Dietikon
Dank diesem e-Cargobike ist der kleine Melvin mobil

Die Limmattaler Firma «e-motion» verhilft einer Mutter und ihrem behinderten Sohn zu einem besseren Alltag.

Von Jefimija Djukic
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Melvin hat schnell Freude gefunden an seinem neuen Gefährt

Melvin hat schnell Freude gefunden an seinem neuen Gefährt

zvg

«Eigentlich ist er ein ganz aufgeweckter, quirliger Junge», sagt die Mutter von Melvin. Doch der 5-Jährige hat ein schweres Schicksal zu tragen. Er ist schwerbehindert, kann weder laufen noch sprechen. Der Alltag ist für die Familie nicht immer einfach zu bewältigen.

Aufgrund seiner Behinderung gestaltet sich nur schon die Reise von A nach B schwierig. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind für die alleinerziehende Mutter keine Option. «Der Menschenandrang kostet uns viel Nerven, Zeit und Energie», erklärt sie. Da sie in der Stadt Zürich wohne, sei ein Auto unpraktisch. Zudem liessen auch die finanziellen Möglichkeiten wenig Alternativen offen. Es musste also ein rollstuhlgerechtes Gefährt her, um täglich in den 2,5 Kilometer entfernten heilpädagogischen Kindergarten zu fahren.

Für Melvin’s Mutter war klar: Ein Velo ist die einzige Lösung. Doch wo findet man ein rollstuhlgerechtes Fahrrad? Zum Beispiel in Dietikon. Nach einigen Recherchen im Internet ist sie auf die Firma «e-motion» gestossen, die unter anderem e-Cargobikes vertreibt: Ein Transportrad, dass in staugeplagten, zugeparkten Innenstädten den Familien-Van ersetzt. Der Internetauftritt des Fachhändlers habe sie angesprochen, sagt die Mutter. Sie habe deshalb dort angerufen, um sich über die Möglichkeiten für ihren Sohn zu informieren.

Die emotionale Geschichte von Melvin hat Daniel Rey, Inhaber und Geschäftsführer der e-motion Gruppe berührt. «Wir haben es uns zu Herzen genommen, für Melvin und seine Mutter ein passendes e-Cargobike zu beschaffen, damit sie ihren Alltag besser meistern können», sagt Rey.

Auf Verdienst verzichtet

Beim Bau des Spezialfahrezuges wurde auf alle Details geachtet, um die Sicherheit von Melvin zu gewährleisten. Der Kistenbauer aus Winterthur habe selber ein behindertes Kind, sagt Rey. «Wir haben für einmal sogar auf unseren Verdienst verzichtet», so Rey. Die Mutter von Melvin weiss dies sehr zu schätzen. «Denn einzig Umbauten am Auto werden von der IV mitfinanziert. Ich bin sehr dankbar, dass e-motion uns finanziell unterstützt hat», sagt sie.

Seit einigen Tagen nun sind Melvin und seine Mutter stolze Besitzers des spezialangefertigten e-Cargobikes und wurden schon oft darauf angesprochen. «Melvin ist ganz stolz auf sein Bike. Seine Spielkameraden dürfen das Velo nicht anfassen», sagt die Mutter und lacht. Mit dem Velo seien sie ausserdem sehr flexibel. «Wir kommen durch alle Gässlein und das Fahren auf dem Rad ist äusserst komfortabel», sagt sie.

Nischenprodukt mit Potenzial

Auch Rey freut sich, dass Melvin und seine Mutter mit ihrem neuen Gefährt zufrieden sind. «Das e-Cargobike ist ein Nischenprodukt, aber ich bin überzeugt vom Potenzial. E-Cargobikes eignen sich hervorragend für Familien mit Kindern», sagt Rey. Ein e-Bike sei ein leichtes Gefährt, das schnellste Verkehrsmittel von Tür zu Tür, man suche nicht vergebens nach einem Parkplatz und zudem mache man etwas für seine Gesundheit. «Nicht zu vergessen: Das Fahren auf dem Pedelec macht einfach Spass», sagt Rey, der selbst Besitzer eines e-Bikes ist.

Allerdings wird über die Sicherheit der Elektrofahrräder viel diskutiert. Unfallstatistiken zeigen, dass die Zahl der Unfälle mit solchen Gefährten stark gestiegen ist. Rey ärgert sich über solche Diskussionen. «Der Anteil von e-Bikes stieg die letzten Jahre massiv. 2016 wurden etwa 75 000 solcher Fahrräder verkauft. Logischerweise sind dadurch e-Bikes auch häufiger in Unfälle verwickelt», sagt Rey.

Melvin jedenfalls fühlt sich sicher auf seinem neuen Fahrrad, sagt seine Mutter. «Am besten gefällt ihm die Geschwindigkeit. Ich spürte sofort, dass es das Richtige für Melvin ist.»