Pandemie

«Dann holen wir die Ferien halt zu uns»: Wie das Tageszentrum trotz Corona auf Reisen geht

Ferienwoche im Tageszentrum: Die breite Getränkeauswahl sorgt für Abwechslung.

Ferienwoche im Tageszentrum: Die breite Getränkeauswahl sorgt für Abwechslung.

Die Abteilung des Pflegezentrums des Limmattalspitals muss auf den jährlichen Ausflug verzichten – hat jetzt aber reagiert und organisiert eine Ferienwoche. Feriendeko und dem Programm dürfen selbstverständlich nicht fehlen.

Sie waren in dieser Woche bereits im Elsass und haben gemeinsam Flammkuchen für das Mittagessen gekocht. Sie haben auch schon Italien besucht; dort hörten sie Geschichten über die Stadt Rom. Und während des Turnens im Innenhof sorgte der Hit des Italo-Sängers Al Bano «Felicità» für schwungvolle Bewegungen. Nun fahren sie unter anderem nochmals nach Frankreich – und bleiben dabei doch zu Hause. «Wenn wir wegen des Coronavirus nicht verreisen können, dann holen wir die Ferien halt zu uns», sagt Esther Maag, die Leiterin des Tageszentrums im Pflegezentrum des Spitals Limmattal.

Denn es hatten sich alle gefreut; es wäre wieder lustig geworden. Die Gäste, wie die im Tageszentrum umsorgten Personen genannt werden, und die Mitarbeitenden hätten gemeinsam das Schloss Hallwyl besichtigt und dort bei einem Apéro miteinander angestossen, später wollten sie noch gemeinsam Pizza essen gehen. Aber der traditionelle jährliche Ausflug musste abgesagt werden.

Diese Absage kam natürlich angesichts der Entwicklungen rund um das Coronavirus nicht überraschend, sie war erwartet worden. Dennoch sei die Enttäuschung bei den Gästen und Mitarbeitenden des Tageszentrums sehr gross gewesen, sagt Maag. «Unser Ausflug hätte in diesen Zeiten eine willkommene Abwechslung gebracht.»

Im Tageszentrum werden sowohl körperlich leicht pflegebedürftige als auch psychisch erkrankte Personen betreut. Rund 50 Gäste jedes Alters besuchen es von einem halben Tag bis zu fünf Tagen in der Woche. Das Angebot ermöglicht es den betreuten Personen, weiterhin zu Hause wohnen zu bleiben, und entlastet die Angehörigen. «Die Belastung ist während der Coronakrise aber für alle spürbar gestiegen», sagt Maag. So hätten die Gäste des Tageszentrums in den vergangenen Monaten verschiedene Einschränkungen hinnehmen müssen; deren Kontakte mit Freunden und Bekannten seien weggefallen, kleine Ausflüge, selbst Einkäufe mit ihren Familien, seien unmöglich gewesen. Andererseits habe diese Situation auch die Angehörigen belastet, welche die Tageszentrumgäste zu Hause betreuen.

Räume mit einfachen Mitteln dekoriert

Deshalb findet nun im Tageszentrum diese Ferienwoche statt. Jeder Tag steht unter einem anderen Motto; diese lauten unter anderem eben Elsass, Italien und Frankreich. Die Räume wurden mit einfachen Mitteln und mit Hilfe der Tageszentrumgäste etwas dekoriert, die Tische anders, etwas mehr im Restaurantstil aufgestellt und die täglichen Programmpunkte entsprechend angepasst. «Es ist an sich ganz einfach gehalten, und doch sind die Ferientage für uns alle ganz anders», sagt Maag. Grundsätzlich gehe es vor allem darum, die Gäste «etwas zu verwöhnen». Das wird – neben der Feriendeko und dem Programm – insbesondere auch über das kulinarische Angebot erreicht. So können sich die Tageszentrumgäste beispielsweise aus einem breiteren, zum Reiseziel passenden Getränkeangebot bedienen – da ist am Italientag auch einmal ein Prosecco dabei. Und zum Abschluss des Essens wird ein ordentlicher Coupe mit frischen Früchten aufgetischt.

Auch wenn die Reisewoche in den gewöhnlichen Tageszentrumräumen stattfindet und die üblichen Coronaschutzmassnahmen mit Abstandhalten, hygienischen Auflagen und dem Registrieren aller Ein- und Austritte gelten, sind die Gäste und Mitarbeitenden in Ferienlaune. Von einer «megaschönen Stimmung» spricht Esther Maag. Bereits die ersten Tage hätten eine Auflockerung gebracht, diese Abwechslung tue den Gästen und auch den Mitarbeitenden gut.

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