Maturabeiten

Dank Theater und Olivenöl gehören diese beiden Limmattaler zu den Besten

Sarah Valerio und Silvan Fischbacher: Sie zieht Olivenöl den anderen Speiseölen vor, er besucht etwa einmal im Monat ein Theater.

Sarah Valerio und Silvan Fischbacher: Sie zieht Olivenöl den anderen Speiseölen vor, er besucht etwa einmal im Monat ein Theater.

An der ETH Zürich wurde vergangene Woche die Ausstellung der fünfzig besten Maturitätsarbeiten des Kantons eröffnet. Mit dabei sind auch zwei Arbeiten von Jugendlichen der Kantonsschule Limmattal – von Silvan Fischbacher und Sarah Valerio.

Silvan Fischbacher aus Dietikon...

Silvan Fischbacher besucht etwa einmal im Monat ein Theater.

Silvan Fischbacher besucht etwa einmal im Monat ein Theater.

...erhielt für seine Arbeit «Der Regisseur: Vom Diener zum Herrn» einen Sonderpreis. Ein irritierender Nacktauftritt eines Schauspielers diente als Initialzündung für seine Arbeit.

Silvan Fischbacher ist eher zufällig über sein Thema gestolpert. «Ich habe im Schauspielhaus Ibsens ‹Peer Gynt› gesehen. Gegen Ende der Aufführung rannte einer der Schauspieler nackt über die Bühne. «So stand das nicht im Buch und ich war irritiert.» Das hat den 18-Jährigen dazu veranlasst, der Thematik genauer auf den Grund zu gehen. Der Dietiker wollte herausfinden, ob die oftmals grosse künstlerische Freiheit, die sich Regisseure und Regisseurinnen im deutschen Sprachraum bei den Inszenierungen von Theatertexten herausnehmen, legitim – oder schlicht ein Skandal ist.

40 Aufführungen besucht

«Ab und zu besuchte ich mit der Familie und Freunden Theater oder eine Oper.» Für seine Maturarbeit hat der Gymnasiast in Zürich und in den Schulferien in Wien, Berlin, Hamburg, und München über 40 Aufführungen besucht und jeweils zuvor die Stücke gelesen. «Je mehr ich in das Thema reinkam, desto mehr fesselte es mich.» Deshalb hat er nicht nur viele Aufführungen besucht, sondern auch zahlreiche Autoren, Regisseure und Schauspieler interviewt. Der Titel «Der Regisseur: Vom Diener zum Herrn» bezieht sich auf die Wandlung der Rolle des Regisseurs. Früher war dieser stark an das geschriebene Stück gebunden, heute hingegen, verfügt er über grosse Macht, seine eigenen Interpretationen der Bühnenstücke aufführen zu lassen.

War Fischbacher zu Beginn noch wenig begeistert von dieser Entwicklung, stellte er gegen Ende seines Projekts fest, dass sich seine Meinung geändert hat. «Inzwischen finde ich es spannend, wie ein Regisseur die Stücke umsetzt und ich bin froh, dass nicht alle ‹Fausts› gleich aussehen.»

Der Dietiker besucht heute häufiger das Theater, als er es früher tat. «Meine berufliche Zukunft sehe ich aber eher im naturwissenschaftlichen Bereich.» In den kommenden Wochen wird Fischbacher weniger Zeit für Theaterbesuche haben, er wird nach dem Gymnasium in die Rekrutenschule einrücken.

Sarah Valerio aus Unterengstringen...

Sarah Valerio zieht Olivenöl den anderen Speiseölen vor.

Sarah Valerio zieht Olivenöl den anderen Speiseölen vor.

...wollte unbedingt etwas Praktisches machen, deshalb fand sie heraus, wo Olivenöl am besten gelagert wird.

Wie Sarah Valerio sich dazu entschied, Olivenöl zu untersuchen, weiss sie selbst nicht mehr genau. Als sie eines Abends in ihrer Küche stand, kam ihr die Idee, Olivenöl genauer unter die Lupe zu nehmen. «Ich mag Olivenöl sehr, wir kochen zuhause oft damit. Ausserdem ist es gesund.» So recherchierte die Gymnasiastin im Internet. «Dabei wurde ich auf den ‹Olive Oil Award› der ZHAW in Wädenswil aufmerksam», erklärt sie. Da dort die besten Olivenöle ausgezeichnet werden, entschied sie sich, diese Veranstaltung zu besuchen.

Nach dem Kongress fasste die Maturandin den Entschluss, in ihrer Arbeit herauszufinden, welchen Einfluss der Lagerungsort, die Lagerungszeit und -temperatur sowie die Flaschenfarbe auf die Qualität des Olivenöls haben. Zusätzliche Unterstützung bot ihr die ZHAW. «Die Hochschule in Wädenswil hat meine Proben an ein Lebensmittel-Labor geschickt. Dort wurde das Olivenöl sensorisch, das bedeutet auf den Geschmack hin, getestet.» Die 18-Jährige verbrachte während ihrer Arbeit viel Zeit im Labor, meistens an ihrem freien Mittwochnachmittag.

Wärme tut Öl nicht gut

«Die grössten Herausforderungen waren das Kennenlernen des Labors und die richtige Interpretation der Resultate.» Einmal monatlich und insgesamt sechs Mal prüfte Valerio die Olivenöle auf Abbau-Produkte und Anzahl ungesättigter Fettsäuren. «Ich kam zum Ergebnis, dass Lichtexposition und Wärme am stärksten dazu beitragen, dass Olivenöl an Qualität verliert.» Neben den relevanten Erkenntnissen für ihr Projekt konnte sie auch viele andere Erfahrungen mitnehmen. «Ich habe gelernt, selbstständig im Labor zu arbeiten. Zudem bin ich geduldiger geworden, weil nicht immer alles beim ersten Mal klappt.»

Seit der Abgabe ihrer Maturitätsarbeit und den daraus gewonnenen Erkenntnissen, kocht sie nun noch öfter mit Olivenöl. Einen Tipp zur Lagerung des Öls, gibt Valerio preis. «Wir lagern es nur noch im Keller.» Valerio möchte gerne Humanmedizin studieren, deshalb bereitet sie sich derzeit für den Numerus clausus vor.

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