwohner eine Wertminderung ihrer Immobilie. Das ist nicht die einzige Angst: Bereits mit einer Anfrage an die Gemeindeversammlung vom 22. November 2016 verschaffte Frei zudem der Sorge Ausdruck, dass beim Grossumbau der Limmattalstrasse die Haldenstrasse zur Ausweichroute wird. Das könnte zu einem Chaos führen, angesichts von Schwellen, Tempo 30 und dazu den Parkplätzen am Strassenrand.

In der Anfrage sprach Frei auch die verwirrliche Situation in Sachen Fahrverbot an. Sein Vorschlag: ein Fahrverbot auf allen drei Zufahrten. Der Gemeinderat antwortete damals, er werde sich erkundigen, ob für die Zeit des Limmattalstrassen-Umbaus ein temporäres Fahrverbot errichtet werden könnte. Einem dauerhaften Fahrverbot stimmte der Gemeinderat nicht zu.

Recht gab er Frei in Bezug darauf, dass die Signalisation bei der Haldenstrasse irritierend und unlogisch sei. «Der Gemeinderat erklärt sich dazu bereit, das bestehende Fahrverbot zu entfernen, womit die vorgenannte Inkohärenz beseitigt wird», hiess es in der Antwort.
Dass diese Ankündigung nun Realität wurde, stösst Frei sauer auf. Er wittert eine «böswillige Retourkutsche», schreibt er im Rekurs. Schon mehrmals habe die Gemeinde gegen ihn den Kürzeren gezogen. Auf Nachfrage präzisiert er, dass zum Beispiel bei mehreren Spielplätzen die geltenden Sicherheitsstandards erst auf seine hartnäckigen Nachfragen hin umgesetzt worden seien.

Als Mitglied von Orts-SVP und Rechnungsprüfungskommission (RPK) hat Frei regelmässig mit dem Gemeinderat zu tun. «Der Gemeinderat macht sonst keine schlechte Arbeit, aber dieser Entscheid widerspricht dem Willen der Anwohner», sagt er. Diese sehen das Fahrverbot auch als Mittel, um Fremdparkierer auf den öffentlichen Parkplätzen an der Haldenstrasse zu verhindern. Laut Anwohnern nimmt die Anzahl Fremdparkierer laufend zu.

«Rekursverfahren abwarten»

Um Lösungen zu finden, schlägt Frei zudem einen runden Tisch vor, mit Anwohnern, Gemeindepräsident, Sicherheitsvorstand und der Kantonspolizei. «Der Gemeinderat ist grundsätzlich immer gesprächsbereit. Nun ist aber das Rekursverfahren abzuwarten», sagt Gemeindepräsident Paul Studer. Weiter Stellung nehmen kann er nicht, da ihm der Wortlaut der Petition und der Rekurse noch nicht bekannt sind. Den Vorwurf einer «Retourkutsche» des Gemeinderats an Philipp Frei lässt er nicht gelten. «Bei der neuen Verkehrsanordnung ging es nur darum, die verwirrliche Situation an der Haldenstrasse zu bereinigen», so Studer.