Laut dem Zürcher Spitalverbandspräsidenten Christian Schär sind ein Viertel aller Spitalbetten überflüssig. Das sagte er im gestrigen «Tages-Anzeiger». Die Fallzahlen sind auch im Limmattaler Spital im ersten Halbjahr 2018 um 3,5 Prozent gesunken. Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

Thomas Brack: Die Reduktion der Fallzahlen bewegt sich für uns im erwarteten und auch budgetierten Bereich. Das laufende Neubauprojekt hatte einen negativen Einfluss auf die Anzahl Behandlungen, so auch der Trend weg von der ambulanten hin zur stationären Behandlung. Nach einem starken ersten Quartal war das zweite schwächer. Bis Ende Jahr sollten wir wieder im Budget liegen.

Der Trend lautet «ambulant vor stationär». Ist diesem Strukturwandel beim neuen Spital Limmattal, das im September eröffnet, genügend Rechnung getragen worden?

Ja, im neuen Spital haben wir die nötigen bauliche Massnahmen getroffen. Beispielsweise sind die Wege für einen ambulanten Eingriff kurz gehalten. Auch realisierten wir eine Tagesklinik, die unmittelbar an die Kleineingriffräume für ambulante Behandlungen angeschlossen ist.

Und wie steht es um die Bettenzahl?

Der stationäre Bereich wird im neuen Spital 188 Betten umfassen, heute sind es 192. Für den ambulanten Bereich steht im neuen Spital deutlich mehr Fläche zur Verfügung. Im Altbau wurde allerdings nicht mehr in Anpassungen der Infrastruktur investiert.

Thomas Brack, Direktor Spital Limmattal

   

Sind weitere Massnahmen geplant?

Nein, nebst den seit Jahren üblichen Anstrengungen wie das saisonale Bettenmanagement werden wir aktuell keine weiteren Massnahmen durchführen.

Spitäler müssen je länger je mehr kostendeckend arbeiten. Was halten Sie von den Mindestzahlen für Operationen – oder gar pro Chirurg –, so wie es die Zürcher Gesundheitsdirektion will?

Mindestfallzahlen im Bereich der hoch spezialisierten Medizin pro Spital halten wir für sinnvoll, Mindestzahlen pro Operateur und ausserhalb der hoch spezialisierten Medizin aber für äusserst unzweckmässig. Sie gefährden eine qualitative gute Versorgung in den Regionen und verteuern das System. Sie können dazu führen, dass Patienten künftig für Leistungen aus der Grundversorgung in die nachweislich teureren Zentrumsspitäler gehen müssen und dass Ärzte mit entsprechenden Fallzahlen wie Fussballer gehandelt werden. Das Spital Limmattal führt in dieser Sache aus diesem Grund ein Rechtsverfahren gegen die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich, gemeinsam mit acht weiteren Spitälern im Kanton Zürich.

Ab 2022 will die Gesundheitsdirektion Leistungsaufträge für einzelne Fachgebiete vergeben. Spital-Verbandspräsident Christian Schär befürchtet ein Aushungern der Regionen und macht sich stark für die Grundversorgung. Seiner Meinung nach sollen die Spitäler ihr Angebot lieber besser aufeinander abstimmen. Was meinen Sie dazu?

Es ist aus unserer Sicht wünschenswert, dass die Rahmenbedingungen für Leistungsaufträge weiterhin liberal ausgestaltet werden und so für die Spitäler ein unternehmerischer Handlungsspielraum verbleibt. Schade wäre es, wenn die zur Zeit stattfindende Überregulierung, welche teilweise weit ins operative Geschäft Einfluss nimmt, weiterhin ausgebaut würde. Sinnvoll finden auch wir die Abstimmung von Leistungen und Kooperationen mit anderen Spitälern. Das Spital Limmattal hat diesbezüglich bereits Verträge mit dem Unispital, mit dem Stadtspital Triemli und weiteren Leistungserbringern.

Droht dem Spital Limmattal das Aus, wenn die Fallzahlen der stationären Behandlung weiter sinken und die Leistungsaufträge für einzelne Fachgebiete kommen?

Das Spital Limmattal ist in keiner Weise bedroht. Es ist zurzeit, nebst dem Universitätsspital und den Zentrumsspitälern Triemli und Winterthur sowie der Hirslandenklinik, das grösste Spital im Kanton und verfügt mit der neuen Infrastruktur über eine ausgezeichnete Ausgangslage, die künftigen Anforderungen sowie die stattfindende Ambulantisierung zu meistern. Zudem befinden wir uns in einer Region, in welcher weiterhin mit einem Bevölkerungswachstum zu rechnen ist.