Geroldswil
Dank seiner Erfindung können Wasserfilter effizienter gebaut werden

In seiner Abschlussarbeit in Mechatronik entwickelte Marco Kummer einen Prototyp, um die Nachbearbeitung von Keramikrohren zu erleichtern. Dafür wurde der Geroldswiler von der Höheren Fachschule Dietikon mit der Note 6 ausgezeichnet und vom Industrie- und Handelsverein Dietikon mit 1000 Franken prämiert.

Darina Schweizer
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Marco Kummer erfindet eine «Keramikbearbeitungsmaschine»
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Die Maschine stellt Keramikrohre her, die dank ihrer Poren zwar wasserdurchlässig sind, aber Bakterien filtern.
Blick in die Maschine.
Kummer baute die Maschine als Teil seiner Abschlussarbeit in Mechatronik und erhielt dafür die Note 6.
Für seine Erfindung wurde Kummer vom Industrie- und Handelsverein Dietikon mit 1000 Franken prämiert.

Marco Kummer erfindet eine «Keramikbearbeitungsmaschine»

Darina Schweizer

Eigentlich funktioniert sie wie Play-Doh: Knetmasse wird durch eine Öffnung gedrückt und heraus kommt eine fertige Knetform. Nur nehme ich keine Knete, sondern Keramik.» So erklärt Marco Kummer, wie die Keramikrohre ihre Form erhalten. «Die Rohre müssen danach mechanisch nachbearbeitet werden, was auf der Keramikbearbeitungsmaschine geschieht.» Diese Maschine, ein blaues Gerät, das sogar den grossen 25-Jährigen überragt, hat er für seine Diplomarbeit an der Höheren Fachschule Dietikon von A bis Z selbst gebaut und auf 171 Seiten schriftlich dokumentiert. Er schliesst damit sein dreijähriges Mechatronik-Studium ab. Für seine äusserst umfangreiche Arbeit – vorgegeben waren lediglich 100 Seiten – hat er, ein «Zahlenmensch», ganze 600 Stunden aufgewendet. «Ich sagte mir; die Arbeit wird so lange, wie sie nun mal wird. Kürzen kam nicht infrage, auch wenn ich dafür Notenabzug erhalten hätte», sagt der Geroldswiler. Doch der ganze Fleiss hat sich gelohnt: Am Donnerstagabend wurde er von der Höheren Fachschule Dietikon dafür mit der Bestnote 6 ausgezeichnet.

Die Entstehung der Idee

In den Rohren, die Kummers Maschine bearbeitet, steckt mehr, als man auf den ersten Blick ahnt: Die kleinen Poren auf ihrer Oberfläche lassen zwar Wasser, aber keine Bakterien durch. Sie werden verwendet, um Wasserfilter herzustellen. «Man kann diese zum Beispiel zum Wandern mitnehmen und Wasser eines Bergsees filtern, von dem man sich nicht sicher ist, ob es trinkbar ist», so Kummer. Die Rohre können aber auch in Ländern mit schlechter Wasserqualität direkt an Wasserleitungen gehängt werden. Bei einer Firma, die solche Filter aus Keramikrohren herstellt, arbeitete der Geroldswiler nach seiner Lehre als Polymechaniker. «Dort entstand auch meine Idee für die Arbeit», sagt Kummer. Eines Tages wurde er darauf aufmerksam, wie ein Mitarbeiter den ganzen Tag von einer Maschine zur nächsten ging, um sie mit den Keramikrohren zu bestücken. Weil ihm dies viel zu umständlich schien und ihm die Arbeitsbedingungen seiner Kollegen wichtig waren, kam er ins Grübeln. «Man sollte ihm die Arbeit erleichtern, indem man die Rohre wirtschaftlicher herstellt, dachte ich.»

