Birmensdorf

Dank Hélène Vuille hat der Kampf gegen Food Waste die nationale Politbühne erreicht

Kampf gegen Food Waste: Nach dem Nationalrat muss nun der Ständerat entscheiden.

Kampf gegen Food Waste: Nach dem Nationalrat muss nun der Ständerat entscheiden.

Im Juni hat der Nationalrat eine Motion angenommen, welche die Abgabe von nicht mehr verkaufbaren Lebensmitteln vereinfachen soll.

Seit über 20 Jahren fordert Hélène ­Vuille eine eidgenössische Lösung für die Abgabe von abgelaufenen, aber ­geniessbaren Lebensmitteln und Tagesfrischprodukten an Bedürftige. Die Anti-Food-­Waste-Pionierin will damit die Arbeit gemeinnütziger Organisationen erleichtern. «Alle Politikerinnen und Politiker, die ich über die Jahre angeschrieben oder mit denen ich geredet habe, sagten mir, ich hätte recht, aber müsse mich gedulden», sagt sie. Irgendwann habe sie das nicht mehr hören können. Nun ist das Thema in der nationalen Politik angekommen. Im März dieses Jahres reichte die Schaffhauser SP-Nationalrätin Martina Munz mit 21 Mitunterzeichnenden eine Motion ein, die ein Gesetz für eine ­Abgabe von nicht mehr verkaufbaren Lebensmitteln nach Ladenschluss verlangt. «Das ist ein Meilenstein und freut mich wahnsinnig», sagt Vuille.

Auslöser war eine Lesung in Maur vor rund einem Jahr. Nach dieser stellte eine Besucherin, die für die SP politisiert, den Kontakt zwischen Vuille und Munz her. Als sich Munz bei ihr meldete, habe sie gesagt, sie wolle unbedingt etwas machen, erzählt Vuille. Aber sie benötige erst einen Jurist, um das Gesetz zu schreiben, was in Bern schnell einige Jahre dauere. «Den Jurist habe ich bereits. Mein Mann macht das», antwortete Vuille. Die Motionsbegründung arbeiteten Vuille und Munz gemeinsam aus.

Ende Mai empfahl der Bundesrat die Motion zur Annahme. «Der Bundesrat ist bereit, eine rechtliche Grundlage für die erleichterte Abgabe von Lebensmitteln an gemeinnützige Organisationen zu schaffen, um dadurch die Lebensmittelverschwendung weiter zu bekämpfen.» In der Stellungnahme heisst es aber relativierend, dass eine Abgabepflicht mit «dem Konzept des Lebensmittelgesetzes nicht vereinbar wäre». Doch davon lässt sich Vuille nicht entmutigen. «Steter Tropfen höhlt den Stein. Wichtig ist, dass die Lebensmittelverschwendung politisch jetzt endlich auf der grossen Bühne thematisiert wird», sagt sie. Im Juni nahm der Nationalrat die Motion an. Sagt auch der Ständerat Ja, steht einer gesetzlichen Grundlage für die Abgabe von unverkäuflichen Lebensmitteln an gemeinnützige Organisation nichts mehr im Weg. (flo)

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