Bezirksgericht Dietikon
«Dann soll der Amtsschimmel richtig wiehern»: Urdorfer Rennpferdetrainer muss Busse zahlen

Der Urdorfer Miroslav Weiss hat gegen das Tierschutzgesetz verstossen – aber nicht, weil bei ihm Tiere zu Schaden kamen, sondern aufgrund von Bagatellen administrativer Natur, wie selbst das Gericht einräumte.

Sophie Rüesch
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Der Rennpferdetrainer, Miroslav Weiss, muss 500 Franken Busse und die Gerichtskosten in der Höhe von 600 bezahlen. (Symbolbild)

Der Rennpferdetrainer, Miroslav Weiss, muss 500 Franken Busse und die Gerichtskosten in der Höhe von 600 bezahlen. (Symbolbild)

Ueli Wild

Miroslav Weiss, der Inhaber des Pferderennstalls Beliar im Urdorfer Schüracker, versteht die Welt nicht mehr. Vom Statthalteramt Dietikon hatte er im Januar eine Busse wegen vorsätzlicher Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz und fahrlässiger Widerhandlung gegen das Tierseuchengesetz erhalten. «Dabei gibt es für mich doch nichts Wichtigeres als das Wohl der Tiere – alles andere wäre auch schlecht fürs Geschäft», sagte Weiss vor dem Verhandlungssaal im Bezirksgericht Dietikon. Die Busse wollte er nicht auf sich sitzen lassen, also hat er gegen den Strafbefehl des Statthalteramts Einsprache erhoben – mit mässigem Erfolg, wie sich herausstellen sollte.

Begonnen hat alles im Jahr 2011. Im Rahmen einer Tierschutzkontrolle des Veterinäramtes im August 2011 wurde bei sieben Pferdeboxen festgestellt, dass die vorgeschriebenen 33 Lux Tageslicht nicht gegeben seien. Darauf verfügte das Veterinäramt, dass in den sieben Boxen eine künstliche Beleuchtung per Zeitschaltuhr einzurichten sei, sodass es garantiert täglich acht Stunden am Stück – von 8 bis 16 Uhr – genug hell in den Boxen sei.

Fünf Jahre später, am 23. Juni 2016, stellte das Veterinäramt bei einer Nachkontrolle fest, dass die Beleuchtung auf manuelle Bedienung umgestellt worden war, die Zeitschaltuhr also ausser Betrieb war. Dasselbe Bild bot sich am 16. September bei einer erneuten Nachkontrolle durch die Kantonspolizei.

«Für mich gibt es nichts Wichtigeres als das Wohl der Tiere – alles andere wäre auch schlecht fürs Geschäft.»

Miroslav Weiss, Rennpferdetrainer

Auslaufjournal wurde nicht geführt

Ausserdem bemerkte das Veterinäramt, dass für keines der 51 Pferde ein Auslaufjournal geführt wurde. Es konnte also nicht prüfen, ob die Tiere das Minium von zweimal wöchentlich zwei Stunden Auslauf gewährt wurde. Ein solches Journal wurde auch beim erneuten Besuch der Kantonspolizei im September nicht geführt. Weiter stellte das Veterinäramt fest, dass die Registrierung von acht Pferden in der Tierverkehrsdatenbank Agate nicht fristgerecht vorgenommen wurde.

Das Statthalteramt Dietikon ging aufgrund dieser Vorfälle von einer vorsätzlichen Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz sowie von einer fahrlässigen Widerhandlung gegen das Tierseuchengesetz aus. Es verknurrte Miroslav Weiss per Strafbefehl zu einer Busse von 1400 Franken, zuzüglich Gebühren von 650 Franken.

Weiss’ Verteidiger beantragte vor Bezirksgericht, die Busse auf höchstens 250 Franken anzusetzen und die Verfahrenskosten nur teilweise seinem Mandanten aufzuerlegen; Weiss sei nur fahrlässiger Widerhandlungen schuldig zu sprechen. Dieser hatte zuvor anerkannt, dass er seine Mitarbeiterinnen, die für die bei den Kontrollen aufgeflogenen Verfehlungen verantwortlich gewesen seien, wohl zu wenig genau beaufsichtigt hatte; die Zeitschaltuhr habe er zwar installiert, sie sei aber nach einer Weile kaputtgegangen. Die Pferde hätten aber zu keinem Zeitpunkt über zu wenig Licht oder Auslauf verfügt, sondern sogar über bedeutend mehr, als mit der Zeitschaltuhr und dem Auslaufprotokoll hätte sichergestellt werden sollen. Auch der fehlende Datenbankeintrag habe für die Tiere keine realen Folgen gehabt. Die Busse sei deshalb viel zu hoch angesetzt, erklärte sein Anwalt.

Dass Weiss den Strafbefehl überhaupt anfocht, hatte aber nicht nur mit der Bussenhöhe zu tun: Der 68-Jährige fühlte sich dadurch auch in seiner Ehre als seit vielen Jahren erfolgreichster Rennpferdetrainer des Landes verletzt. Für den in seiner alten Heimat Tschechien in Veterinärwissenschaften ausgebildeten Weiss sei das Wohl der Tiere immer zentral gewesen. Weiss selbst formulierte es so: «Ich schaue für meine Pferde, nicht für die Papiere.»

Genug Licht und Auslauf

Weiss’ Tierliebe war für das Gericht dann aber nicht der springende Punkt. Es sei zwar unbestritten, dass die Tiere genug Licht und Auslauf gehabt hätten. Dennoch sei Weiss der vorsätzlichen Verstösse gegen das Tierschutzgesetz schuldig zu sprechen, auch wenn es sich dabei um Tatbestände handelt, die zurecht als Bagatellen administrativer Natur bezeichnet werden könnten. Ein Verstoss gegen gewisse Normen habe aber dennoch stattgefunden – und auch wenn man über Sinn und Unsinn dieser Normen geteilter Meinung sein könne, müssen sie eben doch eingehalten werden. Für das Gericht wog zudem der Umstand schwer, dass die Verfehlungen auch zum Zeitpunkt der zweiten Nachkontrolle durch die Kantonspolizei noch nicht behoben waren.

Frei sprach das Gericht Weiss am Mittwoch aber vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das Tierseuchengesetz, bei dem es um den Eintrag in der Pferdedatenbank ging. Einzelrichter Bruno Amacker leitete seine Erläuterung mit den Worten ein: «Wenn der Amtsschimmel schon wiehert, dann soll er richtig wiehern.» Genau betrachtet obliege die Registrationspflicht nämlich dem Tierbesitzer. Da Weiss die betroffenen Tiere nicht selbst besitzt, sondern sie nur trainiert und beherbergt, könne er dieses Punktes nicht schuldig sein.

Die Bussenhöhe wurde deshalb reduziert, auf 500 anstatt 1400 Franken. Die Gerichtsgebühren von 600 Franken werden ihm aber gänzlich auferlegt. Zusammen mit den verbleibenden Gebühren für den Strafbefehl sowie den Anwaltskosten muss Weiss also mehr zahlen. Entsprechend zeigte er sich auch alles andere als erfreut über den Entscheid. Berufung einlegen wird er aber nicht.