Sie sind überall. In der Kaffeetasse, auf dem Bänkli an der Bushaltestelle, in der Migros. Seit einer Woche sind die Pokémon los. Ziel der neuen App «Pokémon Go» ist es, möglichst viele kleine Monster zu fangen. Draussen. Früher klebten die Pokémon-Fans zu Hause vor den Bildschirmen, heute müssen sie raus, um ein unvorsichtiges Tierchen zu erwischen. Allein oder in Gruppen ziehen die Jäger und Sammler umher, das Smartphone im Anschlag. Die gefangenen Monster werden trainiert und ihre Besitzer können sie gegeneinander antreten lassen. Auf dem Smartphone wird die Realität erweitert, die putzigen Pokémon machen den schnödesten Heimweg zur Schnitzeljagd. Noch nie war Spazieren schöner.

Wer aus dem Trend lieber ein «Pokémon Go away» machen würde, muss sich gar keine Mühe geben; die Pokémon sind für analoge Augen unsichtbar. Einzig die Spieler kann man schlecht ausblenden. Ganz ungefährlich ist die Jagd vor allem in urbanen Gebieten nicht. Die Polizei befürchtet, dass es zu Unfällen kommen könnte, wenn Fussgänger oder gar Velofahrer ihre Aufmerksamkeit den virtuellen Plüschmonstern statt dem Verkehr zuwenden.

Von der Digitalisierung kann man halten, was man will. Doch diese App bewegt – wortwörtlich. Scharen von Kindern und Kindsköpfen strömen freiwillig aus dem Haus und legen Kilometer für Kilometer zurück. Dieses Spiel macht Gamern Beine und fördert reale Kontakte mit anderen Angefressenen. Zudem ist es harmlos, die Monster sind herzig, Blut fliesst keines. Nützt es nichts, so schadet es nichts.

Kontakt: janine.gloor@azmedien.ch