Bezirksgericht Dietikon
Darknet-Pädophiler verbreitete Bilder von Kindesmissbrauch – Gericht schickt ihn in die Therapie

Das Bezirksgericht schickt einen Informatiker, der Kinderpornos verbreitet hatte, in die Psycho-Massnahme. Und er muss viel zahlen.

David Egger
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Der Mann hatte auf seinen Datenträgern 278 Bilder, welche insbesondere Kindesmissbrauch zeigten. Zudem verbreitete der Mann selber Kindesmissbrauch-Videos.

Der Mann hatte auf seinen Datenträgern 278 Bilder, welche insbesondere Kindesmissbrauch zeigten. Zudem verbreitete der Mann selber Kindesmissbrauch-Videos.

David Egger

Zehn Monate Freiheitsstrafe unbedingt: So lautet das Urteil des Bezirksgerichts Dietikon im Fall eines rund 50-jährigen Pädo­philen. Im Rahmen einer verdeckten Fahndung war er der Zürcher Kantonspolizei ins Netz gegangen. Sie verhaftete ihn letztes Jahr in der Masoala-­Halle im Zürcher Zoo. Aber in den Knast muss der Informatiker nicht, trotz der unbedingten Freiheitsstrafe. Zumindest vorerst nicht. Denn das Gericht schiebt die Freiheitsstrafe zugunsten einer ambulanten Massnahme auf. Das heisst: Er bleibt auf freiem Fuss und behält seinen Job, muss aber regelmässig zur ­Psychotherapeutin, die ihn behandelt, seit ihn die Justiz aus der Untersuchungshaft entlassen hat. Sechseinhalb Monate lang hatte diese gedauert.

«Würde gerne das Mädchen der Nachbarn vergewaltigen»

Auf den Datenträgern des Mannes – diese werden nun vernichtet – hatten die Ermittler 278 Bilder gefunden, die insbesondere zeigen, wie Kinder missbraucht werden. Zudem hatte der Mann in einem Darknet-Chat zwei Bilder weiterverbreitet, die ebenfalls Kindesmissbrauch zeigen. Diese Weiterverbreitung gilt als das schwerste Delikt des Mannes. Es geht um die sogenannte Gefahr des ewigen Zeugnisses. Heisst: Die Bilder wurden im Darknet verbreitet, liegen wahrscheinlich auch auf Festplatten von anderen Pädophilen und daher ist es gut möglich, dass sie nie mehr verschwinden. «Das ist nicht wie bei einem Bild, das man einfach zerreissen kann», sagte Bezirksgerichtspräsident Stephan Aeschbacher.

Überdies hat der Mann in ­verschiedenen Mails und Chatnachrichten verschiedene Fantasien geäussert, die sich ebenfalls um Kindesmissbrauch drehen. So schrieb er beispielsweise, dass er das Mädchen der Nachbarn gerne mit K.-o.-Tropfen betäuben und vergewaltigen möchte, dass er ­gerne im Ausland auf den ­«Kinder-Strich» gehen würde und dass er gerne die minderjährige Tochter der einen Chatpartnerin entjungfern würde. «Das sind nur ein paar wenige Äusserungen, die er gemacht hat», sagte der Richter.

Zu den zehn Monaten Freiheitsstrafe kommt eine unbedingte Geldstrafe in der Höhe von 60 mal 100 Franken dazu. Ausserdem wird ihm lebenslänglich verboten, beruflich oder in der Freizeit mit Minderjährigen zu arbeiten. Überdies muss er die 4500 Franken Gerichts­gebühr zahlen und für die Kosten der ganzen Untersuchung und des ganzen Verfahrens aufkommen. Der genaue Betrag wurde noch nicht genannt, der Richter sagte aber: «Da kommt einiges auf Sie zu.»

Die über 50'000 Franken Honorar für den Verteidiger und die über 10'000 Franken für die Rechtsbeiständin eines Opfers zahlt vorderhand der Staat. Sollte der Mann aber dereinst in besonders günstige wirtschaftliche Verhältnisse geraten, wird sich die Gerichtskasse bei ihm melden und auch diese beiden Beträge noch von ihm fordern. «Das kann auch in fünf oder zehn Jahren noch der Fall sein. Die Gerichtskasse vergisst nicht so schnell», sagte der Richter. Angesichts der Lebensumstände, die bei der Gerichtsverhandlung letzte Woche zur Sprache kamen, ist es gut möglich, dass er auch diese Beträge noch zahlen muss. Denn als Informatiker verdient er gut, über 100'000 Franken pro Jahr, zudem besitzt er Wohneigentum.

Volle Kostenübernahme trotz Teilfreispruch

Freigesprochen wurde der Mann von folgenden Vorwürfen: Vergewaltigung, sexuelle Handlungen mit einem Kind und versuchte sexuelle Handlungen mit einem Kind durch Einbeziehen. Es gab schlicht keine Beweise dafür, dass er die Taten beging oder tatsächlich begehen wollte. Trotz des Teilfreispruchs muss er alle Verfahrenskosten zahlen – mitunter wegen der erwähnten Äusserungen in den Chats. «Der Angeklagte hatte auch in jenen Punkten Anlass zu einer Untersuchung gegeben, in denen nun ein Freispruch erfolgt ist», sagte Aeschbacher.

Hinsichtlich einer sexuellen Nötigung, die dem Mann ebenfalls vorgeworfen worden war, stellte das Gericht das Verfahren ganz ein. Sie liegt zu lange zurück und ist verjährt.

Günstige Prognose dank Behandlung, sagt Gutachter

Der Mann ist pädophil, aber nicht kernpädophil, lautet die Diagnose in einem Gutachten. Das bedeutet, dass er auf Kinder steht, aber nicht nur auf Kinder. Das Gutachten geht von einer günstigen Prognose aus, wenn die psychische Störung des Mannes behandelt wird.