Erst ein leises Surren, dann ein lautes Grollen. Die Geräusche, die gegensätzlicher kaum sein könnten, erfüllen den kreisrunden Raum der Sternenberger Sternwarte. Das Surren stammt vom brandneuen Celestron-Teleskop, das sich vollautomatisch auf die Suche nach Jupiter macht und ihn schliesslich fixiert.

Einem fernen Donnern ähnelt es, wenn Res Buchmann, einer der Betreiber der Sternwarte, die runde Kuppel mit Muskelkraft in die richtige Position bringt, damit die Dachöffnung den gewünschten Ausschnitt des Frühlingshimmels freigibt.

Ungeheure Kräfte

Der Blick durch das Teleskop fällt auf den grössten Planeten unseres Sonnensystems. Selbst mit blossem Auge ist er als sehr heller Punkt erkennbar. Orange-rot schimmert die Oberfläche des Gasriesen aus 650 Millionen Kilometern Entfernung. Die Tiefdruckgebiete, die den Jupiter wie zwei rote Gürtel umgeben, lassen erahnen, welch ungeheure Kräfte auf dessen Oberfläche wirken. Selbst Ganymed, Io, Europa und Kallisto – die vier grössten Jupitermonde – sind zu sehen.

Das ist auch dem neuen Teleskop zu verdanken: «Es bietet im Vergleich zum alten einen wesentlich schärferen Blick ins Weltall», freut sich Res Buchmann. Der Baumer betreibt die private Sternwarte auf dem Aussichtspunkt Schatzböl zusammen mit seinem Sohn Andreas sowie den Sternenbergern Ernst Wehrli und Karl Küenzi. Zudem sucht es die Objekte dank Datenbank selbst am Firmament.

«M66» tippt Buchmann in das Eingabegerät und drückt «Enter». Sofort dreht und hebt sich das Teleskop und richtet seinen 79 Zentimeter langen Tubus auf das Sternbild Löwe.

«Es braucht ein wenig Fantasie»

«Dort befinden sich die meisten Galaxien, die selbst mit herkömmlichen Fernrohren sichtbar sind», sagt Buchmann. Man braucht allerdings etwas Fantasie, um im Lichtfleck eine Spirale auszumachen. «Messier 66» befindet sich 30 Millionen Lichtjahre entfernt. In der Sternenberger Sternwarte kann man also nicht nur ins Weltall schauen, sondern auch in die Vergangenheit: So, wie man M66 heute wahrnimmt, sah die Galaxie vor 30 Millionen Jahren aus. «Rein theoretisch könnte es also sein, dass es sie gar nicht mehr gibt», sagt Buchmann.

Etwas weniger weit in die Vergangenheit blickt man, wenn es um die Anfänge der Sternwarte geht: Rund 50 Jahre ist es her, dass Karl Küenzi den Bau der privaten Sternwarte auf seinem Grundstück auf dem 900 Meter über Meer gelegenen Schatzböl in die Wege leitete. Zusammen mit seiner Frau Edeltraud, seinem Halbbruder Heinz Wagner, Arbeitskollegen, Freunden und Bekannten erstellte er den im Boden versenkten Bau.

Mehr Sterna als anderswo

«Alles war Handarbeit», erzählt der pensionierte Maurer stolz. Heute ist die Sternwarte aus dem Dorf nicht mehr wegzudenken. «Sternenberg und Sterne – das gehört einfach zusammen», sagt Gemeindepräsidentin Sabine Sieber. «Aus irgendeinem Grund ist das Dorf ja zu seinem Namen gekommen.» Sie vermutet, dass man hier mehr Sterne sieht als anderswo.

So kommt es nicht von ungefähr, dass sich die Gemeinde im letzten Herbst dafür aussprach, das 15 000 Franken teure Teleskop aus dem Hanna-Bickel-Fonds zu finanzieren. «Für den Gemeinderat stand das Engagement ausser Frage.

Das einzige Problem war, dass die Sternwarte eine private Einrichtung ist und der Fonds der Öffentlichkeit zugutekommen soll.» Deshalb einigten sich Gemeinde und Betreiber darauf, dass Sternenberger und Baumer Bürger zweimal im Jahr eine Gratisführung erhalten. Normalerweise kostet diese rund 120 Franken.

«Res Buchmanns Führungen sind immer ein Erlebnis», schwärmt Sieber, «als ehemaliger Lehrer kann er die Komplexität des Weltalls auf einfache Art vermitteln.» Sie betrachtet die Sterne an diesem Abend zum ersten Mal durch das neue Teleskop. «Wow», entfährt es ihr, als sie den Jupiter betrachtet, «das ist ja noch viel schöner als mit dem alten Teleskop.»

Weitere informationen finden Sie unter www.sternwarte-sternenberg.ch.