Deswegen verfolgte Kummer eine Idee, der sich vor ihm noch niemand angenommen hatte: Eine einzige Maschine sollte alle nötigen Arbeitsschritte zusammenführen und den Angestellten somit die Arbeit erleichtern. Bedenken, die Maschine könnte den Menschen allmählich ganz ersetzen, wischt er vom Tisch. «Nein, auf keinen Fall. Mein Ziel war es, Zeit zu gewinnen und den Mitarbeiter sinnvoller einsetzen zu können», sagt der Geroldswiler. Dieser habe dank der Maschine beispielsweise mehr Zeit, die Rohre zu kontrollieren – eine sehr wichtige Aufgabe in den Augen des Polymechanikers. «Wenn die Rohre nicht alle gleich gross sind, passen sie nicht in das Gehäuse der Filter. Das darf auf keinen Fall passieren.»

Das eigene Haus ausmessen

Die Dinge exakt auszumessen und aufzuzeichnen, machte Kummer von klein auf gerne. «Als Kind hatte ich schon Freude, den Grundriss unseres Hauses aufzuzeichnen oder mein Zimmer auszumessen, um die Möbel umzustellen», sagt er und schmunzelt. In Details habe er sich damals aber nicht gerne verloren. Das hat sich bis heute nicht geändert. «Ich möchte bei der Arbeit noch immer möglichst schnell und effizient sein, und nicht mehrere Monate am Gleichen arbeiten. Das geht mir viel zu lange», sagt er. Sein Streben nach Schnelligkeit und Effizienz hat ihn schliesslich auch von seiner früheren Arbeit als Polymechaniker zum Konstrukteurs-Beruf geführt. «Als Konstrukteur plane und zeichne ich die Teile oder ganze Maschinen, die der Polymechaniker dann aus Metall verwirklicht», sagt er. «Diese Arbeit dauert weniger lange und ich kann sehr kreativ dabei sein», so Kummer strahlend. Mit seinem Studium zum Mechatroniker könne er nun sein Wissen über Mechanik mit demjenigen in der Elektronik vereinen: «Ein Beispiel: Als Mechatroniker kann ich einen Schlüsselanhänger, den ich designt habe, mit einem Lämpchen und der nötigen Elektronik versehen», sagt Kummer.

Obwohl er in seinem Beruf fast täglich zeichnet und plant, sei sein räumliches Vorstellungsvermögen alles andere als überragend. «Bei der Aushebung in der Rekrutenschule war ich sogar am schlechtesten in diesem Bereich», erzählt Kummer und lacht. Erklären kann er sich das Ergebnis nicht, er macht sich aber nicht gross Gedanken darüber, da es ihm im Berufsalltag noch nie Probleme bereitet hat. «Hinzu kommt, dass wir mit einem Zeichnungssystem am Computer arbeiten und das Vorstellungsvermögen nicht mehr ganz so wichtig ist wie früher», sagt er.

Auszeichnung als schöne Bestätigung

Dass der Geroldswiler am Donnerstag für seine Arbeit prämiert wurde, freut ihn ganz besonders. «Nicht mal der Note wegen», sagt er bescheiden, «sondern weil ich mir selbst bewiesen habe, dass ich ein Projekt von A bis Z alleine durchziehen kann». Ohne die Unterstützung einiger Helfer hätte er dies allerdings nicht geschafft, sagt er. Oft seien auch Kollegen vorbeigekommen und hätten ihm seelische Unterstützung geleistet. Und wenn ihm mal der Kopf rauchte, war sein Hund jederzeit für eine kurze Joggingtour zur Stelle. «Ans Aufgeben habe ich während der Arbeit nie gedacht, auch wenn sie viel Zeit und Aufwand gekostet hat», sagt er.

Einiges gekostet hat auch der Transport seiner 400 Kilogramm schweren «Keramikbearbeitungsmaschine». «Die 1000 Franken Preisgeld decken in etwa genau diese Kosten», sagt Kummer. Er musste extra einen Lieferwagen mit Hebebühne organisieren, um die Maschine ins Berufsbildungszentrum zu bringen. Die letzte Herausforderung wartete im Gebäude auf ihn: Die Maschine musste mit einem eher kleinen Lift in den zweiten Stock transportiert werden. «Zum Glück hatte ich ihn im Vorhinein ausgemessen», sagt der Geroldswiler. Ganz der planende Mechatroniker eben.